Amadeus | 33 | Berlin

„Ich brauche einen Groove oder Swing.“

Es ist ein trister, nasskalter Januarsonntag in Berlin. Der Wind macht jeden Regenschirm überflüssig aber hey, dit is Berlin, wa? Und wir sind ja schließlich nicht aus Zucker. Immer noch besser als unter meterhohen Schneedecken zu ersticken, wie es zu dieser Stunde in Süddeutschland der Fall ist. Glücklicherweise ist es vom Prenzlauer Berg nicht weit nach Friedrichshain – BVG, wir lieben dich auch (meistens zumindest)!

Mal eben aus der M10 gesprungen und schon sind wir da, bei Amadeus, unserem Objekt der Begierde. Amadeus? Klingelt’s da vielleicht? Richtig! Da gab’s doch mal diesen wahnsinnig talentierten und berühmten Komponisten, DAS Wunderkind der klassischen Musik. Nun, unser Amadeus hier ist mindestens genauso musikalisch und nicht weniger talentiert – sein Herz schlägt aber für den Jazz!

Auch unsere Herzen schlagen sofort höher, als wir einige Stufen später (es hätte auch einen Aufzug gegeben, aber die Neujahrsvorsätze will man ja nicht direkt wieder verwerfen) mit Schnappatmung vor Amadeus stehen, der uns mit einem breiten Grinsen und strahlenden, hellblauen Augen die Tür öffnet.

Kaum Luft geholt, finden wir uns kurze Zeit später bereits in seiner hellen, gemütlichen und minimalistisch gehaltenen Wohnküche mit einer Tasse Phoenix Eyes Jasmintee in der Hand wieder. Der ist ihm heilig, den bekommt er immer von Freunden aus Russland zugeschickt.

Denn Kaffee trinkt Amadeus nicht. Der Geruch ist top, aber der Geschmack ein Flopp. Weil der Mann aber nicht nur an sich und sein Wohlbefinden denkt, brüht er meinem Love-Partner-in-Crime natürlich trotzdem welchen. Wie aufmerksam! Als er kurze Zeit später dann seinen selbst gebackenen, traditionell französischen Mandelkuchen aus dem Ofen holt, können wir unser Glück kaum fassen – Liebe geht halt durch den Magen, das sieht unser Single auch so! Deshalb kocht er viel und gerne zuhause, am liebsten italienisches Essen.

Und das, obwohl er doch halber Franzose, genauer gesagt: Korse, ist! Geboren wurde er zwar in Deutschland, mit zarten zwei Wochen hat man ihn dann aber recht schnell in den Norden Korsikas, in ein Dorf nahe Bastia, mitgenommen. Dort war er wunschlos glücklich: Sonne, Meer und Fußball, der jährliche Familienurlaub und – nicht zu vergessen: – das Saxophonspielen bestimmten seine ersten 18 Lebensjahre. Fußball spielt er heute immer noch, Saxophon auch. Und wie!

Nach dem kulinarischen Verwöhn-Programm kommen wir in den Genuss eines kleinen Privatkonzerts. Dafür wechseln wir vom Wohnzimmer in einen kleinen feinen Raum, der als Musikstudio und Gästezimmer dient. Hier übt Amadeus fleißig für alle möglichen Gigs, denn mit Saxophonspielen verdient er sein Geld. Ziemlich cool!

Es wird gefachsimpelt über die verschiedenen Saxophonarten, von Tenor bis Bariton. Es besteht kein Zweifel, der Mann versteht sein Handwerk! Kein Wunder, immerhin hat er schon mit zehn Jahren angefangen zu spielen. Als ich ihn frage, ob er schon immer wusste, dass er Saxophon spielen will, leuchten seine Augen.

Sofort erzählt er uns, wie er im zarten Alter von drei Jahren ein Spielsaxophon in der Kita bekam und die Form so toll fand, ohne zu wissen, was das eigentlich war. An dieser Erfahrung hat er festgehalten und lebt heute seine Leidenschaft. Beeindruckend! Endlich mal ein konsequenter Typ!

Da war es dann nur logisch, nach dem Abi Jazz und Saxophon zu studieren und das wohl behütete Familiennest zu verlassen. Die romantische Hafenstadt Nizza an der französischen Riviera sollte für vier Jahre sein Zuhause sein. Doch irgendwann wird auch der schönste Urlaubsort langweilig. Genug Savoir vivre, auf nach Amsterdam! Es lockte der gute Ruf des Konservatoriums und so absolvierte er hier schließlich seinen Bachelor. Da war er dann 22.

Gekifft hat er übrigens nie so richtig, höchstens mal kurz gezogen. Ein Zuhause-Gefühl wollte sich aber auch hier nicht wirklich einstellen. Zum Glück ging er dann mit Erasmus nach Berlin und: blieb einfach hier. Halleluja!

Wie man das halt so macht, gründete Amadeus zu jener Zeit auch seine eigene Band Chat Noir (zu deutsch: die schwarze Katze). Oh là là! Es soll ja Leute geben, die abergläubisch sind. Tatsächlich mussten die Jungs das während eines Bandurlaubs in Südfrankreich feststellen. Cool und lässig, wie sie sind, gaben sie mal eben ein spontanes Konzert auf der Straße. Als sich eine Lady dann für die Band interessierte und den Namen auf dem Fyler las, nahm sie – vite, vite – Reißaus! Selber schuld!

Die Musik klingt nämlich so gar nicht nach Pech und Unglück, im Gegenteil! Wir lauschen den fröhlich mediterranen Instrumentalklängen und träumen uns bereits in unseren nächsten Badeurlaub.

„Das ist Gypsy Swing“, erklärt Amadeus und holt uns in die Realität zurück. Ahja, Gipsy Kings („Bamboleo“) kenn ich! Moment mal, Gypsy Swing? Ach so! Hä? Wer jetzt auch erstmal doof aus der Wäsche guckt, der sei beruhigt: Unser Vollblutmusiker hat mir versichert, dass dieses Genre mit osteuropäischen Einflüssen eher unbekannt hierzulande ist.

Die Band ist gut gebucht und erfolgreich. Regelmäßig spielen die vier u.a. im Yorckschlösschen oder der Villa Neukölln. Das macht unserem meist eher ruhigen und zurückhaltenden Single so richtig Spaß. Auf der Bühne ist Amadeus nämlich gerne Rampensau und Entertainer, hier blüht er auf. Zwischendrin muss es dann auch mal eine Hochzeit, ein Geburtstag oder das Konzert im Bundestag sein. Weniger spannend, aber gut bezahlt.

Lieber spielt er allerdings vor einem kleinen Publikum, das seine Musik feiert! Sein größter Traum ist es, einmal neben Toto und Deep Purple auf dem Patrimonio Gitarrenfestival in seinem Heimatdorf auf Korsika zu spielen – so nach dem Motto: „Schaut her, wer aus der großen deutschen Stadt zurück ist!“

Außer Saxophon spielt Amadeus auch noch leidenschaftlich gern (und wirklich gut) Klavier. Aber keine Angst, du musst keine Musikerin oder Jazzliebhaberin sein, um sein Herz zu erobern. Klar, Musik ist sein Leben, aber mindestens genauso wichtig sind Freunde und Familie für ihn. Er ist nämlich eine echt treue Seele und besucht seine Liebsten regelmäßig auf der ganzen Welt.

Von Korsika über Nizza, Paris, Genf, Amsterdam oder auch Kanada (wo sein Bruder lebt) – der Mann ist schon ganz schön in der Welt herumgekommen. Wenn er nicht gerade abends in den Jazzclubs dieser Stadt spielt, tingelt er mit Kumpels durch seinen Kiez. Gern geht er zum Kickern ins Zimt und Zunder oder holt sich eine Pizza bei Pomodorino um die Ecke. Für seinen Lieblingsasiaten Monsieur Vuong fährt er auch mal nach Mitte.

Ein Absolutes No-Go sind für Amadeus Fertigprodukte, die wirst du bei ihm vergebens suchen. Alles Bio und frisch, so lautet seine Devise. Und Fleisch isst er sowieso sehr selten, da achtet er dann besonders auf Qualität. Vorbildlich, ist eh viel gesünder und besser für die Umwelt. À propos: Umwelt- und Tierschutz – die liegen Amadeus neben seiner Musik echt am Herzen. WWF, BUND oder Aktion Tier, am liebsten würde er noch viel mehr unterstützen.

Wir finden er ist bei den guten Menschen dieser Welt schon ganz, ganz weit vorne dabei. „Weniger ist mehr“, oder „Klasse statt Masse“ – beides beschreibt die Einstellung unseres Musiker ziemlich gut, Materielles ist ihm nämlich echt nicht so wichtig, mit Massenkonsum kann er gar nicht.

Pünktlich zum Happy End haut er dann aber nochmal ein echtes Schmankerl raus, das seine „Ich bin nicht spontan“-Aussage (in seinen Augen ein Manko) mal eben ziemlich krass entkräftet: Vor vier Jahren ist er – Überraschung! – ganz spontan mit einer Frau nach Mallorca geflogen. So weit, so unspektakulär. Der Clou: Sie hat ihn damals im Rahmen eines RTL-Formats auf der Straße angesprochen und noch am selben Abend saßen zwei sich Unbekannte im Flieger.

Die große Liebe ist es zwar nicht geworden, aber hey, dafür sind wir ja schließlich zuständig und nicht RTL! Also Ladies, dieser Mann hat Humor, Herz und ein musikalisches Talent zum Niederknien … ran da!

Kontakt

Sorry, Amadeus ist gerade nicht auf der Suche. Schnüff. Mehr Singles aus Berlin gibt es hier.

LARISSA FISCHER ist ein Mix aus Münchner Kindl und rheinischer Frohnatur. Seit gut zwei Jahren studiert sie ihren Master in Kunstgeschichte in Berlin und lässt sich mal mehr, mal weniger von den vielen Verlockungen der Stadt (inklusive ihrer männlichen Bewohner) ablenken. Im anonymen Großstadt-Dschungel ist sie stets auf der Jagd nach echten Gefühlen, neuen Herausforderungen und den alltäglichen Glücksmomenten. Ihr Herz trägt sie auf der Zunge, Ehrlichkeit und Authentizität sind ihre täglichen Begleiter. Sollten ihr mal die Tränen kommen, dann meistens vor Lachen. Begeistern kann sie sich schnell – am liebsten für Kunst, Interiordesign, Yoga und Musik. Ihr neuestes Hobby: Verkuppeln! #spreadlove #moreromance
CHRISTIAN kam zur Fotografie wie der Zugezogene nach Berlin: Und es hat Zoom gemacht! Seit mittlerweile 14 Jahren fesselt der Autodidakt nun kostbare Reise- und Landschaftseindrücke liebevoll an die Ewigkeit – von Australien bis Israel, von Porto bis Island. Christians Fotofinger ist süchtig nach markanten Momenten. Deshalb sucht er seit einiger Zeit den aufregenden Augenblick auf der Straße ebenso wie den Glitzerregen bei Events, um ihre Moment-Magie behutsam in seine Bilder zu legen. Nun möchte er sich mit der Arbeit für im gegenteil auch der Porträt- und Reportagefotografie widmen. Uuuund Klick.

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