Wie wäre es, wenn es endlich die Pille für den Mann gäbe?

Wir haben das Jahr 2019. Noch immer sind es meistens Frauen bzw. gebärfähige Menschen, die die volle Verantwortung für die Verhütung beim Sex tragen. Doch wie sähe eigentlich eine Welt aus, in der Männer, also die Spermien-Produzierenden, sich darum kümmern müssen? Unsere Autorin hat sich mal reingedacht.

Es ist ja schon spannend, was sich gesellschaftlich im Bereich der Gleichberechtigung tut. Vieles heiße ich gut, das ist ganz klar. Und dass sich immer mehr Menschen mit ihrer Gesundheit beschäftigen, mit ihrer Ernährung, finde ich alles schön und toll. Wenn ich aber höre, dass manche Männer sich nicht mehr allein um die Verhütung kümmern wollen – das geht mir eindeutig zu weit! Es ist gefährlich, wenn sich Gleichberechtigung auf immer mehr Bereiche des Lebens ausweitet. Warum etwas verändern, wenn es doch so gut funktioniert?

Tatsache ist, dass die Pille für die Frau weit davon entfernt ist, auf den Markt gebracht zu werden. Die Testerinnen litten unter so starken Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen, dass die Testphase abgebrochen werden musste.

Es ist gefährlich, wenn sich Gleichberechtigung auf immer mehr Bereiche des Lebens ausweitet. Warum etwas verändern, wenn es doch so gut funktioniert?

Was macht man aber nun, wenn der eigene Freund die Pille nicht mehr nehmen will? Leider scheint er mittlerweile in guter Gesellschaft zu sein. Er hat irgendwo in so einem Männermagazin gelesen, dass seine Unlust beim Sex mit der Pilleneinnahme zu tun haben könnte. Pah! Es ist doch bekannt, dass Männer einfach von Natur aus nicht so viel Bock haben wie wir Frauen!

Auch meine Freundin Mia hat schon länger Ärger mit ihrem Freund. Der liebe Martin entwickelt sich immer mehr zu so einem übertriebenen Gesundheitsfreak. Angefangen hat es damit, dass er unzuverlässiger mit der Pilleneinnahme wurde. Er vergaß sie ständig. Es passierte nicht nur einmal, dass Mia mit ihm nachts zur Apotheke fahren musste, um die Pille danach zu besorgen. So viel Drama!

Wenn Mia die Pille nehmen würde, gäbe es bestimmt keine Probleme. Dann fing er tatsächlich damit an, ob sie nicht lieber Kondome benutzen könnten. Mia war sauer und vor allem verletzt. Für seine Exfreundin nahm er die Pille schließlich auch. Wollte er ihr nicht mehr so nah sein?

Martin hat sogar eine Facebook-Gruppe gegründet, Pille Adé, wo er sich mit anderen Männern austauscht. Die Mitglieder, selbstverständlich alle männlich, berichten von ihren schlechten Erfahrungen mit der hormonellen Verhütung. Da mein Freund auch Mitglied ist, durfte ich mal mitlesen.

Ein Mann meinte, sie allein könnten schließlich keine Kinder zeugen, warum liegt es dann nur an ihnen, die Schwangerschaft zu verhindern?

Viele Männer beschweren sich darüber, dass sie allein für die Verhütung verantwortlich sind. Einige bemängeln die Selbstverständlichkeit, mit der sie von ihren Vätern zu Urologinnen gezerrt wurden, sobald sie ihre erste Freundin hatten. Ein Mann meinte, sie allein könnten schließlich keine Kinder zeugen, warum liegt es dann nur an ihnen, die Schwangerschaft zu verhindern?

Was ich immer wieder las, war, dass sie es leid seien, sich „ständig Hormone einzuschmeißen“. Sie hätten keine Lust mehr auf die Nebenwirkungen. Die glauben, dass ihre Probleme wie Gewichtszunahme, Akne, Migräne und Depressionen von dieser kleinen Pille ausgelöst wird! Dabei haben sie doch so viele Optionen! Sie haben die Wahl zwischen Pille, Pflaster, Implantat, Ring oder einer Injektion. Wenn sie keine Hormone mögen, gibt es auch allerhand. Zum Beispiel könnten sie sich ein Kupferteil einsetzen lassen – ist nur ein kleiner Eingriff durch die Eichel.

Es kribbelte mir so in den Fingern. Am liebsten hätte ich die werten Herren daran erinnert: Ohne die revolutionäre Antibabypille wären Männer nicht dort, wo sie heute sind! Ohne dieses Präparat, das Anfang der 1960er auf den Markt kam, hätten wir im 21. Jahrhundert ganz sicher nicht den ersten männlichen Bundeskanzler erleben dürfen. Wenn der Kinder bekommen hätte, dann wäre er wohl kaum Kanzler geworden.

Aber es gibt auch Erfolgsgeschichten, wie die meiner Freundin Marta. Martas Freund behauptete, dass er seine Pille nicht gut vertrage. Obwohl seine Urologin auch meinte, dass er sich diese Stimmungsschwankungen einbilde und seine Kopfschmerzen nichts mit der Pille zu tun haben, setzte er sie einfach ab. Er meinte, er fühlte sich so viel besser. Aber für Laura war es die Hölle!

Die Kondome waren total nervig, den Geruch mochte sie überhaupt nicht. Dazu kam noch, dass sein Brustumfang schrumpfte. Zum Glück endete es gut. Sie machte ihm klar, dass sie ihm gerne besonders nah sein wollte – mit Kondomen nicht möglich. Er ließ sich überzeugen und von seiner Urologin ein neues Präparat verschreiben. Die neue Pille ließ seine Brust sogar noch größer wachsen!

Was, wenn es irgendwann wirklich die Pille für die Frau gibt? Immerhin könnten Männer Frauen dann kein Kind mehr anhängen!

Meine Cousine Ella ist etwas anders drauf. Sie würde ihrem Freund zuliebe die Pille für die Frau ausprobieren. Als meinte Tante, ihre Mutter, das hörte, war sie wenig begeistert: „Und was kommt als nächstes? Ihr heiratet und du nimmst seinen Namen an!?“

Mein Freund beklagt sich häufiger über Kopfschmerzen. Ehrlich gesagt, denke ich, dass es seine Art ist, sich aus der Affäre zu ziehen. Ob er nun Kopfschmerzen hat oder nicht – ich empfinde seine größeren Brustmuskeln als eine ganz nette Nebenwirkung! Außerdem  ist seine Haut viel besser geworden! Ehrlich gesagt, mir graut es davor, wenn er sich wirklich entschließt, die Pille abzusetzen.

Und was, wenn es irgendwann wirklich die Pille für die Frau gibt? Dann müsste ich diese Dinger vielleicht schlucken. Aber immerhin könnten Männer Frauen dann kein Kind mehr anhängen, indem er behauptet, die Pille zu nehmen, nur um im Nachhinein ein Kind zu haben und den Unterhalt abzustauben!

Headerfoto: Parker Whitson via Unsplash. („Gesellschaftsspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

KATHARINA wurde zwar in Berlin geboren, wollte aber eigentlich immer in die weite Welt hinaus. Vielleicht hat das mit ihren friesischen Vorfahren zu tun, die waren schon vor langer Zeit auf hoher See um die Welt gereist. In London fand sie für viele Jahre ihr Zuhause und studierte dort nicht nur Medienwissenschaften und Soziologie, sondern bekam nebenbei noch gleich zwei Kinder. Sie ist Feministin, obwohl sie denkt, dass das eigentlich selbstverständlich ist. Als überzeugter Killjoy kann sie schlecht mit Ignoranz umgehen. Was sie liebt, sind ungewöhnliche Biografien und am liebsten hört sie diese direkt von Menschen auf Reisen.

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