Wie Kummer, Sorgen und Streits unsere Liebe attackieren – und warum ich trotzdem optimistisch bin

Während ich mich neulich noch darüber freute, dass wir meinen persönlichen heiligen Gral der Beziehungsaufgaben geknackt hatten – uns nicht gegenseitig absichtsvoll verletzende Dinge an den Kopf zu werfen – schlich sich unter die Zuversicht und den Hochmut eben genau jene kleine zynische Nebenrolle in unseren Alltag.

Sie raunte uns zu, verpasste mir den Stempel „kontrolliert“ und dir den Spitznamen „rücksichtslos“ und übernahm das schöne weiße Laken, auf dem wir uns eben noch in Unschuld betteten.

Am Küchentisch eröffnetest du die Schlacht, indem du über dein Brötchen blinzelnd mit kleinen fiesen Provokationen um dich warfst. Womöglich war aber auch ich es, die angefangen hatte spitzzüngige Texte zu verfassen, um dich aus der Fassung zu bringen.

In der Routine liegt das Drama

Natürlich, wir sind nun etwas länger zusammen, haben die erste leidenschaftliche Welle hinter uns gelassen, in der es kaum mehr brauchte als unser Miteinander und etwas Sonnenschein. Bleibt Letzterer im trüben Herbst nun auch noch weg, suchen wir uns andere Themen, als das liebevolle Beschreiben meiner grünen Augen und deiner langen Finger in all ihren Details.

Stattdessen schmieden wir nun rachsüchtige Pläne, wie wir einander den letzten Konflikt nochmals so richtig aufs Brot schmieren können, ganz im Stillen, während wir an unserem Tee nippen und Kerzenschein deinen blonden Wimpernkranz bedeckt.

Ich blitze dich verschmitzt von der Seite an und überlege, ob es mir jetzt wichtig ist zu gewinnen oder in Harmonie ins Bett zu steigen.

Ich blitze dich verschmitzt von der Seite an und überlege, ob es mir jetzt wichtig ist zu gewinnen oder in Harmonie ins Bett zu steigen. Beides, gar nichts, alles, mal so, mal so.

Neulich stritten wir, nachdem wir uns scheinbar harmlos hochgeschaukelt hatten, von witzig zu frech. Ich saß halb gebeugt, halb niederkniend vor dir, du ächzend, wankend, drohend vor mir. Diesmal ging ich zu weit und baute ein Gerüst aus uncharmanten Wahrheiten auf, an denen du dich festhieltest, abzustürzen drohtest und laut „Stopp!“ einfordertest.

Ich verstand, wir hatten uns zum ersten Mal seit Monaten wieder so richtig gefetzt und ich war in einer Mischung aus Trauer, Sorge und Wut über unsere Inkonsequenz (nicht in allem das beste Paar auf dem Planeten zu sein) so verzweifelt, dass ich es wagte, ohne Versöhnung ins Bett zu gehen.

Am nächsten Morgen, wenn nicht sogar noch in stockdunkler Nacht, gelobten wir Besserung.

Die Rechnung dafür erhielten wir in Form einer unruhigen Nacht. Ich drehte mich, du wandtest dich, wir beide waren erschöpft voneinander – ohneeinander. Am nächsten Morgen, wenn nicht sogar noch in stockdunkler Nacht, gelobten wir Besserung.

In der Ruhe liegt die Kraft … oder doch die Qual?

Leider sollten wir uns auch die folgenden Wochen weiter quälen. Wir umrissen Themen: diese Pandemie, die politische Lage, unsere Familiensituation und Unzulänglichkeiten, die weder Spaß machten, noch hilfreich durch den tristen Herbst führten. Sie zogen uns nur tiefer in die Verzweiflung und Melancholie.

Vorher war alles besser. Wo ist unser vorher geblieben?

Vorher war alles besser. Wo ist unser vorher geblieben? Wieder dieser elende Küchentisch, wieder fernab eines Liebesschwures. Nun gab es nur noch dich, mich und die nächste Möglichkeit einander abgrundtief in die Seele zu spucken.

Unser letzter Konflikt war es dann aber auch, der mir nach drei fiesen Wochen zu verstehen gab, dass nicht wir als Paar unfähig waren, sondern die Umstände immer härter und härter. Die dunklen Tage, die viele Arbeit, diese lächerliche, ewig andauernde Krankheit. Wir sind erschöpft. Wir sind es leid. Wir sind wir, in unserer schlechtesten Verfassung.

Wir sind wir, in unserer schlechtesten Verfassung.

Die derzeitige Lösung verlangt von uns, etwas auf Abstand zu gehen. Einander wieder zu vermissen und durchzuatmen. In der Ruhe liegt die Kraft, heißt es immer. Wir waren so stürmisch mit uns umgegangen, jetzt fehlte es jedem von uns an Energie.

Unser Ausweg aus diesem Dilemma: wir gehen drei Schritte zurück. Raus aus diesem Alltag, den so keiner geschenkt haben wollte. Raus aus dem Druck sich miteinander durch diese Phase zu hieven. Lieber ein paar Momente ohneeinander, die versprechen, dass ich mich wieder mehr auf dich freuen kann. Dass wieder uns nach uns anfühlen.

Und so vermisse ich dich bereits nach sieben stummen Stunden und möchte dir die Welt erzählen. Aber ich genieße auch eben jenes Gefühl, denn es schien mir für eine kleine Weile gefährdet. Ist es aber nicht. Mein Gral ist noch randvoll Optimismus.

Headerfoto: cottonbro (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Laurine Lauretta, ein Perpetuum Mobile. Zwischen alleinerziehender Mutterschaft, pädagogischer Arbeit und Frausein, bleibt noch genug Zeit sich viele Gedanken um die Liebe, das Leben und allerlei Unsinn zu machen. Hier in Wort und Text.

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