Wie Corona mich zur längst überfälligen Pause zwang | Von Krankmeldungen und Verantwortung für uns selbst

DisclaimerDer folgende Text bildet die Perspektive einer einzelnen Person ab. Wir waren und sind alle auf unsere ganz persönliche Weise von der Corona-Pandemie betroffen. Wir denken an alle, die noch immer mit gesundheitlichen und/oder finanziellen Folgen zu kämpfen haben. Alle Artikel zum Thema Corona findest du hier.

Ich traue mich fast nicht, es auszusprechen, geschweige denn zu veröffentlichen. Als ich am Donnerstagmorgen den Anruf bekam, dass mein PCR-Test positiv sei (ct-Wert 18, hoch infektiös), war ich kurz erstaunt und im Anschluss total erleichtert. Ich entschuldige mich voller Achtung bei all den Menschen, die einen geliebten Menschen an COVID-19 oder ihre Existenz aufgrund der ganzen Maßnahmen verloren haben. Mir ist bewusst, was die Pandemie alles angestellt hat.

Die Welt darf sich für eine Weile ohne mich weiterdrehen. Ich darf mich frei machen.

Und trotzdem bin ich in dem Moment, in dem mir mitgeteilt wird, dass ich Corona habe, erleichtert, froh und glücklich. Denn das bedeutet, dass ich wirklich zu Hause bleiben muss, bis ich wieder genesen bin. Ich kann aufatmen, denn ich weiß, ich habe Zeit. Zeit zum Auskurieren, Zeit zum Herunterfahren, Zeit für mich. Die Welt darf sich für eine Weile ohne mich weiterdrehen. Ich darf mich frei machen von all den alltäglichen sozialen Verpflichtungen wie Arbeit, Weihnachtsfeiern und Sportveranstaltungen. Ich werde rausgezogen aus dem Hamsterrad.

Mir war alles zu viel

Zwei Nächte vor der Diagnosestellung hab ich mich schuldgeplagt im Bett herumgewälzt. Mir war alles zu viel. Ich fühlte mich gefangen in meinem Alltag, im Leben und merkte bereits, dass mein Körper sich querstellen wollte. Ich hatte Angst, es nicht mehr zu schaffen. Ich befürchtete, ins neue Jahr wie ein D-Zug zu rasen, völlig losgelöst von mir selbst. Und dabei ist doch der Dezember mit seiner Kälte und der Dunkelheit dafür geschaffen, es sich zu Hause so richtig gemütlich zu machen und das Jahr (mit oder ohne den Spotify-Jahresrückblick) Revue passieren zu lassen.

Ich war erschrocken darüber, wie schwer es mir fiel, Verantwortung für mich zu übernehmen.

Wieder einmal war ich sehr erschrocken darüber, wie schwer es mir fiel, Verantwortung für mich zu übernehmen und mich einfach mal ein paar Tage krankzumelden. Ich wünschte, ich hätte von meinem wohlverdienten Arbeitnehmerrecht Gebrauch gemacht, auch wenn es einfach nur meine Seele verlangte, weil ich Herzschmerz hatte oder im Rückzug während der Periode war oder weil ich einfach mal einen Tag für mich brauchte.

Krankmeldung

Die Definition der Arbeitsunfähigkeit besagt, dass man als Arbeitnehmer:in von dem Recht Gebrauch machen darf, wenn eine Verschlechterung der Erkrankung droht, weil man weiterhin (pflichtbewusst wie wir ja fast alle sind) krank arbeiten geht. Ich darf mich also nicht nur krank melden, wenn es mir nachweislich körperlich schlecht geht, sondern auch wenn ich nicht greifbare Schmerzen habe. Denn eines ist doch klar. Jeglicher Schmerz braucht Zeit und Ruhe zur Heilung.

Denn eines ist doch klar: Jeglicher Schmerz braucht Zeit und Ruhe zur Heilung.

Ich schreibe diese Zeilen in Zeiten, in denen Corona schon zum Alltag gehört und das Leben bis auf die Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln doch wieder seine ganz gewohnten Kreise zieht. Ich bin dankbar für das von außen auferlegte fünftägige Arbeitsverbot, das sich bei einem Anhalten der Symptome verlängert. Ich bin dankbar für meinen Körper, der in all dem Strudel eine Bremse gezogen hat und freue mich über die Freiheit und Kreativität, die mich im Auskurieren bereichern. Vielleicht bleib ich ja dann doch die ganze Woche noch zu Hause. Mal sehen.

Valeskavalini kitzelt kitzelt es in letzter Zeit ständig in den Fingern. Sie fühlt sich inspiriert und liebt es, zu schreiben. Sie hat so viel im Kopf, so viel, das raus will, gesagt werden möchte. Valeskavalini schreibt für sich, schon immer, seit der Kindheit. Sie hat Lust, es zu teilen, mag inspirieren und motivieren, Denkanstöße geben und sich mit ihrem Wirrwarr im Kopf nicht so alleine fühlen. Sie ist ein neugieriger und abenteuerlustiger Mensch, mit viel Tiefgang und Herz. Mehr von Valeskavalini findet ihr auf Instagram.

Headerfoto: Polina Tankilevitch (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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