Was macht mich wirklich glücklich? | Von der Seele geschrieben

Kannst du dich noch daran erinnern, wie uneingeschränkt du dich als Kind gefreut hast, wenn du dich gefreut hast? Und wie du automatisch nur das machen wolltest, was dir Spaß macht? Wie du unbeirrt der Freude gefolgt bist und dem, was dich glücklich macht?

Ich habe mich daran erinnert. Und dann ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass ich das verlernt habe. Mein Leben besteht aus Bedingungen und Einschränkungen, mein Glück beruht gänzlich darauf. Ich erlaube mir, erst dann glücklich zu sein, wenn ich dies und jenes erledigt und erreicht habe. Das ist so ziemlich das Gegenteil davon, dem zu folgen, was mir Freude bringt. Stattdessen folge ich dem, was ich glaube, tun zu müssen, um danach dann vielleicht glücklich zu sein. Ich verschiebe mein Glück auf später, knüpfe es an Bedingungen und schränke es selbst ein.

Glück finden wir in uns, wenn wir wollen

Glück ist nichts, dem wir hinterherjagen können, sondern etwas, das wir in uns finden. Und deshalb ist es so individuell. Es ergibt also überhaupt keinen Sinn, sich Glück davon zu erhoffen, das zu tun, was wir denken tun zu müssen. Also etwa 40 Stunden in der Woche zu arbeiten, Kinder zu bekommen, ellenlange To-Do-Listen zu schreiben und fleißig abzuhaken, viel Geld zu verdienen, Frühjahrssputz zu veranstalten, in einer Beziehung zu sein, früh aufzustehen, die Beine zu rasieren. Und so weiter und so fort.

Das Glück in mir zu finden, bedeutet: Ich kann jetzt und hier glücklich sein über das, was ist.

Das Glück in mir zu finden, bedeutet: Ich kann jetzt und hier glücklich sein über das, was ist. Ich kann mich jetzt und hier dazu entscheiden. Ich kann in mich schauen und um mich herum und das Glück in jeder noch so kleinen Kleinigkeit finden, die gerade ist. Wenn ich möchte. Und gleichzeitig gibt es bestimmte Dinge, die ich tun kann, von denen ich weiß, dass sie mich glücklich machen. Situativ, aber auch langfristig. Als Kind habe ich diese Dinge intuitiv so oft wie nur möglich getan. Heute darf ich es wieder lernen.

Kurzfristiges Glück

Es macht mich traurig, dass ich meinen Alltag wohl mit Dingen fülle, die mich gar nicht wirklich glücklich machen. Und im ersten Moment würde ich diese Tatsache auch vehement abstreiten. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass mich viele der Dinge, von denen ich mir Glück und Freude erhoffe, bloß kurzfristig glücklich machen.

Es macht mich traurig, dass ich meinen Alltag wohl mit Dingen fülle, die mich gar nicht wirklich glücklich machen.

Ich schaue fast jeden Abend irgendeine Serie, um runterzufahren und mich zu entspannen. Aber langfristig habe ich rein gar nichts davon. Ich scrolle stundenlang durch Social Media Feeds, um mich inspirieren zu lassen. Und sicher, die ein oder andere Inspiration kann mir Glück in irgendeiner Form für mein Leben bringen – aber die meisten Fotos und Videos vermögen es nicht, mein Glück zu vergrößern.

Wie ist das bei dir? Halte an dieser Stelle gerne kurz inne und denk mal drüber nach – wie viel von dem, was du so täglich treibst und tust, macht dich langfristig und nachhaltig glücklich?

Mir ist bewusst geworden, dass ich mein Leben so viel achtsamer und bewusster leben möchte.

Als ich über die kleine Leonie nachgedacht habe, die selbstverständlich immer das gemacht hat, was ihr die größte Freude brachte, habe ich auch an die alte Leonie gedacht, die ich hoffentlich irgendwann einmal sein werde. Und dabei ist mir bewusst geworden, dass ich mein Leben so viel achtsamer und bewusster leben möchte. Dass ich jeden Tag meines Lebens auskosten und die Möglichkeiten aus ihm herauspressen und nutzen möchte.

Das mag banal und abgedroschen klingen. Aber für mich bringt diese Erkenntnis eine kraftvolle Entscheidung mit sich, die mir das Ändern einiger Gewohnheiten und damit Disziplin abverlangt.

Was möchte ich erlebt haben?

Die erste Frage, die ich mir stelle, ist: Was macht mich tatsächlich glücklich? In dieser Liste stehen Dinge wie „kreativ schreiben“, „laut Musik hören und tanzen“, „in der Sonne Kaffee trinken“ und „anderen eine Freude bereiten“. Ich nenne sie meine Glücks-Gewohnheiten.

Genauso beantworte ich mir auch die Frage: Was macht mich nicht langfristig glücklich? So finde ich die Gewohnheiten heraus, die ich nach und nach loswerden möchte. Die Frage, die sich daran anschließt, ist: Wie baue ich mehr von den Dingen, die mich glücklich machen, in meinen Alltag ein? Routinen helfen mir immer sehr dabei, neue Gewohnheiten zu etablieren. Also integriere ich den Kaffee in der Sonne und das Tanzen einfach in meine Morgenroutine, um den Tag direkt glücklicher zu beginnen.

Routinen helfen mir immer sehr dabei, neue Gewohnheiten zu etablieren. Also integriere ich den Kaffee in der Sonne und das Tanzen einfach in meine Morgenroutine.

Neben dem Gedankenspiel, in dem ich mir sowohl die junge, verspielte als auch die alte, weise Leonie an die Seite hole und sie nach ihren Bedürfnissen befrage, hilft mir beim Umsetzen auch der Gedanke daran, dass ich in einem Jahr von heute auf das Jahr zurückblicken und 365 ausgekostete und gelebte Tage sehen möchte. Und wenn ich es mir noch greifbarer machen möchte, stelle ich mir den Moment vor, wenn ich abends im Bett liege und den vergangenen Tag reflektiere. Was möchte ich erlebt haben? Wie möchte ich gewesen sein? Was möchte ich gefühlt und empfunden haben?

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe ein paar Wochen hinter mir, in denen ich morgens nur schlecht aus dem Bett kam, weil ich dachte, der Tag wäre ohnehin egal. Das liegt sicherlich am momentanen Weltgeschehen, aber auch an meiner inneren Welt, die etwas aus den Fugen geraten zu sein schien. Die mir keinen klaren Grund mehr offenbarte, weshalb es sich lohnte, am Leben teilzunehmen.

Ich bin selbst diejenige, die meine Tage so gestaltet, dass sie sich „lohnen“.

Doch seit dem Moment, in dem ich der kleinen Leonie begegnete und sah, wie viel Freude sie am Leben hatte, ist mir bewusst, dass ich selbst diejenige bin, die meine Tage so gestaltet, dass sie sich „lohnen“. Oder mich eben schlichtweg ein wenig glücklicher machen.

Mein innerer Glücksspeicher

Was ich jedoch vermeiden möchte, ist, mich unter Druck zu setzen und dazu zu zwingen, jeden einzelnen Tag absolut glücklich und freudestrahlend durch die Welt zu gehen. Denn manchmal will ich überhaupt nicht durch die Welt gehen, sondern im Bett liegen und weinen. Solche Momente und Tage sind genauso wichtig, weil Gefühle nun mal gefühlt werden wollen, auch die, die das Gegenteil von Freude sind. Dafür muss es Raum geben.

Ich nutze meine Glücks-Gewohnheiten, um Glück zu speichern für die weniger glücklichen Tage, an denen ich darauf zurückgreifen kann.

Aber ich glaube, meine Glücks-Gewohnheiten füllen meinen inneren Glücksspeicher so zuverlässig auf, dass ich schneller wieder aus den Tiefs herausfinde. Und das sage ich nicht, weil ich da möglichst schnell wieder rausfinden muss, sondern, weil ich selbst da nicht lange bleiben möchte. Ich nutze meine Glücks-Gewohnheiten sozusagen, um Glück zu speichern für die weniger glücklichen Tage, an denen ich darauf zurückgreifen kann.

Headerfoto: ph.galtri (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

LEONIE MACHBERT schreibt Geschichten, seit sie schreiben kann. Sie hat Journalismus studiert und tobt jetzt irgendwo auf den weiten Feldern des freien Journalistendaseins herum. Dort sammelt sie Geschichten zu ihren Herzensthemen Body Positivity, Selbstliebe, Feminismus und den kleinen, zwischenmenschlichen Phänomenen. Sie liebt es, im Café zu sitzen, ihren Laptop alibimäßig vor sich aufzuklappen und dann zwei Stunden lang Leute zu beobachten. Mehr von ihr lest ihr auf ihrer Webseite.

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