Warum es okay sein muss, wenn Frauen jüngere Männer lieben

Immer wieder habe ich diese Phantasie: Ich schreite elegant gekleidet in die Lobby eines schicken 5-Sterne-Hotels. An meiner Seite: ein junger schöner Mann. Er ist 19, 20, maximal 21, trägt einen Anzug sowie ein sanftes, leicht überraschtes Lächeln auf den Lippen. Diese Welt ist noch neu für ihn. Die Leute um uns herum schauen, sie sehen uns an, weil wir schön sind – und ungewöhnlich: Eine Frau, eingehakt bei einem nur halb so alten Mann, der nicht ihr Sohn ist, – dies ist kein alltägliches Bild.

Diese Phantasie ist wie eine tiefe Sehnsucht, die mich regelmäßig und langsam auffrisst.

Diese Phantasie ist weder eine sexuelle noch eine romantische, sondern befindet sich irgendwo dazwischen. Sie ist wie eine tiefe Sehnsucht, die mich regelmäßig und langsam auffrisst. Denn ich liebe junge Männer – schon solange ich lieben kann. Es ist nichts, was kommt und geht, keine Phase, auch kein Experiment, sondern etwas immer schon Dagewesenes.

Nie habe ich diese Vorliebe verheimlicht; mit 18 habe ich mich auf dem Schulhof nach den 16-Jährigen umgeschaut, später, in meinen 20ern, nach denen, die sich zwischen 18 und den frühen 20ern befanden. Das, worüber andere Frauen immer redeten: diese angebliche Attraktivität der älteren Männer, die Schönheit ihrer Falten, der Reiz ihrer Erfahrung, all dies konnte ich nie auch nur im Ansatz verstehen. Männer im fortgeschrittenen Alter, mit mehr Erfahrung und Wissen als ich es habe, sehe ich als (für mich) absolut unsexy an, geradezu asexuell.

Vor einigen Jahren tat ich etwas für mich absolut Unpassendes. In der Trauer um einen 24-jährigen Schweizer, mit dem ich wochenlang durch Asien gereist war, der sich aber keine Zukunft mit mir vorstellen konnte, datete ich kurzzeitig einen Mann, der 5 Jahre älter war als ich: ich 35 – er 40.

Es war der jämmerlichste Sex, den ich je hatte.

Nachdem wir das erste Mal miteinander geschlafen hatten, überkam mich eine so nicht gekannte Bitterkeit, gepaart mit ein einem Hauch Einsamkeit und Trauer. Denn der Sex war technisch gut, sehr gut sogar. Er beherrschte so manche sexuellen Tricks, die für mich absolut neu waren. Und trotzdem war es auch der jämmerlichste Sex, den ich je hatte.

Dieser Mann war so routiniert und abwesend bei dem, was er tat. Man merkte unweigerlich, dass es ihm egal war, welche Frau da vor ihm lag, und dass er seine sexuellen Kniffe schon an so zahlreichen zuvor geübt hatte, dass er ihnen keine Aufmerksamkeit mehr schenkte. Alles war ein kalter professionalisierter Akt.

Dazu noch seine Falten, die ergrauenden Schläfen; schlagartig wurde mir bewusst: „Ich schlafe mit einem alten Mann.“ Zeit zu gehen und nicht zurückzukommen – weder zu ihm noch zu den anderen seiner Generation.

Es wird leider noch immer als normal angesehen, wenn alternde Männer sich eine junge Geliebte nehmen, als lächerlich jedoch, passiert es umgekehrt.

Natürlich weiß ich, dass ich hier stark pauschalisiere, doch dies mache ich bewusst, um wachzurütteln. Um zu zeigen, dass es leider noch immer als normal angesehen wird, wenn alternde Männer sich eine junge / jüngere Geliebte nehmen und deren frisches Fleisch hochjubeln, als lächerlich jedoch, passiert es umgekehrt. Erzähle ich Freunden, Kollegen, Verwandten, dass ich ausschließlich junge Männer mag, so sorgt dies stets für Gelächter und Erheiterung.

Ganz glauben will man es mir nicht, eine solche Paarung als ernstzunehmende Konstellation zwischen Mann und Frau ansehen, das erst recht nicht.

Wahrscheinlich träume ich genau deshalb von diesem Hotel-Moment, dieser Szene, die wir schon zigmal beobachtet haben, nur dass bisher immer die halb so alte Frau neben dem älteren Mann durch die Tür schritt.

Ich will der Welt zeigen, dass es auch andersrum geht. Dass ich einen deutlich jüngeren Mann ohne Falten und mit Bubi-Face begehre und er mich, die 37-Jährige. 

Ich will der Welt zeigen, dass es auch andersrum geht. Dass ich einen deutlich jüngeren Mann ohne Falten und mit Bubi-Face begehre und er mich, die 37-Jährige. Dass ich sein zartes Aussehen mag, seine Neugierde, unter anderem auf die Welt der Frauen, ihre Körper und auf Sex.

Mir ist bewusst, dass eine solche Verbindung vermutlich nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Aber muss sie das? Alles, wirklich absolut alles auf dieser Welt ist endlich, aber wir werden ein paar schöne Monate, vielleicht auch Jahre haben – mein schöner Junge und ich.

Headerfoto: Frau und Mann umarmen sich (Stockfoto) via Hrecheniuk Oleksii /Shutterstock. (“Gesellschaftsspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

KATHARINA liebt die Welt und ihre Vielfalt. Dementsprechend ist sie mehrere Monate im Jahr on the Road und teilt ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf ihrem Reise- und Lifestyle-Blog "So nah und so fern". Dort schreibt sie auch über fast alle anderen Dinge, die sie faszinieren und zum Nachdenken anregen, wie das Leben und die Liebe. Wenn sie mal nicht unterwegs ist, dann befindet sie sich in Köln oder Düsseldorf und unterrichtet Studenten aus den verschiedensten Ländern in Deutsch als Fremdsprache.

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