Warten auf den richtigen Zeitpunkt? – Wie wär’s denn mit jetzt?

Und wir warten, wir halten aus, wir taktieren und rangieren. Wir halten inne und sammeln unsere Kräfte. Wir warten auf den richtigen Zeitpunkt. Ich wage nun direkt mal eine These: Wer immer auf den richtigen Zeitpunkt wartet, der wartet vermutlich ewig.

Wer immer auf den richtigen Zeitpunkt wartet, der wartet vermutlich ewig.

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen und woran erkenne ich ihn? Gibt es den einen Moment, in dem alles perfekt ist? In dem sich alle Bedenken in Luft aufgelöst haben? Meiner Meinung nach gibt es nur wenige Dinge, für die es den einen richtigen Moment gibt. Die meisten Entscheidungen, die wir treffen, sind nicht in Stein gemeißelt. Dennoch lassen wir uns ewig auf einer Welle aus Bedenken und Ängsten treiben und warten auf seichtere Gewässer und den vermeintlich richtigen Moment.

//„Ich mag Dich.“ Verdammt, mag ich Dich gern – und das macht mir Angst. Vor was ich Angst habe? Angst vor dem Fall, Angst vor dem Scheitern, Angst vor neuen Verletzungen und vor allem Angst davor, dass Du meine alten Verletzungen siehst und mich dann ablehnst.

Ich fürchte mich davor, mich in Deinen Armen wohl zu fühlen und noch mehr fürchte ich mich davor, dass Du mich irgendwann nicht mehr in den Arm nehmen willst. Im Grunde ist alles zum Scheitern verurteilt, denn die Angst wird erst mich und dann ganz langsam auch Dich zerfressen.

Angst zerstört uns, aus Angst resultiert keine Liebe. Aus Angst entsteht maximal Abhängigkeit und dann noch größere Angst, nämlich die Angst, alleine nicht mehr vollkommen zu sein.

Aber am Ende löst sie doch nur Dich und mich auf. Zersplittert uns und macht uns mit jedem Mal mehr zu Menschen, die wir nicht sein wollen.

Deswegen warten wir. Vielleicht verschwindet die Angst ja irgendwann, löst sich in Luft auf. Aber am Ende löst sie doch nur Dich und mich auf. Zersplittert uns und macht uns mit jedem Mal mehr zu Menschen, die wir nicht sein wollen und die auch sonst keiner besonders gerne in seinem Leben haben möchte. //

Wir sind alle gezeichnet, tragen mehr oder weniger große Narben an unseren Körpern, an unseren Seelen, in unseren Herzen. In dem Moment, in dem wir das Nachdenken begonnen haben, liegt der Anfang unserer Ängste und Bedenken begründet. Wir denken, wir denken und denken und denken und selbst wenn wir nicht denken, denken wir.

Wir wollen alles richtig machen, möglichst mit Bedacht handeln und alles weitestgehend rational mit dem Kopf entscheiden. Bevor der Kopf entscheidet, haben wir das meiste bereits komplett zerdacht. Das machen Menschen gerne: Dinge zerdenken. Umso älter man wird, desto mehr zerdenkt man.

Dinge in einem Schwebezustand zu halten, darin sind wir Profis geworden. „Experten fürs nicht entscheiden können“ quasi.

//Gefangen in meinen Gedanken über Ängste und Bedenken, schiebe ich Entscheidungen vor mir her und möchte mich nicht festlegen. Dinge in einem Schwebezustand zu halten, darin sind wir Profis geworden. ‚Experten für’s Nicht-Entscheiden-Können‘ quasi. Wir warten auf ein Signal … ‚UND LOS‘… – aber dieses Signal kommt nicht, keiner sagt uns, ob und wann wir den nächsten Schritt wagen sollen.

Früher war das einfacher, unsere Eltern und Lehrer haben uns 18 Jahre lang gesagt, wo es lang geht. Irgendwann durften wir dann selbst Entscheidungen treffen und konnten es dann doch nicht. Weil wir anfangs natürlich auch mal Entscheidungen getroffen haben, die wir später bereuten. Damit kam die Angst.

Wir haben eine Wahl und das ist das kostbarste Geschenk, das wir besitzen, und wir sollten es nutzen und zwar nicht erst morgen oder übermorgen.

Wir sollten uns fragen, ob die Entscheidungen, die wir später bereut haben, nicht doch für den jeweiligen Moment genau richtig waren. Eins steht nämlich fest: Mit jedem Wagnis, das wir eingehen, sammeln wir Erfahrungen. Wir lernen aus Dingen, die gut laufen, aber besonders gut lernen wir aus den Dingen, die schlecht laufen. Sie machen uns stärker.

Klar, unser Ziel sollte es nicht sein, schlechte Erfahrungen zu sammeln, um daraus zu lernen, aber wir sollten das Potenzial in ihnen erkennen. Wir haben eine Wahl und das ist das kostbarste Geschenk, das wir besitzen, und wir sollten es nutzen – und zwar nicht erst morgen oder übermorgen … Wie wär‘s denn mit jetzt?

Herzlis liebt guten Weißwein, die Hochs und Tiefs im Leben, genauso wie das Meer und die Küste. Sie hat eine Schwäche für Männer mit Gitarre und das, obwohl ihre Mum ihr den Rat gab „Lass das lieber mit den Musiker-Männern.“ Wenn sie gerade mal nicht einen Gitarristen anhimmelt, ist auf der Suche nach sich selbst und verliert sich hierbei zu gerne in den Details. Mehr gibt es bei Instagram.

Headerfoto:  Caleb Jones via Unsplash. (”Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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