Ich muss jetzt meine wahre berufliche Erfüllung finden – oder auch nicht!

„Was tue ich hier eigentlich?“ – Fragst du dich das auch manchmal? Ich stelle mir diese Frage durchaus regelmäßig. Bei der Arbeit, bei eigenen Projekten, auf der Suche nach neuen Projekten, auf der Suche nach der Tätigkeit, die mich voll und ganz erfüllt, beim Spazieren gehen, beim Warten in der Kassenschlange.

Meistens stelle ich mir die Frage tatsächlich im Kontext meiner Arbeit, eigener Projekte und meiner Zukunft. Und meistens ist sie eng gekoppelt an die Frage: „Was will ich eigentlich?“ Tja, und was will ich eigentlich? Na, meine ultimative Erfüllung finden. Ist doch klar!

Entschuldigung, wo kann ich hier meine berufliche Erfüllung finden?

Langsam, aber sicher gehe ich auf die 30 zu. Trotzdem habe ich das Gefühl, meinen richtigen Platz in der großen weiten Arbeitswelt noch nicht so recht gefunden zu haben. Oder eher: immer noch meine berufliche Erfüllung finden zu müssen.

Klar, es gibt Dinge, die mich interessieren und Dinge, die ich gerne mache. Und die ich jetzt schon mit meiner Arbeit und eigenen Projekten verbinden kann. Das Schreiben zählt insbesondere dazu. Das ist ja immerhin ein Anfang. Aber was ist das Ziel? Wo finde ich denn nun meine ultimative Erfüllung? Und: Will ich nicht vielleicht doch was ganz anderes machen? Bin ich eigentlich auf dem richtigen Weg oder lauert meine berufliche Erfüllung nicht an irgendeinem völlig anderen Ort?

Die Arbeitswelt ist flexibel und wir sind es auch

Wir leben in einer anderen (Arbeits-)Welt als früher. Heute beginnt man nicht mehr einen Job und hält an diesem bis zum Rentenbeginn fest. Zumindest ist es nicht mehr die Regel. Die Berufswelt ist flexibel. Und wir sind es auch. Oben drauf sind wir auf der Suche nach (beruflicher) Erfüllung. Und das mehr denn je.

Ein normaler Job und einfach nur Geld verdienen? Das reicht uns nicht mehr. Wir wollen mehr. Wir wollen die absolute Erfüllung. Und das ist Fluch und Segen zugleich. Beziehungsweise: Es kann ein Fluch sein, es kann aber auch ein Segen sein. So jedenfalls mein Eindruck.

Erfüllung finden wollen: Ein Fluch?

Obwohl Erfüllung eigentlich etwas Schönes ist, gehen wir gerne mit einem falschen Blick und destruktiv damit um. Dann beschert uns das Thema eher Verzweiflung und Frustration als dass es uns positiv stimmt.

Ein Fluch ist es, wenn wir uns immer und immer wieder verzweifelt fragen „Was tue ich hier eigentlich?“ und uns den Kopf darüber zerbrechen, wo es hingehen soll und was denn nun unsere eine wahre Erfüllung ist. So habe ich das ja gerne immer mal wieder gemacht. Und manchmal mache ich es immer noch.

Es ist ein Fluch, wenn es unser einziges Ziel ist, die eine wahre berufliche Erfüllung zu finden. Wenn es das Ziel ist, das Ziel zu finden. Das ist in etwa so, wie ein Hund, der unermüdlich im Kreis läuft, um chancenlos seinen eigenen Schwanz zu jagen.

Es ist ein Fluch, verzweifelt weiter und weiter das Ziel finden wollen, ohne den Weg, den man entlanggeht, bewusst wahrzunehmen und richtig zu sehen, geschweige denn genießen zu können.

Oder doch ein Segen?

Gut, dass wir das Ganze auch noch aus einer anderen Perspektive sehen können. Zum Segen, wird unsere flexible Arbeitswelt und der Wunsch nach Erfüllung nämlich dann, wenn wir es nicht als unbändige Suche ansehen, sondern als freundlichen Begleiter und Wegweiser.

„Der Weg ist das Ziel“ ist ein Satz, den wir gerne mit einem beiläufigen Lächeln wegnicken. Doch er ist nun einmal sehr richtig. Wir werden nie wissen, was unser endgültiges Ziel und somit auch unsere endgültige Erfüllung ist.

Kein Ziel und keine Erfüllung ist in Stein gemeißelt. Nur, weil es mich aktuell oft erfüllt zu schreiben, heißt das nicht, dass es in fünf Jahren immer noch so ist.

Manch eine*r kann es vielleicht erahnen, andere wiederum gar nicht. Beides ist okay und in beiden Fällen gilt: Es kann sich jederzeit ändern. Kein Ziel und keine Erfüllung ist in Stein gemeißelt. Nur, weil es mich aktuell oft erfüllt zu schreiben, heißt das nicht, dass es in fünf Jahren immer noch so ist. Oder in einem. Bzw. dass etwas anderes mich dann nicht noch mehr erfüllt.

Wir verändern uns und was uns erfüllt, verändert sich auch

Wir verändern uns und unsere Ziele, Wünsche und was uns erfüllt, verändern sich ebenfalls. Die flexible Arbeitswelt heutzutage und unser ausgeprägter Wunsch nach Erfüllung geben uns die Möglichkeit, unsere Arbeit und unser Schaffen immer wieder neu zu hinterfragen, immer wieder zu reflektieren, Neues auszutesten und zu lernen, offen zu sein, und immer wieder neu zu evaluieren.

Statt uns den Kopf also darüber zu zerbrechen, was die endgültige Erfüllung ist, wo der eine wahre Platz für uns ist und uns mit der Frage „Was tue ich hier eigentlich?“ rumzuschlagen, gilt es doch vielmehr, den Status Quo ins Visier zu nehmen, zu reflektieren und neue Wege davon abzuleiten.

„Die eine wahre Erfüllung“ finden ist nur ein abstrakter Gedanke

Die eine wahre Erfüllung ist im Prinzip etwas ziemlich Abstraktes. Etwas, von dem wir denken, es würde irgendwo in der Zukunft sehnsüchtig und mit ausgestreckten Armen auf uns warten, bis wir es endlich gefunden haben. Das tut sie aber nicht. Es ist einfach ein abstrakter Gedanke, der sich durch unseren Kopf zieht.

Was erfüllt mich eigentlich jetzt gerade?

Statt uns mit diesem abstrakten Zukunftsgedanken das Hirn zu zermartern, sollten wir lieber auf das Hier und Jetzt sehen. Es gibt unzählige Fragen, die nicht abstrakt sind und sich offen, nüchtern und ehrlich beantworten lassen und uns dadurch wirklich weiterbringen können:

  • Macht mir mein Job noch Spaß?
  • Was an meinem Job macht mir Spaß und was nicht?
  • Was erfüllt mich jetzt gerade?
  • Gibt es Jobs, die gerade besser zu mir passen würden?
  • Was will ich lernen?
  • Was interessiert mich gerade besonders?
  • Gibt es ein eigenes Projekt, das ich gerne umsetzen würde?
  • Was sind meine Hobbys?
  • Spiegeln sich meine Hobbys auch in meiner Arbeit wider?

Berufliche Erfüllung finden: immer und immer wieder

Ich glaube ja: Wir können Erfüllung immer und immer wieder finden und erfahren. Mal in kleineren Dosen, mal in größeren. Aber: immer wieder.

Und zwar auf einem unendlichen Weg. Wenn wir diesen bewusst gehen. Scheiß auf das Ziel. Der Weg ist bereits das Ziel! Oder in diesem Fall: Der Weg ist unendlich und voll mit Erfüllung. Denn Erfüllung ist kein einmaliger End-Punkt, sondern ein flexibler und variabler Zustand, der jederzeit um die Ecke springen kann.

Hi Erfüllung, da bist du ja wieder!

Wir besitzen die Möglichkeit, unseren Standpunkt und Weg regelmäßig ins Visier zu nehmen, zu hinterfragen, Abzweigungen zu nehmen und die Richtung zu ändern. Diese Möglichkeit sollten wir uns bewusst machen und danach handeln, um immer und immer wieder Erfüllung zu finden.

Das Einzige, was wir dafür tun müssen, ist, auf uns zu hören, ehrlich zu uns zu sein, zu akzeptieren und verstehen, dass unser Weg nicht klar ist und sich immer wieder verändern kann, so wie wir uns selbst auch, und uns zu trauen, unseren Gefühlen zu folgen.

Frage nicht nach dem Ziel, sondern nach den einzelnen Schritten

Die Frage nach wahrer Erfüllung, nach meinem ultimo Ziel, bringt mir wahrlich keine Erfüllung. Eher bereitet sie mir Kopfschmerzen. Denn so recht kann ich sie ohnehin nicht beantworten.

Andere Fragen jedoch, beispielsweise die, worauf ich gerade jetzt Lust habe, können mir sehr wohl weiterhelfen und mich in eine gewisse Richtung weisen. Eine Richtung, die, so oder so, Erfüllung für mich bereithält. Ohne, dass ich explizit nach dieser fragen muss.

Lasst uns also aufhören, vergebens die eine wahre Erfüllung finden zu wollen. Und lasst uns stattdessen Schritt für Schritt in die Richtung gehen, die sich gerade richtig anfühlt. Dann werden wir statt Verzweiflung und Frustration tatsächlich Erfüllung finden.

Schritt für Schritt deinen Weg entlang

Natürlich ist es auch klar, dass man nicht immer alles über Bord werfen kann, nur weil es gerade nicht gefällt. Es ist klar, dass man nicht einfach so kündigen, Projekte schmeißen oder den Job wechseln kann. Und dass man im Job auch mal Aufgaben erledigen muss, auf die man keine Lust hat. Und wir müssen auch nichts hinschmeißen.

Was wir aber regelmäßig tun sollten: reflektieren, Fragen stellen, nachjustieren, Alternativen auschecken, Schritt für Schritt die Wege einzuschlagen, die sich richtig anfühlen. Und vor allem: diesen Weg bewusst gehen. Mit dem Weg im Blick, nicht dem Ziel. Denn dann werden wir (berufliche) Erfüllung finden und überhaupt auch erkennen und empfinden. Open End. Immer und immer wieder.

Christine geht langsam aber sicher auf die 30 zu, wohnt, lebt und liebt in Berlin und macht irgendwas mit Medien. Ihre Gedanken verwandelt sie leidenschaftlich gerne zu Texten und teilt diese auf ihrem eigenen Blog und natürlich, wie sollte es auch anders sein, auf Insta. Dieser Text ist bereits hier erschienen.

Headerfoto: Philipe Cavalcante via Unsplash.(„Gesellschaftsspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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