Rückwirkende Eifersucht – oder: Fünf Frauen erzählen über die Sache mit der/dem Ex


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Ein kleines bisschen eifersüchtig zu sein ist normal – vielleicht sogar gesund. Denn Eifersucht kann ganz einfach bedeuten: Du bist dir im Klaren darüber, dass dein*e Partner*in jemanden treffen könnte, mit dem oder der es besser passt. Das kann wiederum dazu führen, dass du dein Gegenüber mehr schätzt, besser behandelst und nicht selbstgefällig wirst.

Eifersucht, die übrigens weit verbreitet ist, kann also ein hilfreiches Gefühl sein. Trotzdem solltest du nicht vergessen, dass ihr nicht ohne Grund in dieser Beziehung seid, ihr habt euch schließlich bewusst füreinander entschieden. Es gibt in der Regel also keinen Grund zur Sorge.

Es gibt aber noch eine andere, weniger hilfreiche Art von Eifersucht: die Retroactive Jealousy

Es gibt aber auch noch eine andere, weniger hilfreiche (aber möglicherweise genauso weit verbreitete) Art von Eifersucht neben der krankhaften, besitzergreifenden: die „Retroactive Jealousy“, also „etwa rückwirkende Eifersucht“. Betroffene sind eifersüchtig auf die Vergangenheit der Partnerin oder des Partners, genauer gesagt: auf vorherige Beziehungen und sexuelle Erlebnisse – und zwar selbst dann, wenn eigentlich nichts mehr läuft.

Bei einer leichten Ausprägung führt das etwa dazu, dass du ab und zu mal den Instagram-Account der oder des Verflossenen checkst, wenn dir langweilig ist. Oder du neugierig bist, über was sich dein*e Freund*in und die oder der Ex beim letzten freundschaftlichen Kaffee-Date unterhalten haben. Starke Ausprägungen äußern sich dagegen durch zwanghaftes, besessenes und zerstörerisches Verhalten.

Du scrollst dich zum Beispiel durch alle Posts, Kommentare und Fotos, die du online finden kannst und vergleichst dich permanent mit der verflossenen Liebschaft. Vielleicht löcherst du deine*n Partner*in auch und willst jedes kleine Detail wissen.

Nachfolgend erzählen fünf Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen. Die Personen, mit denen wir über ihre rückwirkende Eifersucht gesprochen haben, wollten anonym bleiben.

Nr. 1: Ich bin eifersüchtig, weil er mit jemandem mehr Zeit verbracht hat als mit mir.

Ich bin mir ziemlich sicher, mein Freund denkt nicht mehr über seine Ex nach – er spricht nicht mal mehr von ihr. Ich bin trotzdem eifersüchtig auf sie. Sie waren fast vier Jahre zusammen, was länger ist als unsere Beziehung. Ich bin eifersüchtig, weil er mit jemandem mehr Zeit verbracht hat als mit mir.

Ich habe sie noch nie getroffen, aber auf ihren Social-Media-Kanälen kommt sie sehr intelligent, kreativ und interessant rüber, was mich einschüchtert. Weil mein Freund einen großen Teil seines Lebens Interesse an ihr hatte, halte ich automatisch viel von ihr – denn ich halte ja auch viel von ihm.

Ich habe Nachrichten von seiner Ex auf seinem Smartphone gelesen und geh häufiger auf ihre Social-Media-Profile, als ich zugeben will.

Ich habe Nachrichten von seiner Ex auf seinem Smartphone gelesen und geh häufiger auf ihre Social-Media-Profile, als ich zugeben will. Am Anfang unserer Beziehung habe ich mir alte Fotos von ihnen angeschaut und es verunsichert mich sehr, dass er vor mir mit einer anderen Frau zusammen war, die damals das fühlte, was ich jetzt für ihn fühle.

Mir ist es sehr wichtig, dass er mir immer ein Gefühl der Sicherheit vermittelt und mir sagt, was er für mich empfindet. Meine Eifersucht kommt natürlich durch meine eigene Unsicherheit – das weiß ich – und er hat mir, genau genommen, auch nie einen Grund dafür gegeben. Deshalb versuche ich mein Bestes, unsere Beziehung nicht durch meine Ängste aufs Spiel zu setzen.

Nr. 2: Oft hatte ich das Gefühl, ihm im Bett nicht genug bieten zu können – verglichen mit seiner Ex.

Nach außen wirke ich immer wie eine superentspannte Freundin, doch mein Verhalten in Bezug auf Ex-Partnerinnen meiner Freunde beweist das Gegenteil. Vor ein paar Jahren loggte sich mein damaliger Freund auf meinem Laptop bei seinem Facebook-Account ein und vergaß anschließend, sich wieder abzumelden. Also las ich natürlich den kompletten Chat mit seiner langjährigen Ex.

Sie hatten eine Fernbeziehung und 90 Prozent von dem, was ich gefunden habe, war Sexting (wer macht das bei Facebook?!). Mein Kopf sagt, ich habe viel besser zu meinem damaligen Freund gepasst, was mein Bauch dazu meint, ist aber eine andere Sache. Oft hatte ich das Gefühl, ihm im Bett nicht genug bieten zu können – verglichen mit seiner Ex. Der Vorteil vom Stalking: Ich fand heraus, worauf er so steht.

Die beiden hatten eine märchenhafte Liebesgeschichte: Sie waren beide in einem ähnlichen Umfeld groß geworden.

Das war aber nicht die schlimmste Ex-Erfahrung für mich – die ehemalige Freundin eines anderen Ex-Freunds von mir schüchterte mich deutlich mehr ein. Die beiden hatten eine märchenhafte Liebesgeschichte: Sie waren beide in einem ähnlichen Umfeld groß geworden und lernten sich an der Uni kennen.

Ich verglich mich zwanghaft mit ihr und dass sie einige Charaktereigenschaften hatte, die ich mir selbst immer gewünscht hatte, machte die Sache nicht leichter für mich. Ich schaute mir jedes Facebook-Foto von ihr und den beiden an und stalkte ihr LinkedIn-Profil (anonym, natürlich).

Zum Glück ist ihr Instagram-Account privat, sonst hätte ich bestimmt irgendwann versehentlich einen Post aus dem Jahr 2015 geliked und dann hätte ich aus dem Land fliehen müssen.

Ich weiß, meine Gefühle sind irrational. Ich habe beiden Freunden komplett vertraut. Einer hatte mir sogar von sich aus alles erzählt, was mit seiner Ex schief lief und gesagt, sie wäre nichts im Vergleich zu mir. Ich habe sogar beide Ex-Freundinnen meiner damaligen Partner getroffen und hätte mich nicht selbstsicherer oder charmanter fühlen können. Vielleicht waren sie sogar eifersüchtig auf mich!

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Nr. 3: Die Angst zerstörte mein Selbstbewusstsein und zeigte sich darin, dass ich ihn nach dem Sex immer verhörte.

Ich war (und bin es, wenn ich so darüber nachdenke, wahrscheinlich immer noch) rückwirkend eifersüchtig auf eine Person, die ein paar Mal mit meinem aktuellen Freund Sex hatte – zwei Jahre bevor wir zusammengekommen sind. Es ist komplett irrational, aber weil ich mit dieser Person befreundet war, bevor ich meinen Freund kennenlernte, fühlt es sich so an, als wäre sie Teil eines intimen Clubs, zu dessen Party ich zu spät gekommen bin.

Wir sind schon seit dreieinhalb Jahren zusammen und zu Beginn unserer Beziehung war ich noch eifersüchtiger. Die Angst zerstörte mein Selbstbewusstsein und zeigte sich darin, dass ich ihn nach dem Sex immer verhörte. Das macht natürlich die ganze After-Sex-Stimmung kaputt.

Mindestens genauso unsexy, wenn nicht sogar schlimmer: Ich stalkte ihn online. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so richtig.

Mindestens genauso unsexy, wenn nicht sogar schlimmer: Ich stalkte ihn online. Und zwar nicht nur ein bisschen, sondern so richtig. Heute zeigt sich meine Eifersucht interessanterweise nur noch, wenn es ein tieferliegendes Problem gibt – mit meiner Beziehung, meinen Freund*innen oder generell mit meinem Leben.

Die Eifersucht ist also wie eine Art Warnsignal. Beispielsweise stelle ich beim Scrollen durch den Instagram-Feed einer Person irgendwann fest: Eigentlich bin ich gar nicht direkt auf die Person eifersüchtig. Eigentlich habe ich gerade ein ganz anderes Problem.

Nr. 4: Ich dachte, wenn wir gute Freundinnen wären, sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass etwas zwischen ihr und meinem damaligen Freund läuft.

Ich war etwa zwei Jahre mit meinem Ex-Freund zusammen und danach hatten wir immer mal wieder was miteinander. Die Beziehung war alles andere als gesund. Ich war oft ängstlich und unsicher, wodurch ich wiederum extrem eifersüchtig auf alle Frauen wurde, die in seinem Leben sind oder waren.

Besonders eifersüchtig war ich auf diese eine Frau, mit der er geschlafen hatte, obwohl er in einer Beziehung war. Dadurch ging die Beziehung am Ende auch in die Brüche. Das Schlimme war, sie war immer noch Teil seines Freundeskreises – eine größere Gruppe, die sich seit der Schule kannte und bei der alle schon mal was miteinander hatten.

Ich fühlte mich unwohl und machte mir Sorgen, wenn sie Zeit miteinander verbrachten – was relativ oft vorkam, immerhin waren sie ja befreundet. Und dann war auch Alkohol im Spiel (WG-Partys und so), was die Sache nicht leichter machte. Immer, wenn ich nicht dabei sein konnte, versuchte ich anschließend alles über den Abend herauszufinden: Wer war da, was sie gemacht haben, wer wo übernachtet hat.

Ich schaute mir alle Fotos an, die ich vom Event auf Facebook finden konnte und suchte nach verdächtigen Details.

So wollte ich mich selbst beruhigen oder ihm auf die Schliche kommen. Ich schaute mir alle Fotos an, die ich vom Event auf Facebook finden konnte, und suchte nach verdächtigen Details. Ich stellte mich innerlich schon darauf ein, etwas zu finden, und wenn du so an die Sache herangehst, findest du auch meistens etwas.

Ich versuchte, mich mit dieser Frau anzufreunden und sie besser kennenzulernen – besser als die anderen Mädels der Gruppe. Ich dachte, wenn wir gute Freundinnen wären, sei die Wahrscheinlichkeit geringer, dass etwas zwischen ihr und meinem damaligen Freund läuft, nach dem Motto: „Keep your friends close and your enemies closer“.

Mein Verhalten belastete unsere Beziehung, was nicht gerade überraschend war. Meinen Ex nervte und frustrierte meine übertriebene Neugier. Aber ich gebe mir selbst keine Schuld, denn mittlerweile weiß ich: Ich habe mich nur so verhalten, weil unsere Beziehung toxisch war. Und das lag hauptsächlich an ihm.

Nr. 5: Am liebsten hätte ich gesagt: Erzähl mir alles und lass nichts aus.

Ich litt mal unter einem sehr schlimmen Fall von Retroactive Jealousy, wobei ich damals noch nicht wusste, was das ist. Als ich das erste Mal mit meinem damaligen Freund schlief, entdeckte ich ein Foto von ihm und einer anderen Frau an der Wand. Sie war das genaue Gegenteil von mir: Sie war dünn, natürlich schön und hatte glänzende, braune Haare.

Ich fragte ihn, wer sie sei, und er antwortete lächelnd „Meine Schwester“. Nachdem ich ihr Bild gesehen hatte, ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich wollte wissen, was sie beruflich machte, wie sie sich kennengelernt hatten und warum sie Schluss gemacht hatten.

Ich stellte ihm ein paar Fragen, aber ich glaube nicht, dass er wusste, wie viele Gedanken ich mir machte. Am liebsten hätte ich gesagt: „Erzähl mir alles und lass nichts aus – selbst wenn wir hier drei Tage lang sitzen. Dann bestellen wir halt einfach was zu essen”.

Für mich war sie ein richtiges Mysterium und ich glaube, ich gab ihrem Geist viel zu viel Macht in unserer noch frischen, zerbrechlichen Beziehung.

Für mich war sie ein richtiges Mysterium und ich glaube, ich gab ihrem Geist viel zu viel Macht in unserer noch frischen, zerbrechlichen Beziehung. Ihr Name war Lee – ein Name, den ich immer noch sehr liebe. Nach ein paar Monaten hörte ich auf, mir Sorgen zu machen. Obwohl es ein paar brenzlige Situationen gab.

Das Gefühl, sie treffen zu können, sorgte für einen richtig krassen Adrenalinrausch. Einmal war sie im selben Pub wie ich – allerdings ging sie wenige Minuten bevor ich ankam. Und sie datete auch mal jemanden, den ich kenne, aber getroffen habe ich sie trotzdem nie.

Deshalb hatte ich auch immer nur ein idealisiertes Bild von ihr in meinem Kopf, das wahrscheinlich nicht viel mit der Realität zu tun hatte. Wie die meisten Hirngespinste löste sie sich aber irgendwann in Luft auf.

Headerfoto: ANDI WHISKEY via Unsplash. (Gedankenspiel-Button hinzugefügt). Danke dafür!

Text: Natalie Gil.

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