Das Spiel von Nähe und Distanz in Beziehungen

Ich saß in der U-Bahn und mein Herz klopfte wie wild. „Schreibt er – schreibt er nicht?“ Alles in mir war unruhig, emotionales Chaos, Angst und weit weg von jenem Walt-Disney-Märchen, nach dem ich mich so sehr sehnte. Schrieb er tatsächlich, analysierte ich stundenlang den Wortwechsel auf WhatsApp, ja analysierte, wie emotional nah oder fern er mir gerade war … und ob er vielleicht nur so tat, als ob.

Schrieb er mir nicht, neigte ich dazu, so zu tun, als würde er mir ohnehin nichts bedeuten und suchte die Linderung meines Schmerzes in einer gespielten Flucht in die Distanz. Dies war der Beziehungsalltag in einer Beziehung, die von einem permanenten Wechsel aus Nähe und Distanz geprägt war. Eine Beziehung, die dazu in der Lage war, allen Schmerz, alles Kämpfen um Liebe, alle Selbstzweifel und Verlustängste in mir zu mobilisieren und mich mit voller Schubkraft auf den Weg der Heilung drängte.

All dies ist nun mehrere Jahre her. Und ich liebe diesen Menschen noch immer. Mittlerweile auf eine sehr platonische, fast brüderliche Art und Weise. In einer Beziehung sind wir trotzdem schon lange nicht mehr. Es fühlt sich friedlich an, wir haben losgelassen und ich habe den höheren Sinn dieser Erfahrung erkannt und längst Bewusstsein darüber entwickelt, was in dieser Beziehung für mich zu lernen und zu heilen war.

Speziell für sensible Menschen ist dieses Wechselspiel von Nähe und Distanz in ihren Beziehungen unglaublich schmerzvoll.

Speziell für sensible Menschen ist dieses Wechselspiel von Nähe und Distanz in ihren Beziehungen unglaublich schmerzvoll. Und speziell sensible Menschen, die sich, ihren Schmerz und den Schmerz ihrer Mitmenschen unglaublich gut spüren, schlittern immer wieder diese Beziehungsform hinein: Eine Partnerschaft oder Affäre voller Ungewissheit, Unruhe, Instabilität, das ständige Hin und Her zwischen Hoffnung und Desillusionierung.

Ich habe großes Mitgefühl mit dir, wenn du in solchen Beziehungen steckst! Und doch habe ich erkannt, dass speziell diese Beziehungen unglaublich großes Bewusstwerdungs- und Heilungspotenzial in uns freisetzen. Tatsächlich halten sie uns den Spiegel auf eine Art und Weise vor, die uns sehr präzise dort hinführt, wo es wehtut.

Egal ob du in deinen Beziehungen ständig auf Distanz gehalten wirst oder derjenige bist, der immer wieder die Flucht ergreift. Beides sagt eine Menge über deine emotionalen Muster und führt tatsächlich an dieselbe Wurzel dieses Problems, das gesunde Beziehungen auf Augenhöhe, so wie sie uns tatsächlich gut tun, immer wieder verhindert.

Was uns das Spiel von Nähe und Distanz über unsere Muster verrät

Ich erinnere mich gut daran, wie ich besagtem Menschen stets subtil den Vorwurf der Beziehungsunfähigkeit machte, ja felsenfest davon überzeugt war, dass er derjenige sei, der durch seine Bindungsangst eine stabile Partnerschaft verhindere. Heute weiß ich: Ich machte mich durch diese Schuldzuweisungen selbst zum Opfer, um die Ursache nicht bei mir selbst suchen zu müssen.

Das Spiegelprinzip ist unerbittlich: Egal, wer in der Partnerschaft den vermeintlich übersteigert distanzierten oder den vermeintlich übersteigert bedürftigen Part einnimmt. Dieses Ungleichgewicht ist immer auf die Angst vor Kontrollverlust, die Angst vor dem „Ausgeliefert sein“ – sich selbst und dem Partner gegenüber – in der Beziehung zurückzuführen, die beide Partner in sich tragen und die sie oft völlig aus dem Unterbewusstsein heraus zu äußerst skurrilen, rational nicht immer erklärbaren Verhaltensmustern bewegt.

Während der eine Part aufgrund seiner Panik, sich selbst und die Kontrolle in der Beziehung zu verlieren, klammert und ständig mehr Nähe einfordert – sei es offensichtlich oder auf subtile Art und Weise – und mit allen Mitteln und Strategien um Liebe und Zuwendung kämpft, ergreift der andere Part aus demselben Motiv heraus immer wieder die Flucht. Weil auch er eine tiefsitzende Angst hat, die Kontrolle zu verlieren und nicht mehr Herr der Lage sein zu können – oft aus der Unfähigkeit heraus, auf dem Fundament eines gesunden Selbstwertes gesunde Grenzen für sich zu setzen und für sich und seine Bedürfnisse einzustehen.

Dieses Fluchtverhalten wiederum treibt den bedürftigen Part schier in den Wahnsinn, seine Angst vor Zurückweisung und damit Kontrolle über den Partner, über die Beziehung, über das Gefühl der eigenen emotionalen Sicherheit wird auf massivste Weise angetriggert, was einen völlig normalen Schutzmechanismus in Gang setzt. Weil der Schmerz kaum noch auszuhalten ist, macht der einst so nach Nähe lechzende Part alle Schotten dicht und baut meterhohe Mauern um sein Herz.

Ist der einst bedürftige Part auf einmal vermeintlich unabhängig und frei, kann ein radikaler Rollenwechsel erfolgen.

Die Konsequenz ist erstaunlich: Ist der einst bedürftige Part auf einmal vermeintlich unabhängig und frei, kann ein radikaler Rollenwechsel erfolgen. Denn kaum wähnt sich der einst distanzierte Part aufgrund der emotionalen Abgrenzung seines Gegenspielers in Sicherheit, keine Erwartungen mehr zu erfüllen oder zu viel Verantwortung übernehmen zu müssen, will er seinen Partner zurück. Und kann in diesem Zusammenhang selbst urplötzlich klammerndes, bedürftiges Verhalten an den Tag legen.

Weil dies dem einst bedürftigen Part das Gefühl von Sicherheit, Stabilität und dem finalen Durchbruch vermittelt, ist er in der Regel recht schnell wieder Feuer und Flamme darin, sehnsüchtig und mit großen Hoffnungen auf ein Neues die Partnerschaft einzugehen. Und das Spiel aus Nähe und Distanz geht in eine weitere Runde.

Egal, ob wir stets aus der Angst vor zu viel Verantwortung oder der Unfähigkeit heraus, gesunde Grenzen zu setzen in unseren Beziehungen immer wieder auf Distanz gehen oder völlig bedürftig nach Nähe lechzen. Die Wurzel dieser zwei nur an der Oberfläche widersprüchlichen Verhaltensmuster ist die gleiche:

Wir sind nicht in unserer Kraft, nicht in unserer Selbstliebe, nicht in unserer eigenen Ganzheit verankert, die uns ermöglichen, Erfüllung in uns selbst zu finden und die zwei völlig natürlichen Bedürfnisse nach Nähe und Distanz auf ein gesundes Maß einzupendeln. So fühlen wir uns in unseren Beziehungen ohnmächtig, ausgeliefert, ja haben ständig die Tendenz, uns zu verlieren. Wir schwanken hin und her zwischen zwanghafter Bedürftigkeit und zwanghaftem Streben nach Unabhängigkeit, tauschen dabei immer wieder die Rollen und können in diesem emotionalen Auf und Ab oft nicht die tiefere Ursache dieses Wechselspiels erkennen. 

Der Weg der Heilung: Selbstliebe

Erkennst du dich in einem derartigen Beziehungsmuster wieder, ganz egal welche Rolle du in diesem Spiel auch einnimmst, sollte dein Fokus ganz dir selbst gelten, anstatt weiterhin in Schuldzuweisungen oder Vorwürfen zu verharren, die nichts anderes als eine Strategie deines Egos sind, den Schmerz der Ohnmacht von dir abzuspalten und nach außen zu projizieren.

Erkenne, dass dein Gegenüber dir jene Emotionen und Muster spiegelt, die geheilt werden möchten, und dass das Drama zwischen euch nichts anderes als ein Abbild deines eigenen inneren Dramas ist. Das Drama der Verlassenheit. Des Verlorenseins. Das Drama jener Glaubens- und Gefühlsmuster, die dich klein halten und dich davon abhalten, Ganzheit in dir selbst zu finden.

Das Aussteigen aus der Opferposition, aus den dir bekannten Beziehungsmustern, erfordert die Entscheidung zur Eigenverantwortung und zur radikalen Ehrlichkeit mit dir selbst und deinem Partner. Dies wird dir nicht ganz leicht fallen, weil es dich den Gefühlen deiner vermeintlichen Wertlosigkeit noch näher bringt. Doch umso größer ist die Chance, auf direktem Wege direkt zu den Traumen, negativen Erfahrungen und Glaubenssätzen zu bringen, die deine bedingungslose Selbstliebe verdunkeln.

Wo verlässt du dich selbst, um nicht verlassen zu werden?

Wo erkennst du in deinen jetzigen Beziehungen Parallelen zum Verhältnis zu deinen Eltern? Welche Wunden der Verlassenheit aus deiner Kindheit trägst du mit dir herum – Wunden, die dein Inneres Kind nach wie vor peinigen, sodass es dich aus dem Unterbewusstsein heraus oft mit intensiver Verlustangst prägt? Wo verlässt du dich selbst, um nicht verlassen zu werden? Wo hast du deine Verletzlichkeit von dir abgespalten, ja dir selbst ein Stück deiner eigenen Ganzheit geraubt und hast eine Schutzmauer um dein Herz gebaut? Ja, wo hast du aufgehört, dir selbst bedingungslose Selbstliebe zu schenken, in welchen Bereichen fällt es dir schwer, deine innerste Wahrheit auszusprechen und dich zu zeigen mit allem was ist, deinem Licht ebenso wie deinem Schatten?

Es ist die Heilung all jener Glaubens-und Gefühlsmuster, die dich dir selbst näher bringt. Welche deine bedingungslose Selbstannahme fördert und den Kampf gegen dich beendet. Und die dich alleine dazu befähigt, auf einem Fundament stabiler Selbstliebe Beziehungen auf Augenhöhe zu führen, ohne dich zu verlieren, deine Bedürfnisse aufzuopfern, ständig um Liebe zu kämpfen und deinem Partner abzuverlangen, dass er als Heilsbringer deine innere Leere stopft.

Selbstliebe ist der Schlüssel zu Beziehungen, in denen das Spiegeln der inneren Dramen und der inneren Leere einer Verbundenheit von Herz zu Herz weicht, die die Mauern der Angst sprengt. Einer Verbundenheit, die sich so viel friedlicher anfühlt als die emotionale Achterbahnfahrt, die uns aus dem Wechselspiel von Nähe und Distanz so sehr vertraut ist.

Gehe diesen Weg der Heilung, diesen Weg der Selbstliebe, Schritt für Schritt, so wie du ihn fühlst … Ich wünsche dir viel Erfolg dabei.

So much love,
Dein Ludwig

LUDWIG ist irgendwas zwischen Hippie, Hipster und Naturbursche und treibt sich am liebsten nackt in irgendwelchen Seen und Wäldern im Berliner Umland herum. In jedem Falle ist er aber sehr spirituell und sieht diesen Weg als Schlüssel zur ganz persönlichen Freiwerdung an … losgelöst von allen destruktiven Konditionierungen, Glaubenssätzen und Selbstmanipulationen. Mehr schön verpacktes Spiri-Gedöns aus den Tiefen seiner Seele findet ihr auf seinem Blog Seelenrave.

10 Comments

  • Ich bin mir meiner Gefühle nie sicher. Ich kann mich nicht konzentrieren. Ich weiß, ich muss dich aus meinem Leben fern halten, um den Schmerz nicht allzu oft freien Lauf zu lassen. Doch bin ich noch nicht bereit dazu. Im Gegenteil, ich will dich halten, dich spüren, dich umarmen, deine Wärme spüren, aber eben keine feste Bindung eingehen. Ich habe Angst. Ich mag dich, so wie du bist. Es ist ein Widerspruch in sich. Das zu verstehen, verlange ich nicht von dir. Ich kann deine Liebe nicht erwidern. Ich bin nicht fähig zu lieben. Und deshalb bleibe ich allein.

    In mir ist eine tiefe Leere. Sie kann nicht aufgefüllt werden. Ich schaffe es nicht mich zu lieben und deshalb kann ich keine Liebe geben. Ich bin zutiefst traurig. Oft. Fast jeden Tag weine ich. Ich kann nicht aufhören. Ich fühle diesen Schmerz in mir. Ich mag ihn nicht. Aber respektiere ihn. Es wäre schön, wenn er mal für eine längere Zeit nicht da wäre. Das was ich bei dir fühlte, gespürt habe, berührt mich bis heute. Doch ich habe große Angst. Angst mich in diesen Gefühlen zu verlieren. Nicht mehr herauszufinden. Und dann ist da wieder dieser Schmerz, der Schmerz gräbt sich tief in mir, wie eine große schwarze Masse. Aus der ich nicht mehr entfliehen kann. Es ist die Angst des Verlassenwerdens. Es tut so weh. Ich schreie. Ich bin außer mir vor Wut, vor Traurigkeit. Von dieser großen tiefen Leere umgeben. Hört dieses Gefühl niemals auf? Muss ich damit leben? Warum? Was stimmt nicht mit mir? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Antwort auf diese Fragen.

    Ich war schon immer anders. Aber ich hätte nie gedacht, mich so einsam zu fühlen. Auch wenn ich es nicht bin. Einsam. Es gibt eine Zeit, in der bin ich glücklich, in meinen Tag Träumen. Da bin ich gerne. Ich wollte immer jemand anderes sein. Schon als 7-jähriges Kind. Eine andere Person, die lieben kann. Die Liebe empfangen kann.
    Was ist besser, lieben oder geliebt zu werden? Ich würde sagen lieben, weil ich es nicht kann. Ich würde so gerne lieben, denn dann würde ich Liebe spüren. Was ist Liebe? Ist es mir nicht gegönnt Liebe zu spüren? Habe ich sie verdient, ohne etwas dafür zu tun, zu geben? Einfach so. Lieben. Ich weiß, dass ich nach diesem Gefühl der Liebe Schmerz empfinden werde. So ist es immer.

    Warum tut Liebe so weh? Oder ist es der Kummer, der mich auffrisst und mein Herz schwer macht. Mein Bauch mit einem unbeschreiblichen Gefühl füllt, als ob ich mich übergeben muss, so unerträglich ist dieser Schmerz. Ein dicker Stein, liegt schwer in meinem Magen. Ich habe das Gefühl, das ich ersticke. Dieses Gefühl zieht meine Eingeweide zusammen und schnürt meine Kehle zu. Bis ich keine Luft mehr kriege. Es dauert nicht lange und ich fange an zu weinen. Dicke Tränen laufen über meine Wangen. Ich schluchze, wie ein Kind. Krampfhaft, schwer, stoßweise atmend. Mein seelischer Schmerz will raus. Meine Inneres will sich zeigen, ist in Bewegung. Ich heule Rotz und Wasser. Ich kann nicht aufhören zu weinen. Ich schluchze weiter, bekomme keine Luft. Ringe nach Luft und schreie. Es ist ein Kampf der Gefühle. Sie brechen sich Bahn. Sie wollen gespürt werden. Sie wollen gehört werden. Es ist ein regelrechter Heulanfall.

    Bis ich mich selbst beruhigen kann vergehen einige Minuten. Danach fühle ich gar nichts. Nicht mal diese tiefe schwarze Leere. Das Denken hat aufgehört. Ich liege ganz still in meinem Bett und umarme mich. Meine Hände liegen übereinander auf der Brust und berühren mein Herz. Ich habe mich beruhigt. Mich nach solch einem starken Gefühl der Leere zu beruhigen, zu trösten, ist das Liebe? Das kann Liebe sein.

    Das Gefühl der Einsamkeit ist jedenfalls verschwunden. Ich hatte nie das Gefühl der Liebe in mir. Wärme, Zuneigung, Geborgenheit und Leichtigkeit. Kenne ich nicht. Wer bin ich? Wer versteht mein Bedürfnis nach Liebe? Wer stillt das Bedürfnis nach Liebe? ICH?! Ich fühle mich einsam. Ich bin einsam. Allein. Verlassen. Ich friere. Ich will zurück. Aber wohin?

    Ich verstehe mich selbst nicht. Wie kann mich dann jemand anderes verstehen? Oder sogar lieben? Wen liebt diese Person? Wirklich mich. Was liebt diese Person an mir? Ich kann nichts an mir entdecken, was liebenswert wäre. Ich habe wie immer keine Antworten auf diese quälenden Fragen. Und aus diesem Grund, des tiefen Schmerzes in mir, bin und bleibe ich ALLEIN.

  • Dieses Zitat stammt nicht von mir, spiegelt aber meine Gefühle zu einer Liebe die es nie gab, sehr gut wieder.

    Denk ich an Dich
    durchzuckt es mich
    Fühl ich ein Sehnen
    unendliches Verlangen
    Denk dann an mich
    Fühl mich zerrissen
    die Unmöglichkeit erkannt.
    Du und ich.
    Ich könnte weinen
    wollt mein Leben mit Dir teilen
    Bist, was ich gesucht
    Zeigst mir, was ich so ersehne
    Und dann blitzt was Böses durch
    Unverständlich, irritierend, 
    was nicht passen mag
    zu Deinem süßen Bild
    Wo ich blind sein will!
    Was ich nicht sehen will!
    Was doch nicht sein darf!
    Und ich muss erkennen,
    dass ich das nicht leben kann.
    Weil ich trotz des süßen Bildes
    mein Zerreißen spüren kann.
    Ich weine, ich zerfließe.
    Möchte schreien, wie ein Kind.
    Hab dich verloren, bin alleine
    nun mit mir
    Und erlebe unter Tränen, dass
    das das Leben ist
    sich selbst zu mögen und zu schätzen
    für sich einzustehen und sich zu stärken
    bei sich zu sein und zu bleiben
    die Basis für die Liebe ist.

  • Ich bin auf deine Seite gestoßen, weil ich im meiner Beziehung nicht mehr weiter weiß und blind drauf los gegoogelt habe. Deine Texte regen sehr zum Nachdenken an -keine Frage- allerdings komme ich selbst damit (noch) nicht zurecht. Ich fühle mich schuldig, wenn ich meine vermeintlich viel zu fordernden Bedürfnisse nicht einmal anspreche und genau so schuldig fühle ich mich, wenn ich es doch tue und auf eine Mauer stoße. Sicherlich ist man es von mir nicht gewohnt, dass mir etwas so ganz und gar nicht passt. Aber das liegt doch an mir selbst, oder? Und dass man dem nun bestenfalls skeptisch gegenüber steht, ist nur natürlich. Woher soll es auch so plötzlich kommen? Trotzdem fühle ich mich furchtbar schlecht, jetzt so aufeinmal sagen zu müssen, dass ich etwas so richtig scheiße finde und das dann auch begründen und verteidigen muss. Ist das „normales“ Beziehungsleben? Hab ich auf gut deutsch „verkackt“ und muss mich für alles rechtfertigen, das abseits „meiner“ Norm liegt? Ich finde es unendlich schwer abzuwägen, wo ich anderen zu Recht vor den Kopf stoße und wo ich für mich selbst „ohne Rücksicht auf Verluste“ einstehen darf.

  • Auch von mir ein DANKE, lieber Ludwig. Von ganzem Herzen. Du hast so recht und ich als sehr sensibler, bedürftiger Part weiß das auch. Aber es tut gut, es nochmals zu lesen und sich in Erinnerung zu rufen. Und auch, erneut die bestätigung zu bekommen, auf dem richtigen Weg zu sein… Ein schweres Stück Arbeit, aber es lohnt sich. Das habe ich inzwischen zum Glück schon oft erfahren können. Wären da nicht ab und zu noch diese Momente, die einen wieder aus der Bahn kicken. Aber auch das wird sich geben mit der Zeit. Da bin ich sehr zuversichtlich 🙂 Ganz liebe Grüße von Bianca

  • Matthias
    Ja auch ich kenne dieses Gefühl sehr gut,der Artikel spiegelt meine Situation sehr gut wieder.
    Ständige Suche nach Verbundenheit , Konstanz ,wohl wissend das der Partner sie nicht geben kann .
    Hoffnung in den Momenten in denen einem die Partnerin Nähe ist ,der Knoten sei „geplatzt “ was er nicht sein kann denn innerlich weiß ich ja genau die Partnerin kann selbst bei größter Anstrengung das nicht leisten.
    Heilung beginnt erst da wo man sich selber findet und liebt!
    Muss so eine Partnerschaft enden ?
    Vielleicht ja ?
    Der andere Weg ist sich auf sich selber zu besinnen und die nahen Momente zu genießen.

  • Hallo Ludwig,
    auch ich habe Angst, mich in Beziehungen zu verlieren, mich aufzulösen und immer weiter von mir selbst zu entfernen, bis ich mir selber fremd bin. Deshalb gehe ich auf Distanz, weil der Kobtrollverlust, mit dem echte Nähe einhergeht mir Angst macht. Dann versuche ich manchmal, mich selbst zu bewahren, indem ich meinen Partner oder unsere Beziehung abwerte. Gleichzeitig pendele ich aber auch zwischen den beiden Polen Angst vor Nähe und vor der Hingabe auf der einen Seite sowie Angst vor Verlust und Verlorensein auf der anderen Seite. Das macht es meinem Partner und mir nicht immer ganz leicht. Oft bemerke ich erst nach einem Konflikt aus welchem Bedürfnis heraus – Nähe oder Distanz – ich mich entsprechend verhalten habe. Es hilft mir, mir das bewusst zu machen. Vielleicht gelingt es mir irgendwann, mein jeweiliges Bedürfnis rechtzeitig zu erkennen und auszudrücken ohne meinen Partner zu verletzen oder vor den Kopf zu stoßen. Danke für deine Zeilen. Auch wenn du von dir geschrieben hast, helfen sie mir doch mich selbst besser zu verstehen.

  • Lieber Ludwig, auch ich habe gerade deinen Text gelesen und war wie mein Vorredner sehr berührt. Tränchen kommen als ob einem der Spiegel vorgehalten wird. Bei mir ist es so, wie von dir beschrieben. Ich bin die Durstige. Aber ich weiß das auch und habe angefangen, daran zu arbeiten und mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ich weiß, dass mein Freund nur wenig mit meinen aktuellen Gefühlen zu tun hat. Selbst wenn er mir größte Nähe geben würde – ich wüsste, selbst das würde mir nicht reichen. Es liegt an mir wie ich die Dinge sehe und einordne.
    Danke für deine klugen Worte und die Aufmunterung, die damit verbunden ist.

  • Ich habe gerade deine Worte gelesen und war war berührt. Mir sprudelt das Herz voller Worte und kommentiert am Ende als stille Tränen raus. Was bleibt ist ein „danke“.

  • Trifft perfekt auf mich zu. Werde seid 1,5 Jahren auf Distanz gehalten. Der Schmerz ist immer noch unerträglich. Diese Hilflosigkeit dem Leid seines Partners tatenlos zu begegnen und nichts tun zu können. Jedes zufällige Wiedersehen erzeugt Hoffnung und Desilusionierung zugleich. Es gibt Tage, an den ich mich gestärkt fühle und dann wieder Tage, die mit einem Meer von Tränen gefüllt sind. Ständiges Auf und Ab, Achterbahn der Gefühle. Es tut gut zu wissen, dass man nicht allein in solcher Beziehung steckt, dass es auch andere Menschen gibt, die sich ähnlich fühlen. In meinem Umfeld stoße ich auf völliges Unverständnis. Aber wie sollen mich auch andere verstehen, wenn ich mich kaum selber verstehe. Ich hoffe, dass ich den richtigen Weg erkennen kann und der Schmerz in uns beiden irgendwann ein Ende hat.

  • Hallo Ludwig, du hast meine Partnerschaft, genauso gespiegelt, wie sie ist. Das erste Mal habe ich Worte gefunden, die perfekt auf mich zutreffen. Ich hoffe, ich schaffe es, diese alten Mauern, die mich mit meinen alten Wunden schützen, zu durchbrechen, um die Selbstliebe und mich zu finden. Damit ich vielleicht bald eine Beziehung führen kann, die auf Augenhöhe basiert. Mein Partner ist der andere Part, er geht auf Distanz. Ich leide sehr darunter. Seit 2 Jahren distanziert er sich immerwieder, Tageweise, wegen Schuldzuweisungen an mich, Er spürt meine Verlustangstgefühle, ich äussere mich ihm gegenüber aber meistens gar nicht. Dann distanziert er sich umd ich bekomme weitere Ängste. Dann kriege ich Schuldzuweisungen. Und da ich ein „Zärtlichkeits-Typ“ bin., über Berührungen kommuniziere, zermürbt mich das langsam. Ich habe mich nun selber 2 Wochen aus der Beziehung genommen, mich distanziert, um alles zu reflektieren. Nun, heute treffen wir uns wieder und ich bin auf deinen Artikel gestossen. Danke, für diese Worte. Sie tun gut. Liebe Grüsse, Franziska

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.