Me-Time: Was es wirklich bedeutet, wenn ich in meiner Beziehung Zeit für mich alleine will


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Zu allererst: Wenn du jemanden datest, ist es ganz wichtig sicher zu gehen, dass ihr so viel Zeit wie möglich mit einander verbringt. Hast du Zeit, heute Abend um 23 Uhr vorbeizukommen? Natürlich. Bist du interessiert daran, einen richtig langweiligen Film zu gucken? Auf jeden Fall! Lust mit einem Haufen fremder Leute auf eine Party zu gehen? Mit dir, sicher.

Möglicherweise verschwindet dieser Durst irgendwann und das Einzige, was noch schöner ist als zusammen zu sein, ist Zeit alleine zu verbringen. Du kannst deine*n Partner*in großartig finden, ohne jede wache oder schlafende Minute mit ihm*ihr zu verbringen. Weil es so etwas wie „zu viel“ Zusammensein gibt, sagt Dr. Jessica Borelli, Professorin für Psychologie und soziales Verhalten an der University of California, Irvine. „Eines der schönsten Dinge an einer Beziehung ist, dass sie uns dabei helfen zu wachsen und uns weiterzuentwickeln, wie wir es ohne diese Verbindung niemals geschafft hätten,“ sagt Dr. Borelli.

Wenn ihr den größten Teil eurer Erfahrungen zusammen erlebt, habt ihr nicht die persönlichen Erfahrungen, die euch dabei helfen, zu wachsen.

Aber wenn du und dein*e Partner*in den größten Teil eurer Erfahrungen zusammen erlebt (zum Beispiel wenn ihr zusammen arbeitet, zusammen lebt, zusammen Sport macht, und/oder euer Sozialleben zusammen gestaltet), habt ihr möglicherweise nicht die persönlichen Erfahrungen, die euch dabei helfen, zu wachsen. Die Entscheidung, etwas Zeit alleine zu verbringen – sei es für einen Tag, ein Wochenende oder eine ganze Woche – kann eure Beziehung bereichern und dafür sorgen, dass du deinen Partner mehr zu schätzen weißt, sagt sie.

Es gibt eine Praxis, genannt „relational savouring“, in der es darum geht, „vorherige Momente einer engen Beziehung mit einem Partner zu reflektieren“, erklärt Dr. Borelli. „Relational Savouring“ kann verschiedene Formen haben und vermutlich wendest du es bereits an, ohne es zu merken. Im Prinzip geht es dabei darum, über all die Wege nachzudenken, auf die dein*e Partner*in dir in der Vergangenheit geholfen hat oder dich daran zu erinnern, wann du dich besonders wertgeschätzt oder verbunden gefühlt hast. Vielleicht erinnerst du dich daran, als dein*e Partner*in an einem besonders stressigen Tag für dich da war, was bedeutet, dass du in der Zukunft auf sie/ihn zählen kannst.

Was eine zufriedene Balance in der Beziehung ausmacht, variiert von Paar zu Paar.

Diese positiven Gedanken „unterstreichen Gefühle von Sicherheit innerhalb einer Beziehung“, sagt sie. Paare, die Fernbeziehungen führen, neigen eher dazu, ganz einfach weil sie nicht die ganze Zeit beieinander sind und deshalb mehr Zeit damit verbringen, über ihre Beziehung nachzudenken, als tatsächlich mit ihrem*r Partner*in zusammen zu sein. (Das bedeutet natürlich nicht, dass du deine ganze Zeit damit verbringst über deine*n Partner*in nachzudenken, wenn ihr von einander getrennt seid – es ist nur eine Möglichkeit, wie deine Beziehung von Zeit allein profitieren kann.)

Wenn unsere Partner physisch nicht anwesend sind, sind wir mit unseren Gedanken alleine.

Auf der anderen Seite kann es auch schlecht sein, mit deinen Gedanken alleine zu sein. „Wenn unsere Partner*innen physisch nicht anwesend sind, sind wir mit unseren Gedanken alleine, und damit, wie wir unsere Partner*innen und unsere Beziehung geistlich vor uns selbst vertreten“, sagt Dr. Borelli. Das klingt etwas düster, aber es bedeutet bloß, dass du, wenn ihr voneinander getrennt seid, in deinen eigenen Kopf schauen und negative Gedanken haben könntest. Du bist nur menschlich, es ist also ganz natürlich, wenn deine Ängste vor Untreue und Eifersucht hochkommen.

Glücklicherweise gibt es einen Weg, getrennt zu sein und sich trotzdem innerhalb der Beziehung sicher zu fühlen. „Ein glückliches Mittel zu finden ist wichtig, aber herausfordernd. Und was eine zufriedene Balance in der Beziehung ausmacht, variiert von Paar zu Paar und von Kultur zu Kultur“.

Du solltest dich hin und wieder dazu entscheiden, etwas für dich zu tun.

Falls du Zeit alleine magst, aber dir nicht sicher bist, wie sie in deine Beziehung passt, empfiehlt Dr. Borelli dir darüber im Klaren zu sein was du brauchst. Du solltest dich hin und wieder dazu entscheiden, etwas Zeit ohne deine*n Partner*in zu verbringen und etwas für dich zu tun.

Um sicher zu stellen, dass das passiert, mach einen Plan, wann du dir etwas Raum gibst, für wie lange und wie ihr währenddessen in Kontakt bleibt (falls es für einen längeren Zeitraum ist). Unternimm etwas mit deinen anderen Freund*innen, geh zum Sport oder einfach ein paar Stunden shoppen.

Zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben hilft dabei, die „Beziehungs-Dämonen“ fernzuhalten.

Vermutlich machst du das ohnehin schon, aber es lohnt sich, das mit deinem*r Partner*in zu besprechen, damit er/sie nicht das Gefühl hat, dass du vor ihm/ihr wegläufst oder verschwindest. Du musst deinem*r Partner*in nicht jedes Mal sagen, was du tust, aber zu kommunizieren und in Kontakt zu bleiben hilft dabei, die „Beziehungs-Dämonen“ fernzuhalten, sagt Dr. Borelli. Dein*e Partner*in wird sich in der Regel nicht angegriffen fühlen oder es persönlich nehmen, wenn du etwas Zeit alleine verbringen möchtest – weil das bedeutet, dass sie auch mal an der Reihe sind.

Headerfoto: Shanique Wright via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Text: Cory Stieg.

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