Mal on, mal off – Über eine Beziehung voller Konflikt und Zweifel

Das Geschenk

Du schenkst mir eine Kiste voller Lego zu meinem 21. Geburtstag, es soll einmal ein Blumenstrauß werden. „Ein Blumenstrauß, der niemals verwelkt“ sagst du mit einem breiten Grinsen auf deinen Lippen, weil du stolz bist, ein Geschenk gefunden zu haben.

Ein Blumenstrauß, der niemals verwelkt.

Wir verbringen den Abend mit meinen Freund:innen, trinken viel Alkohol, lachen uns die Seele aus dem Leib und singen Karaoke, bis wir heiser sind. Wir lieben uns an dem Tag, wir genießen die Zeit mit Freund:innen, nach all dem Alleinsein zu Hause.

Die Beziehung

Wir lernten uns kennen, da warst du 17 und ich 19, heute bin ich 21 und du 19. Ich lebe seit Jahren alleine, du lebst noch zu Hause bei deiner Familie. Unsere Leben könnten nicht unterschiedlicher sein, trotzdem verliebten wir uns ineinander. Schlaflose Nächte, in denen wir pausenlos miteinanderschrieben , uns jede Kleinigkeit von unserem Tag erzählten, Scherze machten und uns über aktuelle Themen austauschten. Ich war begeistert von dir und ich glaube, du auch von mir. Wir versuchten, uns an den Wochenenden zu sehen, unter dem Deckmantel, etwas mit Freund:innen zu machen. Einen Monat später war es soweit, wir gestanden uns gegenseitig unsere Gefühle und zum ersten Mal in meinem Leben machte es mir nichts aus. Ich fühlte mich sicher, so sicher, dass ich mir zum ersten Mal erlauben konnte, mich zu verlieben. So richtig ernsthaft und mit vollem Herzen, trotz meiner Verlust und Bindungsängste. Ich warf zu der Zeit alles über Bord, meinen geliebten Schlafrhythmus, meine Ängste und meine riesigen Mauern, die ich um mich aufgebaut hatte. Ich machte mich für dich verletzlich. „Ich könnte es niemals übers Herz bringen, dich zu verletzen!“ Das sind deine Worte, Worte, die ich mir immer wieder im Laufe unserer Beziehung durchgelesen habe, um diese Sicherheit zu spüren.

Ich machte mich für dich verletzlich.

Es war alles magisch, jede Nachricht, jedes Wort von dir, jede Berührung. Es war sicher, ich bin neben dir aufgeblüht. Ich hatte endlich diese Sicherheit gefunden, in dir. Die Sicherheit, die ich in meinem Leben nicht oft spüren durfte. Du hast sie mir gegeben, sie mich spüren lassen. Ich konnte nachts einfach so einschlafen, was jahrelang nicht möglich gewesen war. Der Grund warst du, deine Sicherheit.

Zweifel

Das erste Mal zweifelte ich an unserer Beziehung, als wir in Frankreich waren. Ich hatte mich zwei Jahre lang auf diesen Tag gefreut – er war schrecklich. Ich weinte heimlich auf dem Klo, ich redete nicht mit dir, ich hatte keinen Spaß, obwohl ich Spaß haben sollte. Wir waren in Paris, in der Stadt der Liebe, und das einzige, woran ich denken konnte, war „Will ich noch mit dir zusammen sein?“. Ich telefonierte heimlich auf dem Klo mit meinem Bruder und weinte. Woher sollte ich wissen, wann es nicht mehr gut war, dass wir ein Paar waren? Ich war verzweifelt, aber irgendwie haben wir es wieder hinbekommen.

Will ich noch mit dir zusammen sein?

Ab diesem Zeitpunkt gab es viele Momente des Zweifels, es fiel mir so verdammt schwer, diese Beziehung einfach zu leben. Es fiel mir so schwer, weil ich  Angst vor dem Ende hatte und allem danach. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen und will es auch gar nicht.

Das Ende 

Wir waren zusammen in Berlin, mein Bruder hatte Geburtstag und wir wollten mit ihm feiern. Wir bekamen uns schon auf dem Weg nach Berlin in die Haare, wir stritten uns über Kleinigkeiten, immer wieder. Währenddessen fühlte ich mich endlich wieder leicht und frei, als wir zusammen aus dem Techno-Club stolperten und im Sonnenaufgang in die Wohnung fuhren. Ich wollte dieses Gefühl nicht mehr loslassen. Also suchte ich nach dem Grund, weshalb ich mich nicht öfter so fühlte. Da lag es natürlich nahe, dass du das Problem warst, das Wochenende war nur schwer, ständig Streit, keine Leichtigkeit.

Du gabst mir keine Sicherheit.

Wir fuhren nach Hause und ich konnte es kaum erwarten, dass sich unsere Wege für die nächste Woche trennten. Ich wollte alleine sein. Wir redeten über das Wochenende, aber es fühlte sich komisch an. Du gabst mir keine Sicherheit. Du hast nicht gesagt, wir schaffen das, es ist nur eine kleine Krise, ich liebe dich. Du hast nichts gesagt.

Einige Tage später bist du zu mir gekommen und ich war mir sicher, dass wir es schaffen könnten. Ich habe versucht, mir selbst die Sicherheit zu geben.

Das Frühstück

Wir saßen uns gegenüber, hier an dem Tisch, an dem ich diesen Text gerade schreibe, und haben geredet. Durch einen blöden Zufall sind wir auf meine Zweifel gekommen, du hast mir zum ersten Mal gesagt, dass du schon seit Monaten nicht mehr diese intensiven Gefühle für mich hast. Ich war überrumpelt, ich war schockiert. Ich habe immer nur über meine Gefühle und Zweifel nachgedacht, aber deine dabei niemals bedacht. Ich bin viel zu sehr davon ausgegangen, dass du mich einfach liebst.

Ich bin davon ausgegangen, dass du mich einfach liebst.

Ein paar Minuten später hast du gesagt, du willst die Beziehung nicht mehr weiterführen. Ich bin in meiner Einzimmerwohnung aufs Klo gegangen und habe mich eingesperrt. Ich bin auf den Boden gesackt und habe angefangen zu weinen. Ab diesem Moment habe ich meine inneren Mauern wieder versucht aufzubauen. Ich habe die Tür aufgesperrt und habe dich darum gebeten, zu gehen. Als nächstes habe ich den Blumenstrauß in seine Verpackung zurückgeworfen und hätte ihn am liebsten auch aus dem Fenster geworfen. Ich habe nichts verstanden, unser Kaffee war noch warm und du warst weg. Ich dachte, für immer.

Weinen

Wir haben erst zusammen geweint, dann habe ich nur noch alleine geweint und zum Schluss habe ich nicht mehr geweint. Ich habe mich schnell wieder unter Kontrolle bekommen, die Mauern waren wieder hoch genug. Wir haben zwei Tage für uns alleine verbracht, bevor wir uns trafen und redeten. Du wolltest wieder zurück zu mir, ich wusste nicht, ob ich das zulassen konnte.

Beziehung 2.0

Nach mehreren Tagen des Überlegens, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir es nochmal probieren wollen. Diesmal aber anders, offener, ehrlicher und hoffentlich mit genug Vertrauen meinerseits. Der Blumenstrauß steckte bis heute in seiner Verpackung. Wir sind jetzt seit knapp einem Monat wieder zusammen, ich liebe dich, ich habe meine Mauern noch einmal für dich abgerissen. Ob du mich liebst und ob du es jemals wieder tun wirst, weiß keine:r von uns.

Ich habe heute den Blumenstrauß wieder zusammengebaut.

Ich habe heute den Blumenstrauß wieder zusammengebaut. Es hat sich angefühlt, wie als wäre es der letzte Schritt, um mir und dir zu beweisen, dass meine Mauern unten sind. Ich habe dir ein Bild von dem Blumenstrauß geschickt, ich habe gehofft, dass du die Botschaft lesen kannst.

„Sieht echt nice aus“ ist deine Antwort.

Ich brauche wieder Sicherheit von dir, ich brauche die Sicherheit, die du mir mit der Trennung genommen hast. Ich brauche deine Liebe und Zuneigung, ganz und vollkommen wie damals.

Laura ist jung, manchmal ängstlich und verletzlich, aber auch neugierig und voller Lebenslust. Und verliebt in das Leben!

Headerfoto: Alex Green (Kategorie-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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