Liebe und Kreativität: Wie meine Beziehung meine wichtigste Inspirationsquelle wurde

Die Liebe musste ja schon immer als kreative Brutstätte herhalten. So wurde sie besungen, in unzähligen Büchern blumig beschrieben und fließt regelmäßig in jede sich bietende Darstellung ein. Was ist die geheime Zutat der Kunst? Natürlich die Liebe!

Anders als die Liebe an sich, dient die Verarbeitung von Beziehungen auch noch der Psychohygiene. So schreibe ich mir regelmäßig meinen Frust, meine Lust, meine Fragezeichen oder Ansichten von der Seele, so wie manche Paare Podcasts einsäuseln oder sich in Partnerschaftsratgebern von ihrer verletzlichen Seite zeigen.

Während ich vergnügt in die Tasten haue und meine Beziehung in meine Texte verpacke, liest mein Freund heimlich mit und schüttelt das ein oder andere Mal den Kopf.

Und alle haben wir etwas gemein: den Tritt über die Schwelle von persönlich zu problematisch. Denn während ich vergnügt in die Tasten haue und meine Beziehung in meine Texte verpacke, liest mein Freund heimlich mit und schüttelt das ein oder andere Mal den Kopf.

Er sieht die Leserschaft womöglich in unser Schlafzimmerbett kriechen, sich unter unsere Decke zwängen und nicht nur dem Liebesspiel, sondern insbesondere unseren Dramen folgen. Ich verstehe ihn daher auch, wenn er mich wiederholt mit Thomas Mann vergleicht – nicht wegen meines Genius, sondern wegen der Neigung alle Familiengeschichten zu einer Erzählung werden zu lassen.

Zwischen Stolz und Verrat gefangen, verbietet er mir diese Einflussnahme auf unsere Beziehung zwar nicht, fühlt sich aber dennoch manchmal unwohl.

Zwischen Stolz und Verrat gefangen, verbietet er mir diese Einflussnahme auf unsere Beziehung zwar nicht, fühlt sich aber dennoch manchmal unwohl. Der Vorschlag, er könne meine Texte ja ignorieren und das heimliche oder bewusste Lesen so vermeiden, gefiel ihm genauso wenig wie mir das komplette Einstellen meiner Schaffenslust.

Mein Freund ist kein Märchenprinz und ich bin keine Prinzessin

Natürlich stelle ich ihn als den Mann an meiner Seite zu 90 Prozent aller Fälle als Helden dar. Er ist liebevoll, so witzig, ein großartiger Vater, Liebhaber – und erwähnte ich schon, wie witzig er ist? Also ein echter Traummann, bis auf…ja, bis auf die üblichen Beziehungsmuster, die sich eben im Alltag einschleichen.

So habe ich die meisten Lacher zwar auf meiner Seite, da ja ich es bin, die hier ihre Unsicherheit preisgibt und in einer Mischung aus Wahn und Reflexion jede noch so menschliche Schwäche seziert, aber natürlich ist seine Rolle nicht starr.

Er ist nicht immer der Liebling, der Aufopferungsvolle und der Herzliche. Soll er ja auch gar nicht sein, denn genau wie ich ist er auch nur ein Mensch.

Er ist nicht in jedem Artikel der Liebling, der Aufopferungsvolle, der Lehrreiche, der Herzliche und der Gewinnbringende. Soll er ja auch gar nicht sein, denn genau wie ich ist er auch nur ein Mensch.

Ich liebe es, wenn wir streiten und danach noch genau so viel Respekt füreinander übrig ist, dass er mir die Bettdecke dreimal über das Gesicht schwingt, weil er demonstrieren möchte, der lustigste Partner zu sein, den ich je hatte (und er hat leider recht). Und ich liebe es, wenn er mir erzählt zum wohl ersten Mal in unserer Beziehung eifersüchtig gewesen zu sein, als ich davon schrieb seinen besten Freund anziehend zu finden.

Wir betreten so nämlich neue Ebenen der Vertrautheit und diese Ehrlichkeit fühlt sich in der Regel besser an als jede Nummer

Liebe in der Kunst – nicht immer nur Gewinn

Natürlich kann und möchte ich nicht erwarten, dass er all meine Texte für gut befindet. Er nennt sie überspitzt und ahnt gar nicht, wieviel Potential nach oben sich in meinen Hirnwindungen noch finden ließe, hätte ich immer jede freie Handhabe.

Natürlich kann und möchte ich nicht erwarten, dass er all meine Texte für gut befindet.

Stattdessen stilisiere ich unsere Beziehung hin zu einer für alle annehmbare Musterlösung, mit Moral gestopft, und spicke sie mit der Weichheit einer liebenden Freundin: Du bist toll und ich danke dir. So fühlen wir uns am Ende ja auch beide besser.

Er, weil er hoch erhobenen Hauptes auf die Straße treten kann (sowieso, ich schreibe ja anonym) und ich, weil der Versuch, möglichst keinen Schaden anzurichten, gefruchtet hat.

Übrigens liest meine Mama auch regelmäßig mit. Sie hat sich inzwischen damit abgefunden, Teil meiner Artikel zu sein und liked diese eben wirklich nur noch, wenn ihr die zugeschriebene Rolle gefällt. Es ist ein bisschen wie Horoskope zu lesen. Wir glauben nur an die positiven Botschaften, alles andere ist doch Quatsch!

Headerfoto: Thirdman (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

Laurine Lauretta, ein Perpetuum Mobile. Zwischen alleinerziehender Mutterschaft, pädagogischer Arbeit und Frausein, bleibt noch genug Zeit sich viele Gedanken um die Liebe, das Leben und allerlei Unsinn zu machen. Hier in Wort und Text.

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