Let’s talk about sex, baby! Sextherapeut*innen erklären, was bei einer Sextherapie wirklich passiert


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Zuerst einmal müssen wir klären, was überhaupt unter einer Sextherapie zu verstehen ist: Einfach ausgedrückt, ist es eine Therapie, die sich auf dein Sexleben, die sexuelle Orientierung, Erregung, Vorlieben, sexuelle Gesundheit und Beziehungen konzentriert – und alles dazwischen beinhalten kann.

Sextherapie-Sitzungen sind für jede*n anders, denn selbstverständlich hat jeder Mensch ein anderes Sexleben. Damit wir aber trotzdem verstehen können, was bei einer Sextherapie passiert, haben wir drei Sextherapeut*innen gebeten, uns über die größten Missverständnisse aufzuklären und uns den Ablauf der Sitzungen näher zu bringen.

In der Regel geht es um mehr als nur Sex

Obwohl Sexualtherapeut*innen vor allem in Problematiken rundum das Thema Sex geschult sind, können sie auch mit dir über andere Aspekte deines Lebens reden, die vielleicht Einfluss auf dein Sexleben haben könnten, sagt Kristen Lilla, eine zertifizierte Sextherapeutin und Sexualpädagogin. „In vielen Fällen haben die Patient*innen mehr als nur ein Problem, das sich auf ihr Sexleben auswirkt, und wir arbeiten gemeinsam diese Dinge durch“, erklärt Lilla. „Es geht selten nur um den Sex per se.“ In Sachen Ausbildung sind Sextherapeut*innen häufig reguläre Therapeut*innen, die dir bei emotionalen Konflikten helfen können.

Es gibt keine interaktive Sitzungen

Bei einer professionellen Sextherapie wird nur geredet, sagt Vanessa Marin, eine Sexualtherapeutin, die sich darauf spezialisiert hat, vor allem cis-Frauen beizubringen, wie sie zum Orgasmus kommen. „Es gibt zwar Stellvertretende in der Branche, die praktische Unterrichtsarbeit leisten, aber ihre Behandlungen haben nichts mit der herkömmlichen Sextherapie gemein“, erklärt sie. Allerdings kann es zum Beispiel sein, dass dir ein*e Sextherapeut*in bestimmte Übungen oder Techniken empfiehlt, die du dann außerhalb der Sitzungen ausprobieren kannst. Während der Sitzung kannst du aber deine Kleidung anbehalten und einfach nur reden.

Du musst nicht erst ein Problem haben, um zur Therapie zu gehen

Die Sextherapie bietet Menschen, die sich mit ihrer eigenen Sexualität auseinandersetzen wollen, einen sicheren Raum. „Leider ist Sextherapie noch nicht gesellschaftlich anerkannt. Deshalb probieren die meisten sie erst aus, wenn es schon fast zu spät ist“, erklärt Marin. Dabei hilft die Sextherapie dir, dich und deine*n Partner*in besser kennenzulernen, mehr Spaß im Schlafzimmer haben, neue Ideen zu finden oder dich einfach gut zu fühlen, sagt sie. Und sind wir mal ehrlich: Wenn es um Sex geht, können wir nie wirklich auslernen.

Du musst nichts machen, das dir unangenehm sein könnte

Viele potenzielle Patient*innen befürchten, dass ihnen alternative Sexualpraktiken empfohlen oder ihnen sogar komplett neue sexuelle Werte aufgezwungen werden, erklärt die klinische Sextherapeutin, Shannon Chavez. Aber wir können Entwarnung geben, denn das ist definitiv nicht der Fall! Im Gegenteil, Sexptherapeut*innen versuchen vor allem Gefühle wie Unbehagen und Scham bei ihren Patient*innen anfangs zu minimieren. Die Therapie selbst ist ein Prozess, in dem die Expert*innen deine emotionale Lage erforschen, um mit dir kommende Behandlungsschritte auszumachen und gegebenenfalls verschiedene Tipps bereithalten, falls dir einige Dinge unangenehm sein sollten.

Es muss sich bei deinem Problem nicht um einen Fetisch handeln

Viele verbinden eine Sextherapie gleich mit außergewöhnlichen Fetischen und extremen Vorlieben, aber laut Marin handelt es sich bei den Problemen der Klient*innen eher um ziemlich alltägliche Sorgen. Sie wollen zum Beispiel wissen, wie sie die Zeit für Sex in ihren Alltag integrieren sollten, oder sie möchten lernen, wie sie sich auch nackt selbstbewusst fühlen können. Nichtsdestotrotz sind Sextherapeut*innen aber auch für dich da, wenn du dich für einen Fetisch interessierst oder bestimmte Praktiken erforschen willst. Dann bieten sie dir einen sicheren Zugang dazu, sagt sie.

Es gibt unzählige Gründe, um eine*n Sextherapeut*in aufzusuchen

Zu den häufigsten Gründen für das Aufsuchen einer solchen Therapie-Praxis gehören Errektionsstörungen oder eine niedrige Libido, fehlende Orgasmen, Scham und Schuld, sexuelles Trauma, Probleme mit dem eigenen Körperbild und/oder verminderte Sexualtriebe – aber es gibt noch so viele mehr. Die meisten Sextherapeut*innen bieten eine Beratung an, die eine Beurteilung der sexuellen Gesundheit beinhaltet, sodass sie sicherstellen können, dass die Sextherapie die richtige Wahl für dich ist, sagt Dr. Chavez. Und wenn du glaubst, dass die Sextherapie nichts für dich ist, können sie dir andere Optionen empfehlen.

Zur Sextherapie zu gehen ist kein Zeichen der Schwäche

Wenn du zur Sextherapie gehst, heißt das nicht gleich, dass du schlecht im Bett bist, denn wie bei der herkömmlichen Therapie geht es nicht darum, dass du schlecht mit deinen Gefühlen umgehen kannst. „Viele Menschen haben auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Sex zu kämpfen“, sagt Marin. „Du musst nur erkennen, dass es keine Schande ist, Rat, Ressourcen oder Beratung zu suchen.“

Headerfoto: Stockfoto von shurkin_son/Shutterstock. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Text: Cory Stieg.

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