Kaufen, kaufen, kaufen! Ich bin ein Konsumopfer

Wann hat es angefangen?

Gute Frage, wenn ich mir meinen Verlauf meiner Zalando App anschaue, wäre es der 11. Februar 2017. Seitdem habe ich 31 Bestellungen aufgegeben und allein letztes Jahr 1.190,34€ ausgegeben. Nicht einmal die Hälfte der Klamotten, die ich in diesem Jahr gekauft habe, besitze ich noch.

Ich habe zwei schwarze Winterjacken, die sich nicht identischer sein könnten, und ich schäme mich für den Kauf. Aber warum habe ich diesen Kauf dann getätigt? Die Antworten darauf sind: Serotonin und Dopamin.

Diese Botenstoffe werden ausgeschüttet, wenn man etwas Positives erlebt. Und was ist bitte befriedigender, als ein Schnäppchen zu ergattern? Eine Tasche für 45€ statt 65€ oder eine zweite schwarze Winterjacke für 50€ statt für 100€.

Das schlechte Gewissen

Wenn ich mir etwas kaufe, denke ich mir immer, ich gönne mir was. Letztendlich ist es mit einem riesigen Haufen an Gewissensbissen verbunden.

Ich verstecke die neue Winterjacke im Schrank und fühle mich schlecht. Ich lüge meinen Freund an, wenn er mich fragt, ob die Hose neu ist

Ich schäme mich vor meinem Freund, dass ich mir schon wieder etwas Neues gekauft habe. Ich verstecke die neue Winterjacke im Schrank und fühle mich schlecht. Ich lüge ihn an, wenn er mich fragt, ob die Hose neu ist: „Nee, hab sie nur ewig nicht mehr getragen.“

Und wieder fühle ich mich schlecht und ertappt. Wieso also mache ich das überhaupt? Wieso kaufe ich mir ständig Sachen, die ich nicht brauche? 

Ich habe in einer Zeit, in der es mir nicht gut ging, immer wieder etwas gegönnt, es waren hauptsächlich Klamotten. Ich habe mich selbst zu einem Konsumopfer konditioniert. Jetzt fällt es mir schwer, das wieder abzulegen. Wie höre ich damit auf?

Letztendlich habe ich meinem Freund die Jacke gezeigt, ich wollte meine Freude darüber teilen, habe ihm aber auch über mein schlechtes Gewissen informiert. Ich fühlte mich schlecht, dass ich mir schon wieder etwas gegönnt hatte. Ich musste mir eigentlich nichts „gönnen“, denn es geht mir doch eigentlich gar nicht schlecht. Mein Freund hat mir geraten, nur noch Kaufentscheidungen zu treffen, wenn ich mir zu 100% sicher bin. Aber wie soll ich mir zu 100% sicher sein?

Das neue Kaufen

Ich habe jetzt eine Notiz auf meinem Handy, in die ich alle Links hineinkopiere, von Klamotten, die ich haben will oder bei denen ich zumindest denke, dass ich sie haben will. Ich lasse sie zwei Wochen da drin und erst danach stelle ich mir die Frage, ob ich sie zu 100% haben will.

Ich habe jetzt eine Notiz auf meinem Handy, in die ich alle Links hineinkopiere, von Klamotten, die ich haben will oder bei denen ich zumindest denke, dass ich sie haben will.

Es ist schwierig, ich bin noch nicht gut darin. Ich habe seit Neujahr begonnen, seitdem habe ich mir eine Kamera für 200€ gekauft, die ich nicht wirklich brauche, und eine Hose, die mir schon seit Monaten gefällt. Also eine Erfolgsquote von 50%. Seit gestern überlege ich, ob ich mir eine Handtasche in dem Laden um die Ecke kaufen soll. Ich bin hin und her gerissen. Sie könnte jederzeit weg sein, nicht mehr verfügbar sein. Was soll ich nur tun?

Was ich eigentlich will und die bittere Wahrheit

Eigentlich will ich sparen, ich will auf Reisen gehen dieses Jahr. Dafür muss ich Geld zurücklegen, aber der kurze Kick an der Kasse ist mehr wert als das lange Warten auf die Reise. Wieso erfülle ich Bedürfnisse, die ich eigentlich nicht habe und verbaue mir damit etwas, dass ich wirklich haben will?

Wieso erfülle ich Bedürfnisse, die ich eigentlich nicht habe und verbaue mir damit etwas, dass ich wirklich haben will?

Ich will mich umkonditionieren, jetzt bitte. 

Ich habe mir die Tasche 5 Tage nachdem ich angefangen habe, das hier zu schreiben, dann doch gekauft. Ich bin ein Konsumopfer.

Laura ist jung, manchmal ängstlich und verletzlich aber auch neugierig und voller Lebenslust. Und verliebt in das Leben!

Headerfoto: Liza Summer (Kategorie-Button hinzufgefügt.) Danke dafür!

 

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