Gleiche Gegensätze

Ich bin im Laufe meiner Dating-Historie dem ein oder anderen Mann begegnet. Manchmal dachte ich „Krass, der ist genau wie ich“ und manchmal entpuppte sich der vermeintliche Mister Right als das Gegenteil dessen, was ich mir von meinem Partner wünsche.

In vielen Fällen machte es einfach nicht „klick“, obwohl es auf den ersten Blick hätte passen müssen. Dass es doch nicht passt zwischen uns, konnte ich mir mal schneller und mal weniger schnell eingestehen. Woran liegt das? Neulich dachte ich darüber nach und landete bei der Frage, was dran ist an „Gleich und gleich gesellt sich gern“, und: „Gegensätze ziehen sich an“.

Ich persönlich denke, beide Denkweisen sind etwas zu vereinfachend. Was soll ich mit einem Partner, der ganz genauso ist wie ich? Jemand, der genau dieselben Interessen hat wie ich, auf denselben Partys tanzt, der genauso viel Energie hat wie ich und der selten komplett runterfährt, erscheint mir kein gutes Match zu sein. Ich wünsche mir, dass sich unser Yin und Yang ergänzen.

Auf der anderen Seite kann ich mir nur schwer vorstellen, mit einem unreflektierten, unsportlichen Stubenhocker glücklich zu werden. Gespräche, die über das tägliche Wetter hinausgehen, Bewegung und gemeinsame Aktivitäten sind mir wichtig. Wie finde ich einen guten Mittelweg?

Die Wissenschaft zeigt: Je ähnlicher uns ein Mensch bereits zu Beginn einer Beziehung ist, desto länger hält die Bindung.

Die Wissenschaft zeigt: Je ähnlicher uns ein Mensch bereits zu Beginn einer Beziehung ist, desto länger hält die Bindung. Es gibt weniger unliebsame Überraschungen. Wenn mein*e Partner *in und ich von Anfang an beide einen nachhaltigen Lebensstil anstreben, überrascht er*sie mich wahrscheinlich (hoffentlich!) zum Einjährigen eher nicht mit Rindfleischburgern vom Fastfood-Riesen um die Ecke.

Gleichzeitig scheint ein gewisses Maß an Unterschiedlichkeit wichtig zu sein, um voneinander lernen und einander auch nach dem dritten Date noch mehr zu sagen zu haben als: „Das sehe ich genauso.“ Mein Partner soll mir ähnlich sein und mich faszinieren zugleich.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, schrieb Schiller. Allein über die Frage nach der Ewigkeit oder schlicht der angestrebten Langlebigkeit und Intensität einer zwischenmenschlichen Beziehung lässt sich ewig reden. Genau dies erscheint mir, so banal es klingen mag, wichtig zu sein: Miteinander reden, mich authentisch zeigen, so wie ich bin.

Lasst uns mehr in den aufrichtigen Austausch gehen. Welche Bedürfnisse, Wünsche und Lebensvisionen haben die Beteiligten? Je ähnlicher mir mein*e potenzielle*r Partner*in ist, desto geringer ist das Konfliktpotenzial. Klingt logisch. Je ähnlicher sich unsere Charakterzüge und die Einstellung zum Leben sind, desto weniger gibt es in der Partnerschaft zu verhandeln. Erkenne ich mich selbst in jemandem wieder, kann mich das herausfordern – und doch macht es einfacher, die*den andere*n zu verstehen.

Unterschiede sorgen für Spannung in mehrerlei Hinsicht. Sie können das Knistern und die Aufregung steigen lassen – und bergen zugleich Konfliktpotenzial.

Gegensätze mögen sich anziehen. Unterschiede sorgen für Spannung in mehrerlei Hinsicht. Sie können das Knistern und die Aufregung steigen lassen – und bergen zugleich Konfliktpotenzial. Für eine langfristige Partnerschaft bedeuten sie mehr notwendige Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft.

Möglicherweise schlägt das, was ich während der ersten Verliebtheitsphase als kribbelnde Aufregung erlebe, später in zwischenmenschliche Spannungen oder Konflikte um. Vielleicht auch nicht. Ich habe Respekt vor Menschen, die sich – weil sie sich auf eine besondere Art miteinander verbunden fühlen – trotz oder gerade wegen temporärer Spannungen, füreinander entscheiden und dafür, an der gemeinsamen Beziehung zu arbeiten.

Wie finde ich heraus, ob jemand zu mir passt? Manchmal reicht ein Date aus, um festzustellen: S*he’s not The One. Wer sich beim ersten Treffen als AfD-Wähler oder militanter Plastik-auf-den-Boden-Werfer entpuppt, hat bei mir schlechte Karten. In mir steckt ein moderner Öko-Hippie, der regelmäßig und gern zum Spielen raus möchte. Sorry, not sorry. Next! Gesteht mir mein Date, er habe zwei linke Füße, kann ich das wahrscheinlich verschmerzen, obwohl ich super gern tanzen gehe. Wenn der Rest passt, finden wir bestimmt andere gemeinsame Aktivitäten, die uns beiden Freude bereiten.

Mir scheint, die Schlüssel zu einer erfolgreichen und glücklichen Partnerschaft sind – schon bevor sie beginnt – Aufrichtigkeit und Kommunikation.

Mir scheint, die Schlüssel zu einer erfolgreichen und glücklichen Partnerschaft sind – schon bevor sie beginnt – Aufrichtigkeit und Kommunikation. Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber erspart möglicherweise allen Beteiligten eine späte Enttäuschung. Oft wissen wir im Grunde bereits recht zeitig, dass es nicht passt und halten dennoch an der Vorstellung von der romantischen Spannung zwischen zwei krassen Gegensätzen fest.

Aufrichtigkeit mir selbst gegenüber kann jedoch auch bedeuten: „Oh Dear, ich mag diesen Menschen.“ Ist das der Fall, lass ich es ihn wissen! Aufrichtige Kommunikation miteinander hilft außerdem, den*die andere*n wirklich kennenzulernen mitsamt seinen*ihren Bedürfnissen, Wünschen und Lebensvisionen.

Ein Patentrezept oder eine Erfolgsgarantie für Partnerschaften gibt es trotzdem nicht. Und das ist gut so. Wo blieben sonst der Spaß beim Dating, das Kribbeln der Ungewissheit nach dem ersten Kuss? Was würde aus der Aufregung, während wir Zeit miteinander verbringen und dabei uns selbst und einander Stück für Stück besser kennenlernen – mit all unseren liebenswerten und zuweilen herausfordernden Eigenschaften?

Zu Laura gehören Herz und Verstand hinter Zero Waste Your Life. Aktuell schlägt ihr Herz primär für ihre Crowdfunding-Kampagne und ihren Podcast. Einen Mann, der mit ihr gemeinsam die Welt verbessern möchte, hieße sie auch willkommen.

Headerfoto: Michael Easterling via Unsplash. (“Gedankenspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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