Ex-Partner*innen müssen nicht komplett aus dem Leben verschwinden


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Wenn sich die Liebe davonschleicht, bleibt bestenfalls eine Freundschaft. Silvia Princigalli findet, dass Ex-Partner*innen nicht komplett aus dem Leben verschwinden müssen und manchmal besser in eine andere Rolle passen.

Ach, Happy End. Wir lieben es und die Filmbranche verdient jährlich Millionen von Dollars damit. In den Siebzigerjahren visualisierte Woody Allen mit «Annie Hall» jedoch ein anderes Ende für die Liebe. Eines, in dem der Charmeur dann doch nicht seine Prinzessin bekommt oder sie auch gar nicht mehr will. Und beide dem Erlöschen ihrer Liebe zustimmen und Freunde bleiben. Eben kein: «Lieben, bis dass der Tod uns scheidet.»

Ich hatte mich vor Jahren ebenfalls unsterblich verliebt. Hatte danach innigst geliebt. Hätte mir für diese Person eine Kugel eingefangen. Würde es heute immer noch tun, auch wenn wir nicht mehr zusammen sind. Nein, an dieser Stelle kommt kein «Er hat sie wegen einer anderen verlassen», und ich balsamiere auch nicht täglich die Narben dieser Trennung. Wir haben uns einfach entliebt, gleichzeitig sozusagen.

Vielleicht waren es die turbulenten Wechsel der Mittzwanziger oder einfach das Meer von großen Möglichkeiten, die die Stärke dieser Liebe auf die Probe stellten.

Vielleicht waren es die turbulenten Wechsel der Mittzwanziger – Studium, Praktika, Selbstfindung oder einfach das Meer von großen Möglichkeiten, die die Stärke dieser Liebe auf die Probe stellten. Womöglich waren Routinen des Alltags und die Gewohnheit, täglich dieselbe Person zu berühren, mitschuldig.

Denn die Lustlosigkeit klopft früher oder später in jeder längeren Beziehung einmal an die Tür und fragt: «Hallo, wo bleibt der Sex?» Innovation ist gefragt. Das bedeutet viel Arbeit und vor allem Zeit. Ebenso den Willen, für diese Liebe weiterzukämpfen. Denn einfacher wäre es wohl, Schluss zu machen und sich in ein neues Liebesabenteuer zu stürzen.

In meinem tiefsten Inneren schlummert womöglich aber doch eine hoffnungsvolle Romantikerin, die auf die Liebe bis in alle Ewigkeit hofft. Deshalb habe ich gekämpft. Ich habe Benzin für das Weiterbrennen der Flamme gesucht: spontane Date-Nights, neue Wagnisse im Schlafzimmer und Gedanken, die Beziehung zu öffnen, um dadurch vielleicht neue Energien zu generieren.

Das Auseinanderleben nahm jedoch seinen Lauf.

Das Auseinanderleben nahm jedoch seinen Lauf. Es folgte die Resignation, dann der Abstand, der zeigt, dass es jetzt gut ist, loszulassen – auch wenn es weh tut.

Der Abschied ist das eine. Das Committment gegenüber Freunden und Verwandten, das Ende der zelebrierten Liebe zu verkünden, ist das andere. Alles halb so schlimm und Einstellungssache. Denn ernsthaft, man ist ja auch allein genauso viel wert wie zu zweit. Man möchte wegen seiner Person und nicht wegen des Perfect Match gemocht werden. Und den Titel Single darf man mit Stolz tragen.

Ein weiterer Aspekt ist die Welt, die man aufgibt. Die Stunden und Minuten in Erinnerungen, die Verknüpfungen im Freundeskreis, die Beziehung zu den potenziellen Schwiegereltern sowie zur Schwagerfamilie. Das ist alles vorbei. Man soll sich nicht mehr sehen, sein eigenes Leben ohne seine frühere bessere Hälfte verbringen. Weil ein gemeinsames Leben nicht mehr geht.

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Es handelt sich um ein Konzept der bewussten Entpaarung – nicht Trennung!

Es handelt sich um ein Konzept der bewussten Entpaarung – nicht Trennung! Die Freundschaft, die sich mit abnehmender Erotik herauskristallisiert hat, kann so auf eine neue Ebene gebracht werden.

Unbewusst bin ich nach der Trennung diesem Credo gefolgt. Gegen außen wurde klar eine Trennung kommuniziert, die komplette emotionale Trennung jedoch blieb aus. Wir blieben in Kontakt. Telefonate, SMS, Kinoabende zu zweit, Besuche bei Ikea (eigentlich typisch für Paare), Flanieren auf dem Flohmarkt und Beibehaltung des gemeinsamen Freundeskreises waren möglich.

Klar, es gibt immer wieder Situationen, die schwierig sein können, in denen Gefühle wieder hochkommen und man an seiner Entscheidung zweifelt. Aber manchmal ist einfach Schluss. Schluss mit der Liebe und was bleibt, ist Liebe für die Freundschaft. Denn im Idealfall ist die/der Ex nicht nur Geliebte*r, sondern auch beste*r Freund*in. Und gute Freund*innen sind fürs Leben.

Headerfoto: Artyom PJ via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Text: Silvia Princigalli.

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