Emotionsloser Narzisst gesucht

„Hm, irgendwie brauche ich irgendjemanden in meinem Leben; jemanden, dem ich meine Liebe schenken kann. Sonst fühle ich mich so­ leer.“ – Meine Freundin schüttelt nachdenklich den Kopf und entgegnet: „Ich versteh das nicht, da draußen laufen tausende Männer rum und Du verliebst dich immer in den, der Dir nichts zurückgibt.“ Recht hat sie, scheinbar trage ich ein Shirt mit der einer blinkenden Aufschrift „You fuck with me and then you’re fucking with my feelings – that’s fine.“

Komm her, Du emotionsloser Narzisst – Du machst dich so gut in meiner Sammlung.

Kommt alle her zu mir, Männer ohne Gefühle – aber mit besonders großem Ego. Ich nehm‘ Euch und zu allem Überfluss buttere ich Euch noch schön die selbstverliebte Seele. Komm her Du emotionsloser Narzisst – Du machst Dich so gut in meiner Sammlung.

So läuft das nun schon ein gutes Jahr, ein sehr gutes Jahr, denn ich war sehr erfolgreich. Wenn man denn von Erfolg sprechen kann, bei einer 90 prozentigen Trefferquote. Neun von Zehn Typen, auf die ich stehe, erfüllten eigentlich jedes Kriterium auf der „Seelenficker“-Checkliste.

Vielleicht sollte ich eine Agentur für Frauen aufmachen, die genau nach solchen Männern suchen. Denn ich rieche diese Männer schon von weitem.

Das ist eigentlich auch nicht besonders schwer: Man nehme einen Typen, stelle ihn in eine Ecke und lasse ihn mit einem „Ich geb einen Fick auf dich“-Blick schauen. Mein Kampfgeist ist dann sofort geweckt… den schnappe ich mir. Ich nehme mir vor, dass ich diesen abgefuckten Typen zumindest zum Lächeln bringe.

Wir reden schnell über Gott und die Welt – denn das kann ich gut. Smalltalk lag mir noch nie. Aber irgendwann stelle ich fest, dass Dein Gott und die Welt eigentlich nur aus „Dir und Dir“ besteht. Egal, denn Du bist klug.

Du liest philosophische Bücher. Du erklärst mir über vier Stunden deine Ansichten dazu und eröffnest mir einen Blick in Deine Welt. Und nun vergöttere ich Dich!

Du liest philosophische Bücher, gerade liest Du Nietzsche. Du erklärst mir über vier Stunden deine Ansichten dazu und eröffnest mir einen Blick in Deine Welt. Und nun vergöttere ich Dich! Ich vermute, Du merkst, wie sehr ich Dich in diesem Moment anhimmle, aber auch das ist mir egal.

Wir treffen uns ein paar Mal und ich klebe jedes einzelne Mal gefesselt an Deinen Lippen. Ich mache Dir ununterbrochen Komplimente und sage, wie sehr ich Deine Worte schätze und Du… naja Du redest einfach weiter von Dir.

Kluge Männer gefallen mir besonders gut, aber das schlimmst-schönste daran ist, dass genau diese Männer sich eben auch sehr gut selbst gefallen. Sie hören sich so unheimlich gern reden. Aber ich höre mich selbst auch sehr gerne reden.

Wenn ich mal wieder so richtig Lust auf Reden habe, suche ich mir einen wirklich netten Typen, mit dem ich mich auf einen Wein treffe und dem ich anschließend vier Stunden am Stück meine Lebensweisheiten auftische. Ohne Punkt und Komma. Danach fühle ich mich ein bisschen schlecht, weil ich am Ende des Abends eigentlich so gar nichts über mein Gegenüber weiß.

Aber er ist eben nett und das liegt mir irgendwie nicht.

Ich vermute, Er wird sich nach unserem Treffen nicht mehr bei mir melden, vermutlich habe ich ihn verschreckt. Aber er meldet sich, eigentlich sofort. So viel Begeisterung in seiner Nachricht, Er schreibt, dass ihm der Abend gefallen hat, dass er mich für eine super intelligente und interessante Person hält und Er mich gerne wiedersehen will. Aber Er ist eben nett und das liegt mir irgendwie nicht. Also werde ich das an dieser Stelle beenden. So wie ich das immer mache „Sorry, der Funke ist nicht übergesprungen.“

Da drüben in der Ecke steht auch schon wieder so ein gutaussehender Typ mit dem „Ich geb einen Fick auf dich“-Blick und ich trage zufällig mein „You fuck with me and then you’re fucking with my feelings – that’s fine.“-Shirt…

Herzlis liebt guten Weißwein, die Hochs und Tiefs im Leben, genauso wie das Meer und die Küste. Sie hat eine Schwäche für Männer mit Gitarre und das, obwohl ihre Mum ihr den Rat gab „Lass das lieber mit den Musiker-Männern.“ Wenn sie gerade mal nicht einen Gitarristen anhimmelt, ist auf der Suche nach sich selbst und verliert sich hierbei zu gerne in den Details. Mehr gibt es bei Instagram.

Headerfoto: Mika Matin via Unsplash. (”Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

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