Drei Jahre und keine Beziehung später: Warum habe ich kein Bedürfnis mehr nach Männern?

Vor beinahe exakt drei Jahren haben wir Schluss gemacht. Naja, viel eher hat er Schluss mit mir gemacht. Mit unserer Beziehung, die nicht einmal zwei Jahre hielt. Mit unserer Intimität, den tiefgehenden Gesprächen und den Struggles, die uns beide sehr belasteten.

Vor beinahe exakt drei Jahren haben wir Schluss gemacht. Das war der heftigste Schmerz in meinem bisherigen Leben.

Das war der heftigste Schmerz in meinem bisherigen Leben. Als es mir nach ein paar Monaten allmählich besser ging – die Stadt, in der ich damals wohnte, und die neuen Aufgaben dort halfen mir beim Heilen –, spürte ich in mir das seltsam sichere Gefühl, dass wir uns irgendwann noch einmal begegnen würden. Und mit begegnen meinte ich nicht, dass wir uns auf der Straße treffen würden, sondern, dass auf zufällige (oder auch nicht zufällige) Weise zueinanderfinden würden.

Ob das bedeutete, dass wir noch einmal zusammenkommen, konnte ich nicht sagen. Und das war auch nicht wichtig. War das letztendlich auch nichts anderes als ein aus naiver Hoffnung heraus entstandenes, gut getarntes Festhalten? Vielleicht. Doch dieses seltsam sichere Gefühl trage ich bis heute in mir. Es ist weder positiv noch negativ, es ist einfach da.

Irgendjemanden fand ich immer toll

Seit drei Jahren bin ich nun auch Single. Was überhaupt nicht schlimm ist, mir geht es super damit. Genau deshalb fange ich jedoch auch an, es zu hinterfragen.

In meinem Leben gab es immer einen Mann, über den ich gerade nachdachte.

In meinem Leben gab es immer einen Mann, über den ich gerade nachdachte. Schon in der Grundschule war ich verliebt, manchmal in mehrere Jungs gleichzeitig. Mit 12 Jahren fand ich den coolsten Jungen überhaupt unbeschreiblich cool – so wie meine besten Freundinnen auch. Rückblickend fand ich überhaupt immer irgendjemanden toll. Meinen Tanzpartner, den Freund meines Tanzpartners, den Typen auf der Jugendreise.

Mit 17 stürzte ich mich in ein toxisches On-Off-Verhältnis, von dem ich erst drei Jahre später so richtig loskam. Zwischen Abi und Studium vertrieb ich mir die Zeit mit unverbindlichen Dates, die für mich nie ganz unverbindlich und ohne Gefühle blieben.

Dann kam er. Und nach ihm ein paar weitere, tatsächlich auch für mich unverbindliche Dates. Und nun schon lange nichts und niemand mehr.

Wo ist das Bedürfnis hin?

Das bin ich nicht gewohnt. Dass mich kein Mann beschäftigt genauso wenig wie, dass ich noch nicht einmal über Dates und potenzielle Partner nachdenke. Dass ich nicht das Bedürfnis nach einem Mann neben, auf oder unter mir spüre. Also frage ich mich natürlich, welcher Grund dahintersteckt.

Bin ich emotional verkrüppelt, habe riesige Angst vor Schmerz und möchte mich unterbewusst auf gar niemanden einlassen? Ich weiß inzwischen, wie verrückt viel sich in meinem Unterbewusstsein abspielt. Also ist es prinzipiell nicht unwahrscheinlich, dass da Ängste schlummern, die ich gar nicht bewusst wahrnehme. Von denen ich nie sagen würde, dass ich sie habe.

Bin ich emotional verkrüppelt, habe riesige Angst vor Schmerz und möchte mich unterbewusst auf gar niemanden einlassen?

Ich habe mich immer gerne in emotionale Verbindungen gestürzt, ohne Angst vor der Konsequenz. Ich liebe die Liebe und alles, was dazugehört. Aber kann es sein, dass der Schmerz der letzten Trennung etwas in mir gebrochen hat, was noch nicht verheilt ist? Und dass mich dieser Schmerz davon abhält, etwas Neues einzugehen oder bloß darüber nachzudenken?

Ein weiterer Grund könnte diese Sicherheit in mir sein, dass ich ihm noch einmal begegnen werde. Steht mir dieses Gefühl dabei im Weg, neue Männer kennenzulernen? Halte ich dadurch doch eher an etwas in Wahrheit Unrealistischem und vor allem für mich Schlechtem fest, anstatt so frei und gelöst davon zu sein, wie ich es mir vorgaukle?

Ein weiterer Grund könnte diese Sicherheit in mir sein, dass ich ihm noch einmal begegnen werde. Steht mir dieses Gefühl dabei im Weg, neue Männer kennenzulernen?

Oder hat es mit etwas ganz anderem zu tun, beispielsweise damit, dass ich nun schon längere Zeit vollkommen mit mir selbst und meinem Job beschäftigt bin? Sodass nicht einmal mehr meine Gedanken, die sich sonst um jeden Fliegenschiss drehen, einen Platz frei haben für das männliche Geschlecht?

Verwunderlich wäre es nicht, schließlich befinde ich mich 24/7 auf einer sehr intensiven Suche nach dem, was mich wirklich erfüllt und womit ich mein Geld verdienen möchte. Vielleicht machen meine Gedanken da schon vorsorglich keinen Platz für einen Mann, weil er diesen auch in meinem Leben ohnehin nicht hätte.

Fühlen, nicht nur denken

Drei Jahre später sitze bzw. liege ich also da und träume von ihm. Und frage mich, ob tatsächlich er der Grund für all das ist. Und ob dieses Gefühl in mir mich daran hindert, irgendwann einmal eine erfüllte Beziehung zu führen. Oder ob ich es selbst bin.

Ich frage mich, ob tatsächlich er der Grund für all das ist. Und ob dieses Gefühl in mir mich daran hindert, irgendwann einmal eine erfüllte Beziehung zu führen. Oder ob ich es selbst bin.

Ich weiß nicht, ob ich jemals Antworten auf diese Fragen finden werde. Was ich aber weiß, ist, dass ich bereits einen Schritt gegangen bin, indem ich die Situation erkannt habe und mir möglicher Ursachen bewusst geworden bin. Und wenn es dir auf irgendeine Weise zurzeit ähnlich geht, hilft dir vielleicht ja einer meiner Gedanken. Und wenn nicht, ist das auch okay, weil du dann deine eigenen Gedanken und Gefühle finden wirst, die dich weiterbringen.

Etwas, das mit so vielen Gefühlen und Emotionen zu tun hat, muss auch gefühlt und nicht nur gedacht werden.

Und noch was: Darauf herumzudenken hilft meistens sowieso nur bedingt. Etwas, das mit so vielen Gefühlen und Emotionen zu tun hat, muss auch gefühlt und nicht nur gedacht werden. Probiere es aus! Ich gehe dann jetzt jedenfalls mal fühlen. Wer weiß, vielleicht ist das ja die Antwort.

Headerafoto: Camila Cordeiro via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

LEONIE MACHBERT schreibt Geschichten, seit sie schreiben kann. Sie hat Journalismus studiert und tobt jetzt irgendwo auf den weiten Feldern des freien Journalistendaseins herum. Dort sammelt sie Geschichten zu ihren Herzensthemen Body Positivity, Selbstliebe, Feminismus und den kleinen, zwischenmenschlichen Phänomenen. Sie liebt es, im Café zu sitzen, ihren Laptop alibimäßig vor sich aufzuklappen und dann zwei Stunden lang Leute zu beobachten. Mehr von ihr lest ihr auf ihrer Webseite.

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