Die Anbandelung – was Männer in Gesprächen mit Frauen denken

Liebe Frauen, stellt Euch mal folgende Situation vor: Nach vollendetem Tagwerk (z.B. Arbeit) geht Ihr mit einem Mann (z.B. einem Arbeitskollegen), weil der Zufall es so will, ein Stück Weg bis zur nächsten U-Bahn. Auf diesem Weg redet Ihr miteinander, über dieses und jenes, die Arbeit und die Freizeit und das Wetter. Small-Talk eben.

Und dann, in der U-Bahn-Station, statt dass gleich jeder zu seinem Bahnsteig eilt, bleibt Ihr noch ein paar Minütchen stehen und redet weiter.

Und dann, in der U-Bahn-Station, statt dass gleich jeder zu seinem Bahnsteig eilt, bleibt Ihr noch ein paar Minütchen stehen und redet weiter, hört Euch an, was der andere denn jetzt zu Weihnachten macht, lasst Euch von der Hoffnung auf viel Schnee am Urlaubsort oder dem Ausbleiben von Stress beim Besuch der werten Familie erzählen oder Ihr erzählt selber selbiges. Und dabei lasst Ihr vielleicht sogar die nächste U-Bahn einfach so ohne Euch wegfahren.

Oder Ihr redet mit einem Mann in der Pause eines Theaterstücks und trinkt zusammen ein/en Bier/Sekt/Wasser. Oder Ihr begegnet einem Euch bekannten Mann zufällig auf der Straße und stellt die Frage, die man in solchen Momenten nun einmal stellt: „Und? Was machst Du so? Wie geht’s Dir denn?“

Oder eine andere beliebige Situation, in der Ihr mit einem Mann quatscht.

Nett. Oder? Doch, nett ist sowas hin und wieder. Mehr aber auch nicht.

Was habt Ihr davon? Ein kleines Pläuschchen nebenher, Informationen über einen lange nicht mehr gesehenen Bekannten, Zeit totschlagen, was auch immer. Nett. Oder? Doch, nett ist sowas hin und wieder. Mehr aber auch nicht.

Nicht so für den Mann. Ein Mann denkt sich nämlich: Aha! Anbandelung!

Naja, das denkt er sich nicht wörtlich, wer gebraucht heutzutage schon noch das Wort „Anbandelung“? Aber dieses so schöne altmodische Wort beschreibt genau das, was der Mann empfindet. Er denkt sich: Wenn die jetzt einfach so mal mit mir redet, heißt das, es könnte mehr werden. Und was mit mehr gemeint ist, könnt Ihr Euch doch wohl denken.

Richtig, Sex.

Ein Mann denkt, wenn er mit einer Frau redet, an Sex. Und meistens an Sex mit der Frau, mit der er gerade redet.

Es ist so, da gibt es sogar Studien drüber: Ein Mann denkt, wenn er mit einer Frau redet, an Sex. Und meistens an Sex mit der Frau, mit der er gerade redet. Und das Gespräch, das er gerade führt, sieht er als ersten Schritt dazu. Irgendwie muss man ja anfangen. Eigentlich alles, was Mann so tut, wenn in irgendeiner Weise Frauen involviert sind, dient nur diesem einen Zweck. Sex.

Sexsexsexsexsex.

Natürlich sind auch wir Männer keine (Halb-)Affen mehr, die einer Frau die Banane reichen, und kaum hat sie sie ergriffen, wird sie auch schon flachgelegt, nein. Aber die Gedanken daran, die sind da.

Warum? – Weil der Mann nun einmal so ist.

Ich könnte jetzt auch über althergebrachtes Patriarchat schreiben, aber das will doch niemand lesen. Also bleibt es dabei: Der Mann ist so.

Na schön, blödes Argument und noch blödere Entschuldigung, ich weiß. Ich könnte jetzt auch über althergebrachtes und immer noch in unseren Köpfen herumschwirrendes Patriarchat schreiben, über hegemoniale Denkstrukturen, den Einfluss diverser Nächstenliebe verkündender Religionen und das alles würzen mit an den Haaren herbeigezogenem Gefasel über Biologie, aber das will doch niemand lesen. Also bleibt es dabei: Der Mann ist so.

Heißt nicht, dass er nicht auch anders sein könnte, aber … Aber Ihr fragt Euch, was Ihr nun mit dieser Info anfangen könnt. Normal.

Nun, Ihr könntet zum Beispiel alle Männer verachten, da Ihr wisst, welche Gedanken sich in ihren Schädeln tummeln, wenn sie mit Euch reden. Ihr könntet auch alle zufälligen oder nicht zufälligen Gespräche mit Männern künftig vermeiden, um nicht zum Inhalt dieser Gedanken zu werden. Ihr könntet es auch als Kompliment sehen, solange er seine Finger bei sich behält

Oder Ihr könntet all das, was ich Euch mitgeteilt habe, wieder vergessen und als Blödsinn oder unwichtig abtun und gut ist. Aber das tut Ihr natürlich nicht.

Manche Männer denken über Sex hinaus.

Also möchte ich Euch doch noch einen anderen Gedanken mit zu Euren zukünftigen Plaudereien mit Männern geben: Manche Männer denken über Sex hinaus.

Manche Männer denken tatsächlich an die Frau selber, daran, dass sie es gerade supertoll finden, mit ihr zu reden, weil sie feststellen, sie reden gerne mit ihr, sie genießen ihre Gegenwart, sie schauen sie gerne an, sie bemerken plötzlich, während sie über das Ausbleiben von Schnee und die oftmals zitierten aber im Grunde völlig überbewerteten Zusammenhänge mit dem Klimawandel referieren, dass diese Frau unglaublich schöne Augen hat.

Und sie freuen sich darüber. Und sie hoffen, dass sich ein solches Gespräch irgendwann, wenn der Zufall oder etwas anderes es denn will, wiederholen wird. Und dass es der Frau genauso geht, dass es auch für sie vielleicht ein wenig mehr ist, als nur Zeit totzuschlagen, dass sie ganz bewusst die U-Bahn hat vorbeirauschen lassen, um noch zwei oder drei Minuten lang mit diesem Mann und keinem anderen zu reden – und festzustellen, dass auch er unglaublich schöne Augen hat.

Und wenn beide Gesprächspartner finden, der jeweils andere hat unglaublich schöne Augen, naja, dann ist es auch nicht mehr ganz so weit bis zum Sex …

Euer Adam

Adam spricht – über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen. Seit mittlerweile über 7 Jahren versucht Adam wöchentlich den Mann zu erklären. Damit auch Frauen einen kleinen Einblick in die ach so komplexe Gedanken- und Gefühlswelt der werten Schwanzbewehrten erhaschen können. Dass dabei die Männer auch mal den Kürzeren ziehen, dürfte in der Natur der Sache liegen. Mit zahlreichen Illustrationen auf www.adamspricht.com

Headerfoto: @parkerkwhitson via Unsplash. (“Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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