Der endlose, dünne Geduldsfaden: Wann ist Corona denn nun endlich vorbei?

Und still und heimlich wird die Ruhe gerne mal zu laut. Und die zunächst liebevoll willkommen geheißene Entschleunigung wandelt sich in frustrierende Stagnation. Ausgeglichenheit in Unausgeglichenheit. Der sanfte Reiz der Stille führt zur Reizbarkeit. Und wenn es nicht die Stille ist, dann ist es der Lärm. Suche: Abwechslung. Biete: Wie die letzten Monate auch.

Ein bisschen wie ein großer Geduldstest. So fühlt sich das alles an. Abwarten und Tee trinken. Und dann noch ein bisschen länger warten. Warten, ohne den Tee abkühlen zu lassen.

Doch abkühlen tut er ja doch. Und dann nippen wir nur noch zaghaft daran. Ehe wir wieder heißes Wasser aufsetzen. Getränkt mit neuer Motivation. Neuer Zuversicht. Bis die Temperatur erneut am Sinken ist. Ein Auf und Ab ist es mit den Gefühlen. Das Aufbrühen zerrt. Und wonach ist dir heute so? Hibiskus oder doch eher Pfefferminz?

Sind wir schon da?

Und dann, dann fühle ich mich wie ein Kind. So ein Kind, das auf dem Rücksitz eines rumpligen Autos sitzt, das es selbst nicht steuern kann. Das Gesicht gegen die Fensterscheibe gedrückt und wackelnd. Der Weg ist holprig.

Ich fühl mich wie dieses Kind, das immer ungeduldiger wird und mit steigender Häufigkeit nach der Ankunft fragt: Sind wir schon da? Und jetzt? Sind wir jetzt endlich da? Umso länger die Fahrt, desto durchgeschüttelter ist der Kopf. Jeder Stein auf der Straße ist fühlbar. Doch gleichzeitig merkt man sie nicht mehr. Sind wir jetzt endlich da?

Eine Geduldsfahrt. Die wir alle zusammen bestreiten. Auch wenn sie für jeden und jede vollkommen unterschiedlich aussehen kann. Zermürbend ist sie wohl für alle.

Aber ein bisschen dauert‘s wohl noch. Die wilde Fahrt, die auch mal öde wird. Die wild und öde gleichzeitig ist. Eine Geduldsfahrt. Die wir alle zusammen bestreiten. Auch wenn sie für jeden und jede vollkommen unterschiedlich aussehen kann. Zermürbend ist sie wohl für alle. Mach mal lieber noch nen Tee.

Und da dürfen wir uns auch erlauben, uns mal zu beschweren, wenn es zu viel ist. Oder zu wenig. Da dürfen wir mal unausgeglichen sein. Da dürfen wir mal genervt sein. Und auch mal einen schlechten Tag haben. Oder mehrere.

Da dürfen die positiven Ressourcen auch mal erschöpft sein. Da dürfen wir vermissen. Da dürfen wir uns auch mal beschweren. Ernüchtert sein. Und die Dinge nicht so gebacken bekommen, wie wir meinen, es zu sollen. Da dürfen wir mal wütend sein. All das ist okay.

Aber dieser Moment, der kommt und er wird prickelnd

Ein bisschen dauert das Ganze noch. Ein bisschen noch abwarten und Tee trinken. Aber dann irgendwann kommt der Moment. Der Moment, in dem wir die Teetasse endlich wegschmeißen werden, sie in Scheiben zerbersten lassen und stattdessen feierlich den Schampus öffnen. Wenn wir endlich da sind. Am Ende dieser langen Fahrt.

Ja, dieser Moment. Wenn wir die Korken knallen lassen. Auf die Straßen gehen zum Tanzen. Leichtigkeit und Schwung uns umhüllt. Und wir anstoßen. Weil wir es geschafft haben. Weil wir endlich angekommen sind. Ja, dieser Moment. Der kommt. Und der wird prickelnd.

Anm. d. Red.: Wir finden es wichtig, einzelne Perspektiven von Betroffenen und die damit verbundenen Belastungen in der Corona-Pandemie zu zeigen. Wir sind alle auf unsere ganz persönliche Weise betroffen. Die meisten Maßnahmen sind aus unserer Sicht berechtigt und notwenig, um die Pandemie einzudämmen – auch wenn das Einhalten schwerfällt. Alle Artikel zum Thema Corona findest du hier.

Headerfoto: Joshua Rawson-Harris via Unsplash. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

Christine Hierer geht langsam aber sicher auf die 30 zu, wohnt, lebt und liebt in Berlin und macht irgendwas mit Medien. Ihre Gedanken verwandelt sie leidenschaftlich gerne zu Texten und teilt diese auf ihrem eigenen Blog und natürlich, wie sollte es auch anders sein, auf Insta.

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