Das dritte Rad am Wagen – Oder warum ich lieber eine Crazy Cat Lady werde

Paare. Es gibt ja Menschen, die sich nicht gerne allein mit Paaren treffen (außer für eine Ménage-à-trois vielleicht oder zum Skat spielen).

Ich mag das – aber nur, wenn das Paar nicht frisch zusammen ist. Bei Frischverliebten fühlt man sich dann nämlich wirklich wie das dritte Rad am Wagen, wenn sie sich die ganze Zeit abschlecken, Saliva austauschen, streicheln, verliebt ansehen, in Babysprache miteinander reden, über Namen für ihre zukünftigen Kinder reden, die mögliche Hochzeit oder Hochzeitsreise planen, Bilder voneinander machen, sich unter Kleidungsstücke fassen.

Der Penisträger in der Beziehung (oder beide im Fall eines schwulen Paares) muss womöglich noch eine Erektion verstecken und die Person (oder die Personen) mit Scheide hat vielleicht eine besonders feuchte Scheide wie ein spuckendes Lama und man selbst als Unbeteiligte/r sitzt nur blöd daneben und denkt, dass Menschen sehr komisch sind.

Bei Frischverliebten fühlt man sich dann nämlich wirklich wie das dritte Rad am Wagen, wenn sie sich die ganze Zeit abschlecken.

Paare, die schon länger zusammen sind, eignen sich viel besser, um sich mit ihnen zu treffen. Ich – wenn ich vielleicht nicht mehr so ganz nüchtern bin – führe mich dann immer ein bisschen so auf, als wären sie meine Babysitter. Was gut ist, denn an mir können sie üben, wie es ist, Eltern zu sein, falls sie mal Kinder haben möchten.

Vielleicht sollte man aber auch nur mit asexuellen Menschen befreundet sein. Oder mit gar keinen und sich ein paar Katzen zulegen. Ungefähr 50 Stück. Aber dafür braucht man Platz, Zeit und vermutlich einen guten Staubsauber. Es sei denn, man entscheidet sich als Crazy Cat Lady für Nacktkatzen. Das juckt dann auch nicht so, wenn 50 Katzen einem im Schlaf über das Gesicht klettern und man das ein oder andere Katzengesäß aus nächster Nähe begutachten darf.

Das katzenlose Single-Dasein hat aber auch seine Vorteile. Single zu sein, kann gut sein. Denn die Angst vorm Alleinsein ist nicht das, was uns fähig macht zu lieben. Jemanden zu „brauchen“, der oder die einen „komplettiert“, ist nicht gut. Es macht verzweifelt und lässt uns den Erstbesten oder die Erstbeste wählen, der oder die uns ein wenig Aufmerksamkeit schenkt, uns aber gar nicht zu schätzen weiß. So entstehen Beziehungen, die eigentlich gar keine sind.

Denn die Angst vorm Alleinsein ist nicht das, was uns fähig macht zu lieben. Jemanden zu „brauchen“, der oder die einen „komplettiert“, ist nicht gut.

Ja, Verliebtsein ist schön, aber oft auch eine Zweckgemeinschaft, weil gerade nichts „Besseres“ da ist. Mag für eine Weile funktionieren, aber so richtig wächst man doch meist als Person nicht dabei, wenn man sich nur an jemand klammert, weil man sich einredet, nicht Single sein zu können.

Glücklich als Single bedeutet, dass man nicht bei jedem Mann oder jeder Frau, der oder die süß ist, gleich an die große Liebe denkt und sich zu schnell in etwas hineinsteigert. Man macht das eigene Ego nicht von einer Person abhängig. Man hat Zeit für Hobbys. Freiheit. Vielleicht engagiert man sich auch sozial oder für die Umwelt. Man „findet sich selbst“ oder sieht sich mit zu viel Rotwein Filme an. Ist doch egal.

Du bist kein Regal, das zusammengebaut werden muss. Es ist vielleicht eine Schraube locker, aber es fehlt keine. Du bist nicht unvollständig. Du bist kein Projekt, das noch fertig gestellt werden muss. Kein leeres Haus, das noch eingerichtet werden muss. Kein Fehler-Modell, das ausgebessert werden muss.

Du bist kein Regal, das zusammengebaut werden muss. Es ist vielleicht eine Schraube locker, aber es fehlt keine.

Man ist auch allein komplett. Ein Ganzes. Niemand muss komplettiert werden. Du bist einzeln großartig. Ein Partner sollte dich bereichern. Nicht retten.

Freundschaften knüpfen, neue Hobbys finden, kreativ sein, etwas lernen, fremde Länder erkunden, an deiner Karriere arbeiten, beim Tierschutz aktiv sein, nichts tun – dafür brauchst du keinen Partner.

Hast du schon mal daran gedacht, dass du vielleicht Single bist, weil du momentan nicht bereit für eine Beziehung bist? Und dass Hollywood-Filme genau das sind, nämlich Filme, und dich nicht unter Druck setzen sollten? Und was die „Gesellschaft“ sagt, kann dir auch egal sein. Wie oft befragt die Gesellschaft denn dich zu deiner Meinung?

Das denke zumindest ich und vielleicht denkst du mal darüber nach.

Headerfoto: Matheus Ferrero via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Mia ist arm, aber eher mittel-sexy, bei gedämpftem Licht und mit der entsprechenden Promillezahl. Sie neigt zu Faulheit und Melancholie und ihre ehemalige französische Mitbewohnerin sagt, dass sie an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten sollte. Es ist schwer, Ratschläge zu befolgen, wenn man sich von süßen, französischen Akzenten ablenken lässt und zu viel Wein getrunken hat. Sie mag Filme, Bücher, Kunst, Reisen, Musik und schreiben, was sie auf ihrem Blog macht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.