Alu-Hut ab, Maske auf – auch über die Nase! Warum ich gerade echt an der Menschheit zweifele

Liebe Freund*innen und ganz besonders liebe Nicht-Freund*innen dieses wunderbaren Mund-Nasen-Schutzes. Mehr und mehr frage ich mich, wie es sein kann, dass Leute in Öffis oder Wartezimmern immer noch keine Maske tragen oder diese nur halbherzig über den Mund ziehen, anstatt über Mund und Nase (alleine das konnte ich heute im Bürgeramt-Wartezimmer bei 5 von rund 20 Leuten beobachten).

Auch über die Nase? Ach, lass mal, ist doch eh nicht so wild …

Ich frage mich, wie es sein kann, dass wir auf die Straße gehen und gegen Coron-Maßnahmen demonstrieren, infrage stellen, ob Corona wirklich so schlimm ist oder noch besser: Infrage stellen, ob es das Virus tatsächlich gibt – bei all dem, was gerade auf der Welt passiert. Zugegeben, es ist doch eine legitime Mutmaßung. Schließlich sind Viren ja echt nicht so easypeasy mit dem bloßen Auge zu sehen (fair point!) und die vielen Ärzt*innen, Erkrankten und Toten weltweit könnten sicherlich auch alles Schauspieler*innen sein, klar. (Ironie aus.)

Eine Show ist das ja schon alles. Aber wir glänzen da echt nicht mit der besten Performance. Wir sind hier vergleichsweise privilegiert und sollten eigentlich dankbar sein zu Zeiten einer Pandemie in einem Land mit vernünftigem Gesundheitssystem zu leben. Stattdessen gehen wir aber auf die Straße und protestieren, weil wir es nicht mal schaffen, im Supermarkt für 20 Minuten eine Maske aufzusetzen.

Gar nicht mal so schön, das Bild, das wir von uns malen

Me first, the others second. Ist es ernsthaft so wichtig, maskenlos durch die U-Bahn, Penny und Co zu spazieren, um den eigenen Willen durchzusetzen und sich ja nicht vom Staat bevormunden zu lassen? Wichtiger als die Menschen um einen herum zu schützen? Kann man es uns überhaupt noch recht machen oder haben wir den Blick für das Wesentliche eh schon komplett verloren? Also, jetzt mal Hand aufs Herz: Maske anziehen, an der roten Ampel anhalten, nur 30km/h fahren bei Schulen – können wir denn gar nicht mehr frei entscheiden!? (Nochmal Ironie aus.)

Ist es ernsthaft so wichtig, maskenlos durch die U-Bahn, Penny und Co zu spazieren, um den eigenen Willen durchzusetzen und sich ja nicht vom Staat bevormunden zu lassen?

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Corona selbst oder was Corona mit den Menschen macht und welches Bild wir dadurch von uns zeichnen. Wenn ich mir die Demos gegen Corona-Maßnahmen, das Handeln gewisser Staaten, Politiker*innen und Führungspersönlichkeiten oder auch die Gleichgültigkeit und Rücksichtslosigkeit mancher Menschen ansehe, frustriert mich das nicht nur, es lässt mich auch wirklich an der Menschheit, ihrer Intelligenz und ihrem Mitgefühl zweifeln.

Wollen wir, dass in den Geschichtsbüchern in 200 Jahren steht: „Erfolgreich und gemeinsam besiegte die Menschheit das Virus“ oder wollen wir das da steht „Es starben viel mehr als nötig, weil die Menschen einfach zu doof und egoistisch waren“?

Und weil’s gerade ohnehin alles so sommerlich beschwingt aussieht, fangen auch wir wieder an, fröhlich zu swingen. Nach so viel Lockdown muss man sich ja nun auch wirklich erst mal wieder ordentlich austoben. Partys draußen, genauso leider aber auch drinnen, dicht an dicht gedrängt im Lieblingsrestaurant, Gruppenumarmung und Schuppi Schuppi everywhere. So wirklich ernst nehmen wir den Virus aktuell nicht mehr. So wirkt es jedenfalls.

Ja, es ist immer noch Pandemie. Überraschung!

Doch Freund*innen, auch wenn draußen tutti frutti Sonnenschein herrscht und es gar nicht so aussieht: Die Pandemie feiert immer noch Party. Grenzenlos. Deswegen lasst uns doch bitte nicht kaputt machen, was wir bisher erreicht haben. Lasst jetzt mal nicht komplett achtlos werden. Lasst uns jetzt bitte, bitte nicht noch mehr Verschwörungstheorien in die Welt pusten, maskenlos in der U-Bahn chillen oder uns weiter über Maske und Abstandsregeln ärgern.

Und lasst mal auch nicht mehr so tun, als wäre diese Maske ein reiner Sabberschutz: Lasst sie nicht nur über dem Mund, sondern auch über unserem hübschen Näschen tragen. Und liebe Leute, lasst darunter mal keine grimmige Miene ziehen, sondern lachen. So macht’s das Ganze nämlich für uns alle ein bisschen angenehmer. Alu-Hut ab, Maske auf. Cheers!

Christine geht langsam aber sicher auf die 30 zu, wohnt, lebt und liebt in Berlin und macht irgendwas mit Medien. Ihre Gedanken verwandelt sie leidenschaftlich gerne zu Texten und teilt diese auf ihrem eigenen Blog und natürlich, wie sollte es auch anders sein, auf Insta. Dieser Text ist bereits hier erschienen.

Headerfoto: gryffyn m via Unsplash. (“Gesellschaftsspiel”-Button hinzugefügt.) Danke dafür.

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