Alles, was du jemals und niemals über Po-Haare wissen wolltest


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„Kannst du mir etwas über Po-Haare erzählen?“ Niemals im Leben hätte ich gedacht, dass ich diesen Betreff in einer Email verfassen würde. Nicht falsch verstehen: Es ist nicht so, als wären Po-Haare so eine seltene Sache. Ich meine, du hast sie, ich habe sie, die Kardashians haben sie (oder hatten sie zumindest irgendwann mal) … Und doch sind die Härchen an unserem Gesäß dann doch eher Privatsache – eigentlich witzig, wenn man bedenkt, dass wir sonst ja auch immer alles auf Instagram, Facebook und Co. teilen.

Nichtsdestotrotz haben wir zugegeben alle die eine oder andere Frage bezüglich der Po-Haare. Nur, mit wem kann man denn schon darüber sprechen (ohne irgendwie doch vor Scham im Erdboden zu versinken)?

Und da komme ich ins Spiel! Ja, ich habe Anfragen an Dermatolog*innen, Gynäkolog*innen, Kosmetiker*innen, Wachs- und Laserexpert*innen und an diejenigen, die sich die Po-Haare entfernen lassen, verschickt. Und glücklicherweise waren einige von ihnen auch nicht schüchtern und bereit, meine Fragen zu beantworten. Ich hoffe, dass du nach diesem Beitrag nie wieder Fragen über die Haare am Hintern haben wirst.

Warum bekommen wir überhaupt Haare in dieser Region?

„Männer haben bekanntermaßen mehr Körperhaar als Frauen und doch wachsen Haare am Gesäß bis zu einem gewissen Grad bei allen Menschen“, erklärt der Dermatologe Dr. Joshua Zeichner. „Frauen haben dabei meistens einen Flaum auf den Po-Backen und dunklere, dickere Haare im Anus-Bereich.“

Forscher*innen haben die Funktion unserer Haare an vielen Teilen unseres Körpers schon genau bestimmen können, doch bei den Haaren an unserem Popo stehen sie leider immer noch vor einem Rätsel. Es gibt viele Vermutung, warum sie dort wachsen, aber so genau kann es noch niemand wirklich sagen. „Wahrscheinlich liegt es an der Evolution unseres Haarwachstums“, meint Dr. Zeichner.

„In einigen Theorien heißt es, Haare in diesen Bereichen sollen vor möglichen Mikroorganismen und Infektionen schützen oder den Genitalbereichwarm halten. Manche Wissenschaftler*innen glauben, unsere Vorfahren brauchten die Haare, um mögliche Wundreibung an diesen empfindlichen Stellen zu verringern. Vielleicht vermitteln sie aber auch die, ähm, natürlichen Düfte unseres Körpers an unsere Mitmenschen weiter. „Schweiß, Öle und Schmutz bleiben an unseren Haaren haften, wodurch der eigene Körpergeruch weitergetragen werden kann. Das wäre auch ein sehr plausibler Grund für die Haare am Po“, glaubt Dr. Zeichner.

Solltest du die Haare wegmachen oder lieber nicht?

Aus rein gesundheitlicher Sicht ist das völlig egal. „Mir ist noch kein Unterschied in der Infektionsrate von Menschen mit haarigen und haarfreien Popos aufgefallen. Natürlich kann deine Haut, durch das Entfernen der Haare gereizt oder sogar verletzt werden und dann steigt das Risiko einer Infektion doch ungemein“, erklärt Dr. Zeichner.

Auch die Gynäkologin und Geburtshelferin Dr. Omnia M. Samra-Latif Estefan stimmt dem zu. „Bei Geschlechtskrankheiten geht es nicht darum, ob du Schambehaarung hast oder nicht, sondern nur darum, ob deine Haut verletzt ist. Sobald deine Haut an irgendeiner Stelle eine Wunde aufweist, ist diese Stelle wie ein offenes Tor für Viren und Bakterien, durch das sie in deinen Körper gelangen.“ Gleichzeitig erklärt die Expertin aber auch, dass ein haarfreier Intimbereich einige unerwünschte Krabbelgäste fern halten kann. „Wenn du keine Haare im Schambereich hast, können sich Läuse beispielsweise dort nicht einnisten – ganz einfach“, sagt sie.

Von einem ästhetischen Standpunkt aus gesehen, ist es vollkommen dir überlassen, ob du die Haare entfernst oder nicht. Wie bei allen anderen Haaren an deinem Körper ist es im Grunde nur reine Geschmacksache.

Von einem ästhetischen Standpunkt aus gesehen, ist es aber wiederum vollkommen dir überlassen, ob du die Haare entfernst oder nicht. Wie bei allen anderen Haaren an deinem Körper ist es im Grunde nur reine Geschmackssache. Wenn du dein Po aber lieber haarlos magst, solltest du dir lediglich gut überlegen, wie du sie wegmachst. „Beim Waxing kann es zu Hautirritationen und Entzündungen kommen. Rasieren kann zu kleinen Schnitten in der Haut führen. Und auch Trimmen erweist sich an dieser Stelle als eine kleine Herausforderung, besonders, wenn du es selbst machen willst“, meint Dr. Zeichner.

Seiner Meinung nach ist die Laser-Haarentfernung da schon eine bessere Wahl. „In meiner Praxis wird diese Methode immer beliebter. Und wenn man besonders sorgfältig arbeitet, bist du die Haare auch sicher los. Bis gar keine Haare mehr nachwachsen, musst du dich aber um die sechs bis acht Sitzungen unterziehen und, je nach Haardichte und Struktur, sind die im Abstand von vier Wochen. Frauen, die besonders starke hormonelle Schwankungen haben, müssen nach Abschluss der Behandlung vielleicht noch einmal im Jahr zu Folgeterminen erscheinen, damit die Haare auch wirklich für immer wegbleiben.

Die Erfahrungsberichte sind unterschiedlich, was vor allem an der Technik der Geräte liegt

Natürlich habe ich nicht nur die medizinische Seite durchleuchtet. Um herauszufinden, wie es ist, sich die Haare dort entfernen zu lassen, habe ich auch mit einigen Menschen geredet, die die Laserhaarentfernung in dem Bereich gemacht haben. Manche haben mir gesagt, sie hatten während der Behandlung Schmerzen (so, als ob jemand ein Gummi auf ihre Haut flanschen lässt) und spürten auch ein unangenehmes Reiben an der Stelle, wo die Haare nachwuchsen. Und weil sich dadurch Wunden und Schorf bildeten, mussten sie die Behandlung irgendwann sogar abbrechen.

Andere hatten keinerlei Beschwerden, sowohl während der Behandlung als auch in der Zeit, wo die Haare nachwuchsen. Dass die Erfahrungen so unterschiedlich sind, liegt daran, wann sie die Lasertherapie gemacht haben. Diejenigen, die über Schmerzen berichteten, haben ihre Behandlungen bereits vor vier bis fünf Jahren gehabt. Die anderen erst vor kurzem.

„Die Technik hat seit den ersten Geräten sich ziemlich verändert“, erklärt Christian Karavolas, Besitzer und Chef von Romeo & Juliette Laser Hair Removal in New York City. „Es gibt Laser, die immer noch Schmerzen bereiten können, aber mit den verschiedenen verfügbaren Kühltechniken fühlt es sich viel angenehmer an – mittlerweile ist es weniger ein Peitschen, sondern mehr ein sanftes Klopfen.

Tipp: Bereite dich darauf vor, deinem Kosmetiker oder deiner Kosmetikerin ganz nah zu kommen!

Wenn du aber trotzdem Angst hast, es könnte weh tun, kannst du manchmal auch 30 Minuten vorher eine betäubende Salbe auf die Stellen auftragen. Vermeide aber in der Zeit Solarium-Besuche und Antibiotika, weil dadurch dann Ausschläge und dunkle Hauflecken entstehen können.

Auch die Leute, die sich lasern lassen haben, können dir noch einen Tipp geben: Bereite dich darauf vor, deinem Kosmetiker oder deiner Kosmetikerin ganz nah zu kommen! „Du streckst ihnen deinen Hintern ins Gesicht und musst vielleicht sogar die Po-Backen spreizen. Ich dachte mir nur „Woah! Nicht mal mein Arzt oder gar mein Mann haben mich so schon gesehen“, erzählt mir eine Kundin, die lieber anonym bleiben möchte. Trotz der sehr peinlichen Situation, fand sie das Ganze aber gar nicht unangenehm. „Die Krankenschwester, die mich behandelt hat, hat es überhaupt nicht gejuckt. Sie hat bestimmt schon ganz andere Dinge gesehen und erlebt.“

Wenn du deine Pohaare aber nicht gleich für immer loswerden willst oder sie einfach zu hell für eine Laserbehandlung sind, kannst du es auch mit Sugaring, der hypoallergenen und nicht-komedogenen Variante der Haarentfernung, versuchen. „Beim Sugaring werden die Haare in Wuchsrichtung entfernt. Im Gegensatz zum Rasieren oder Waxing wird die Haut dadurch weniger irritiert“, sagt Courtney Claghorn, Gründerin von Sugared + Bronzed.

Wie pflegst du die Haut nach danach richtig? Und was ist mit Pickeln oder Ausschlägen?

„Verzichte in den ersten 48 Stunden auf übermäßige körperliche Betätigung, Peeling und Baden in warmen Wasser“, rät Claghorn. Außerdem solltest du bei Rötungen oder gereizter Haut lieber kein Eis oder Cortison-Creme auftragen.

Egal ob du die Haare behältst oder nicht, in deiner Po-Region kannst du immer Hautprobleme haben. Ganz oben auf dieser Liste: Die Pilonidalzsyte, eine Hautinfektion, die durch eingewachsene Haare in der Nähe des Steißbeins verursacht wird. „Eine Pilonidalzyste ist eine tiefe Zyste, die sich von der Haut bis zum Gesäß ausbreitet. Wenn sie klein ist, bleibt sie an Ort und Stelle. Allerdings kann sie sich vergrößern und sich infizieren oder entzünden, so dass eine chirurgische Drainage oder eine Entfernung zusammen mit oralen Antibiotika notwendig sein wird“, sagt Dr. Zeichner.

Das ist nicht das einzige Übel, das sich unbemerkt ausbreiten kann: „Folikulitis ist ein typischer Ausschlag, der sich um den Po herum ansiedelt. Viele Menschen verwechseln ihn mit Akne, aber wenn sich die Haarfollikel infizieren, können sich kleine Eiterpickel bilden“, erklärt der Dermatologe. Um dem vorzubeugen, empfehlende Expert*innen die Verwendung eines sanften Peelings, um Schmutz, Fett und abgestorbene Hautzellen zu entfernen.

Wie bei jeder Haarentfernung kann es auch hier zu eingewachsenen Haaren kommen. Um diese kleinen Entzündungen wieder loszuwerden, schlägt Dr. Zeichner vor, auf oder zwischen den Pobacken und außerhalb des Afters eine feuchtigkeitsspeichernde Salbe aufzutragen. Auch entzündungshemmende Cremes können laut dem Hautarzt nicht schaden.

Und Achtung: Wenn du schmerzhafte rote Knötchen bemerken solltest, kann das auf eine Infektion hindeuten. Wenn sich der Zustand nicht bessert, solltest du so schnell es geht ärztlichen Rat aufsuchen.

Headerbild: Ron McClenny via Unsplash. („Körperliches“-Button hinzugefügt und zugeschnitten.) Danke dafür!

TEXT: Erika Stalder.

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