Jan | 29 | Berlin

„Vorurteile brechen macht mir Spaß.“

Wir sind aufgeregt und voller Glücksgefühle, als wir eines Sonntags in die S-Bahn Richtung Karlshorst einsteigen. Nicht nur, weil es nach einer Ewigkeit des Dauergraus endlich mal wieder sonnig ist (Hallo, Frühlingsgefühle!), nein, wir haben ein Date! Good News: Es gibt sie noch, die Original-Berliner in Berlin. Und was für welche!

Einer von ihnen ist Jan – mit seinen lässig gestylten Haaren, seinem vollen Bart (Fun Fact: Er ist stolzer Besitzer eines Bartglätteisens) und seinen zwei Metern Körpergröße (glatt!) fällt er definitiv auf. Kurz war ich von diesem Anblick abgelenkt und hätte beinahe vergessen, warum wir hier sind. Konzentration! Stift und Zettel gezückt und los geht’s! Schließlich wollen wir ja einen Blick hinter die schöne Fassade werfen.

Aufgewachsen ist der 29-Jährige nach eigener Aussage relativ behütet: mit Mama, Papa und einem jüngeren Bruder in Lichtenberg in der Nähe vom Tierpark. Dort hat er früh seine Aversion gegen Plattenbauten entwickelt, hielt es aber trotzdem ganze 26 Jahre zuhause aus.

Für die erste eigene Wohnung musste dann was ganz Besonderes her. Seine großzügige Dachgeschosswohnung hat Patina – wie er selbst auch. Der Glückspilz hat die einzige Wohnung mit freigelegten Balken im Haus gefunden! Die Besichtigung fand damals am Muttertag statt, also schleppte Jan seine Mutti einfach mit – als persönlichen Glücksbringer sozusagen. Vor lauter Euphorie malte sie ihrem Sohn ein Bild, das bis heute die tote Ecke im Dachstuhl schmückt.

Als Berliner hat Jan mittlerweile nicht mehr ganz so viel Bock auf seine Heimatstadt, deshalb entschied er sich bewusst für die Wohnung in Karlshorst. Während andere am liebsten so zentral wie möglich wohnen wollen, bevorzugt Jan die Ruhe fernab von Touristen und Zugezogenen.

Schon als kleiner Junge träumte er von einem kleinen Häuschen im Grünen mit weißem Gartenzaun – diesen Wunsch hat er heute noch und möchte ihn irgendwann realisieren. „Der nächste Nachbar muss mindestens 500 Meter entfernt wohnen“, beschreibt er seinen Traum vom Eigenheim. Spießig? Nö!

Unser Single ist halt bodenständig und noch viel wichtiger, er vertritt die richtigen Werte. Seine Freunde kennt er alle noch aus Kindergarten- und Schulzeiten, Treue ist ihm extrem wichtig. Und Ehrlichkeit – damit nimmt er es ganz genau. Wahrscheinlich, weil er sich selber als extrem ehrlich, ja fast schon zu ehrlich beschreibt.

Zu ehrlich? Wie soll das denn gehen? Er klärt uns auf: „Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann halt einfach mal die Klappe“ – eine Weisheit, die ihn der Film Bambi von Disney gelehrt hat. Du weißt also immer, woran du bei Jan bist – ist doch echt mal ganz erfrischend, bei all der Fakeness auf Tinder, Instagram und Co.!

Nach einer kurzen Karriere als Feldkoch bei der Bundeswehr („ein lustiger Verein“, wie er sagt) und einer Ausbildung zum Restaurantfachmann, brachte das Fachabi in „Regenerativer Energietechnik“ endlich die Erleuchtung, wo es beruflich für ihn hingehen soll. Für seinen Job reist Jan unter der Woche nicht nur quer durch ganz Deutschland, sondern begibt sich auch regelmäßig in schwindelerregende Höhen.

Als Servicetechniker für Windkraftanlagen checkt er das Getriebe, führt Frequenzmessungen durch und das alles in 60 bis 150 Metern Höhe! Respekt! Die Höhe macht ihm eigentlich nichts aus, da oben fühlt er sich frei. Ein bisschen mulmig wurde ihm dann aber doch, als er sich an der Windanlage abseilen musste, um Außenarbeiten durchzuführen. Da saß er dann in einem Klettergurt von nur zwei Seilen gesichert. Unter seinem Hintern nichts als frische Luft und 150 Meter freier Fall. Adrenalin pur!

Unter der Woche ist er berufsbedingt kaum Zuhause, dafür kostet Jan seine Wochenenden immer so richtig aus! Ein Absolutes Muss: der Abstecher in die Natur! Mit seinem Kumpel geht er am liebsten in einem 40 Hektar großen Wald wandern, der einem Bekannten gehört. Sobald es wärmer wird, will Jan dann unbedingt auch mal im Freien übernachten – ganz romantisch unterm Sternenhimmel.

Entspannt und geerdet, wie er ist, würde er das Camping dem Hotel immer vorziehen. Auch, weil er aufgrund seines Jobs ständig in Hotels schlafen muss. Dort führt er dann den obligatorischen „Quietsch-Test“ (hier ist Platz für dein Kopfkino) auf dem Bett durch.

Für den Sommer plant er eine Treckingreise. Ziel egal, Hauptsache in Richtung Süden: „Wenn der Zug hält, dann hält er und wir springen einfach raus.“ Seine letzte Anschaffung war deshalb auch ein Reiserucksack. „Jacken und Rucksäcke kann man nie genug haben“, ruft er uns aus dem Schlafzimmer zu.

Jan würde sich jedenfalls freuen, wenn du seine Wanderlust und sein Bedürfnis nach Abenteuern mit ihm teilen könntest. Eine Couch-Potato kommt ihm eher nicht ins Haus und schon gar nicht in seine Hängematte, die quer im Raum hängt. Unser Zwei-Meter-Mann hüpft da mal eben ganz elegant rein, während ich – mit Aussicht auf seine Kletteraction vom Sofa aus – dankend ablehne, als er mir seinen Lieblingsplatz anbietet.

Die Hängematte würde bei eurem ersten Date übrigens eine Schlüsselrolle spielen. Auch wären ein Picknickkorb und ein besonderer Ort involviert, vorzugsweise – wer hätte es gedacht – in der Natur!

Was niemals fehlen darf, ist Musik! Im Laufe unseres Nachmittags wechselt Jan die Platten so oft, dass mir fast schon schwindelig wird. Ganz vorn mit dabei: der Live-Mitschnitt vom Annenmaykantereit-Konzert, auf dem Jan u.a. zu Pocahontas abgetanzt hat. Konzerte liebt er über alles, da kann er dann richtig ausrasten und rumspringen.

Sein Herz schlägt für Deutschrock, da haben ihn seine Rocker-Eltern geprägt. Mit denen war er übrigens auch schon mal bei Madsen. Ziemlich cool oder? Milliarden und Wanda dürfen natürlich auch nicht fehlen. Zum Entspannen muss es dann aber die Rocklegende Queen sein. Freddy würde sich freuen.

Seine Plattensammlung kann sich also definitiv sehen lassen! Das meiste hat er aus Daddys Fundus gefischt – da dürfen die Kindheitserinnerungen, in Jans Fall: eine Platte von Otto Waalkes, natürlich nicht fehlen.

Was Jan so gar nicht mag, sind Öffentliche Verkehrsmittel – sorry BVG! Seit er volljährig ist, fährt er Auto, mittlerweile sein zweites. Den Hybridwagen haben sie ihm leider letztes Jahr geklaut, die Schweine! Jetzt fährt er einen Renault Talisman (für die Autokenner unter euch). Das ist sein persönlicher Luxus. Abgesehen davon ist er aber eher bescheiden.

Das Leben nimmt er nicht zu ernst und schätzt die kleinen, einfachen Dinge … Bratkartoffeln mit Spiegelei zum Beispiel, die isst er am liebsten. Mit Pflanzen hat er es nicht so. Selbst den zähesten Kaktus bekommt er tot. Gut zu wissen, dass ich nicht die einzige Kakteenmörderin bin. In seiner Hood findet man ihn öfter mal im Kawi Café oder beim Italiener gegenüber. Mit den Kumpels trifft Jan sich am liebsten ganz unprätentiös in den guten alten Eckkneipen dieser Stadt. Bier und ehrliche Männergespräche – mehr braucht es nicht für einen richtig geilen Abend.

So cool Jan manchmal auch rüberkommen mag, der äußere Eindruck täuscht. Im Grunde ist er ein echt sensibler und korrekter Typ. Den tiefen Fall hat er nämlich auch schon erlebt und sich wieder berappelt. Das Ergebnis: ein achtsamer Umgang mit sich und seinen Mitmenschen.

Bei diesem Mann lohnt es sich auf jeden Fall, noch ein bisschen tiefer zu bohren. Wie du ihn garantiert knacken kannst? Besorg ihm doch einfach eine originale Marlene Dietrich-Platte, vielleicht liegt ihr dann ja bald gemeinsam in seiner Hängematte …

Kontakt

Sorry, Jan ist gerade nicht auf der Suche. Aber keine Sorge, mehr Menschen aus Berlin gibt es hier.

CHRISTIAN kam zur Fotografie wie der Zugezogene nach Berlin: Und es hat Zoom gemacht! Seit mittlerweile 14 Jahren fesselt der Autodidakt nun kostbare Reise- und Landschaftseindrücke liebevoll an die Ewigkeit – von Australien bis Israel, von Porto bis Island. Christians Fotofinger ist süchtig nach markanten Momenten. Deshalb sucht er seit einiger Zeit den aufregenden Augenblick auf der Straße ebenso wie den Glitzerregen bei Events, um ihre Moment-Magie behutsam in seine Bilder zu legen. Nun möchte er sich mit der Arbeit für im gegenteil auch der Porträt- und Reportagefotografie widmen. Uuuund Klick.
LARISSA FISCHER ist ein Mix aus Münchner Kindl und rheinischer Frohnatur. Seit gut zwei Jahren studiert sie ihren Master in Kunstgeschichte in Berlin und lässt sich mal mehr, mal weniger von den vielen Verlockungen der Stadt (inklusive ihrer männlichen Bewohner) ablenken. Im anonymen Großstadt-Dschungel ist sie stets auf der Jagd nach echten Gefühlen, neuen Herausforderungen und den alltäglichen Glücksmomenten. Ihr Herz trägt sie auf der Zunge, Ehrlichkeit und Authentizität sind ihre täglichen Begleiter. Sollten ihr mal die Tränen kommen, dann meistens vor Lachen. Begeistern kann sie sich schnell – am liebsten für Kunst, Interiordesign, Yoga und Musik. Ihr neuestes Hobby: Verkuppeln! #spreadlove #moreromance