Marm | 36 | Berlin

„Ich glaub, ich bin einer von den Männern, die eher zu viel als zu wenig Werkzeug zuhause haben.“

Immer wieder sonntags ­– das ist unser Motto. Sonntags besuchen wir gerne Singles in Berlin und lassen uns einen Nachmittag lang in ihre Leben entführen. Diesen Sonntag haben wir Glück: Nicht nur ist unser heutiges Porträt-Ziel bloß einen Katzensprung von der eigenen Haustür entfernt, nein, es ist sogar ein uns bekanntes Gesicht. Denn spulen wir die Geschichte etwa ein Jahr zurück, so ist uns Marm das erste Mal im Januar 2018 begegnet.

Der innere Schweinehund wollte besiegt werden – damals, kurz nach den Weihnachtsfeiertagen – und so fand man sich tatsächlich zu einer wunderbaren Runde Schwitzen und Ächzen in einer Turnhalle in Kreuzberg wieder. Während Chris und ich also unsere Kniebeugen machten, war Marm der Typ, der sie zählte: Unser Coach. Wer jetzt gerade denkt: „Geil, so ein Fitness-Muckibuden-Mann!“, der sollte dringend weiterlesen. Denn, wie immer, steckt natürlich so viel mehr hinter dem ersten Eindruck, als Ihr/man denkt!

So blicken uns also an diesem Morgen, knapp ein Jahr später, drei herrlich fröhliche, aufgeregte Augenpaare entgegnen. Zwischen Marms Schienbeinen flitzen seine Superkumpels Wilhelm und Heinrich auf uns zu. Die crazy famous Dackel of Instagram sind im Performance-Modus und machen unserem Single im Laufe des Tages noch einige Konkurrenz.

Zu unserem Glück fühlt sich Marm als Gastgeber sehr wohl und so erwartet uns ein fetter Sonntagsbrunch. Was für eine Begrüßung! Als sich die ganze Aufregung gelegt hat und wir es geschafft haben, unter dem Tisch hervorzukriechen (die Hunde sind aber auch zu putzig!), mampfen wir endlich Croissants und lauschen Marms Soundtrack.

Alles hat begonnen im Großstädtchen Magdeburg. Hier wuchs Marm zwischen grünen Wiesen, zwei sich umarmenden Elbzweigen und einem wilden Mix verschiedener Subkulturen auf. Während er der große Bruder ist – und dies im doppelten Wortsinne, denn er ist mit seinen 1,99 Metern Körpergröße nur knapp unterhalb der 2 Meter-Marke geblieben –, so gab es da noch die kleine Schwester, Mama und Papa und die Großeltern.

Gerade der Opa war für Marm ein wichtiger Mann. Schon als kleiner Junge hat er zu ihm aufgesehen und erinnert sich heute noch gerne an einige seiner liebsten Kindheitsmomente mit dem Großvater.

Marm war aber schon als kleines Kind sehr groß gewachsen und als jemand, der noch Kindheitserinnerungen an die letzten Jahre in der DDR hat, ist er nicht nur Besitzer eines Jungpioniertuches, auch lernte er das Talentschmiede-Prinzip kennen.

Zuerst probierte er ­– der schieren Größe wegen – mehrere Ballsportarten durch. Schnell wurde jedoch klar: Marm und Bälle – das könnte ins Auge gehen. Wie er uns grinsend erzählt, hätte eher „der Ball per Zufall das Ziel gefunden“, als dass er selbst viel Einfluss darauf nehmen konnte. Volleyballer sollte er also nicht werden und eines Tages setzte ein Scout ihn in ein 8er Ruderboot – und die Karriere war gefunden.

Während Marm uns erzählt, was es bedeutet hat, die Riemen durchs Wasser zu ziehen und gemeinsam mit seinen Teammitgliedern auf Landes- und Europaebene Wettkämpfe anzutreten, und wie sehr Sport bis heute in seinem täglichen Leben und Mindset von Bedeutung ist, stellen wir uns vor, was für ein vorbildlicher Junge er damals gewesen sein muss.

Doch da grinst der Schelm uns aus dem Mundwinkel an und eröffnet, dass er mit 17 das Nest verlassen hat. Irgendwann wurde es in den elterlichen vier Wänden zu klein und einen Drang nach Abenteuern hatte Marm ohnehin schon immer. Zwischen seinem 12. und 14. Lebensjahr habe er damals so ziemlich jede Subkultur mitgemacht, die die Stadt zu bieten hatte, und so zog es ihn schlussendlich raus aus Mutters Schoß und hinein in die Selbstständigkeit.

Der junge Wilde lebte unter anderem einige Jahre in einer Hippiekommune und Wohnprojekt mit dem Prinzip offener Türen. In welchem Outfit er sich da vorgestellt hat, solltest du ihn vielleicht selbst Fragen. Aber kleiner Spoiler: Wir haben uns weggelacht.

Umtriebig, wie er war, hat er die mittlere Reife abgelegt (Lehrers Liebling btw…), parallel einen Klamottenladen für Hip-Hop-Streetwear gemanaged und die ersten Hip Hop-Jam-Sessions in Magdeburg organisiert. Außerdem ist er immer wieder auch mal mit den Kumpels nach Berlin gezischt, um der Großstadt seinen Stempel aufzudrücken. Und das alles, bevor der Junge volljährig war!

Irgendwann hat aber auch das süßeste Leben seine Routine gefunden und so kam schlussendlich eine solide Ausbildung dazu und nachdem er sich durch drei Jahre Event-Management gekämpft hatte – und danach davon eigentlich ziemlich bedient war –, war es Zeit für was Neues. Marm so: Hallo Berlin!, und Berlin so: Hey, willkommen, Marm!

Mittlerweile ist vielleicht durchgeschimmert, dass Marm ein Tausendsassa ist, der wahnsinnig gerne Dinge erlebt. Doch jetzt offenbaren wir Dir was Verrücktes: Er hat es auch gerne sicher. Und so ist er heute seines Zeichens Regierungsinspektor und Beamter. Nach dem Fachabi und dem verwaltungsjuristischen Studium ist der Inspektor heute im Namen der Regierung und im Zeichen des Sports in Berlin unterwegs.

Er realisierte unter anderem den ersten Calisthenicspark in Berlin, setzte für die Adidas Runbase in zahlreichen Parks Klettergerüste für Fitnessbegeisterte um und gibt hoch motivierende Sportkurse (we approve!). Seine Devise bleibt bei all dem stets: „Alles würde irgendwann langweilig werden, wenn man sich nicht spezialisiert und selbst Ansprechpartner wird.“

Marm ist durch und durch ein Kümmerer, ein Begeisterter, ein Leidenschaftlicher. Es ist schier unmöglich, hier alles unterzubringen, was er uns erzählt hat und was wir in seiner Wohnung entdeckt haben. Wir bewundern heimlich die Hingabe, dank derer sein Zuhause auch ein kleines pars pro toto seines Lebens ist.

Während unseres Gespräches schweifen wir immer wieder ab. Es gibt so viel zu entdecken und jeder Gegenstand besitzt seine eigene Geschichte, die irgendwo in Marms Vergangenheit seinen Ursprung hat. Ein Thema, das sich jedoch durchzieht: schwarz-weiß. Man findet die Details im Flur, in mannshohen Birkenbildern hinter einer Sprossenwand, ja sogar in unserem Brunch, wenn wir so weit gehen wollten. Eine Pyramide von Büchern offenbart eine weitere Leidenschaft: die Fotografie.

Marm ist ein sehr visueller Mensch und fordert von den Dingen um ihn herum Emotionalität und Leidenschaft, das Potenzial zur Ekstase und die Fähigkeit, ihn mitzureißen und zu begeistern. In Fotografien kann er dies finden.

In der Musik ebenfalls. Dabei spielt es wenig Rolle, ob es nun Fiva MC ist, die ihn schon live im LIDO verzauberte, ein Heavy-Metal-Konzert mit krassem Shouter oder auch mal düsterer, treibender Techno. Findet der Körper seinen Groove und verwischen Raum und Zeit, dann ist das für Marm Freiheit. Dazu braucht er übrigens keinen Alkohol oder Ähnliches.

Obwohl sein Alltag sehr strukturiert erscheint, so ist er keinesfalls jemand, der starr daran festhalten muss. Sein Motto ist es, einfach mal das Leben laufen zu lassen. „Ich kann ja auch mein Leben nicht komplett kontrollieren. Viele Sachen passieren ja auch einfach.“

Die Person, die er heute ist, wurde gemacht von vielen anderen. Marm ist ein Mensch, der den Austausch genießt.  Der davon profitiert, mit anderen Menschen über das Leben zu reden, sich auszutauschen und die Erfahrung anderer auf sein eigenes Leben anzuwenden. Und das spürt man. Vor uns sitzt jemand, der sehr in sich selbst ruht, und das ist, ehrlich gesagt, ein ziemlich geiles Bild.

Zu guter Letzt: Wonach sucht Marm eigentlich? Um es mit seinen Worten zu sagen: „Ich wünsche mir eine Queen of fucking everything!“ Einen Menschen, der voller Selbstbewusstsein alles ausprobieren will. Jemanden, der mit offenem und wachem Geist durch die Welt geht, sich selbst nicht zu ernst nimmt und auch nicht davor zurückscheut, reflektiert zu sein. Eine Expeditionsgefährtin. Marm ist viel draußen und mit den Hunden unterwegs, es wäre also herrlich, wenn die Zukünftige Natur und Spaziergehen mit Leib und Seele genießt.

Am Ende unseres Besuches bittet er uns, unser Spirit-Animal zu benennen. Seines sei ein Biber. Und die Frau an seiner Seite? Er weiß nicht genau, warum, aber in seiner Zukunft sieht er einen strahlenden Flamingo. In Marms Biberbrust schlägt ein großes Herz. Und wir sind Fans – absolut schamlos.

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Chris ist mehr oder weniger ins Fotografieren hineingestolpert. Mit einem schlichten „Mach mal“ wurde ihm die Kamera in die Hand gedrückt und seitdem hat er die auch eigentlich auch nie wieder abgegeben. Am liebsten hat er es, wenn das Objekt sich gar nicht so arg fotografiert fühlt und alles so natürlich wie möglich bleibt. Als jemand, der ständig neue Impulse sucht, findet man ihn mit der Unterwasserkamera im tiefen Meer, mit der Drohne hoch über Baumwipfeln oder einfach mal kopfüber beim Bouldern, wo die Gedanken baumeln dürfen.
Tabea wollte eigentlich gar nicht nach Berlin, ist dann aber doch aus Versehen hier gelandet. Sie glaubt, ihr Tag hat 72h, interessiert sich für alles, liest viel, will überall hin, alles können und das am Liebsten gleichzeitig. Ein echter Tausendsassa. Käse ist ihre Leidenschaft.