Was ich mal sagen wollte: Wir brauchen das Wort Vulvalippen – jetzt!

Männer haben einen Penis und Frauen haben was? Frauen haben eine Vulva, die fälschlicherweise immer wieder Vagina genannt wird. Dabei beschreibt das Wort Vagina bloß den “inneren Schlauch”. Nur das, was man von außen sieht, wird mit dem Wort Vulva beschrieben.

Auch ich wusste das lange Zeit nicht besser. Die Bezeichnungen für das, was “da unten” zwischen den Beinen einer Frau ist, ist aber nicht egal. Zum Glück sind wir heute soweit, dass wir die Klitoris schon beim Namen nennen und die Meisten wissen, was sie kann. Aber das ist eben noch nicht alles.

Zur Vulva gehören neben der Klitoris auch die äußeren und inneren Schamlippen. Aber Moment? Warum Scham? Da gibt es doch nichts, wofür wir uns schämen müssen.

Im Oktober 2018 veröffentlichte Autorin Gunda Windmüller bei watson einen Artikel und ein Video, in dem sie das Wort Vulvalippen zu etablieren versuchte.

Das dachte sich auch die Journalistin und Autorin Gunda Windmüller. Im Oktober 2018 veröffentlichte sie bei watson einen Artikel und ein Video, in dem sie das Wort “Vulvalippen” zu etablieren versuchte. Sie findet das Wort Schamlippen unangemessen, da Geschlechtsteile nicht mit Scham assoziiert werden sollten.

Unter dem #Vulvalippen und einem von Gunda Windmüller erfundenen Handzeichen, solidarisierten sich sehr schnell sehr viele Menschen mit ihrer Aktion. Sie ging viral und sämtliche Medien (Deutschlandfunk, DerWesten, jetzt, Stern, Radio Fritz, Taz, WDR, Zeit Magazin) berichteten darüber. Zusammen mit Mithu M. Sanyal startete Gunda Windmüller eine Petition, damit das Wort in den Duden aufgenommen wird. Fast 35.000 Menschen haben daran teilgenommen.

Das Wort Vulvalippen soll eine Alternative zu dem Wort Schamlippen darstellen und dieses langfristig sogar ersetzen. Gleichzeitig soll es dafür sorgen, dass die Begriffe Vagina und Vulva nicht mehr fälschlicherweise synonym verwendet werden. Das finde ich wichtig und richtig.

Der mediale Hype um das Wort ging einige Wochen und ist jetzt wieder abgeflaut, aber die Botschaft dahinter bleibt.

Der mediale Hype um das Wort ging einige Wochen und ist jetzt wieder abgeflaut, aber die Botschaft dahinter bleibt. Ich möchte, dass es selbstverständlich wird, Dinge zu sagen wie: Das ist meine Vulva. Das sind meine Vulvalippen. Ich möchte, dass du meine Klitoris streichelst.

Denn Geschlechtsteile und ihre Funktionen sind etwas völlig Normales und Natürliches. Und so sollten wir sie auch behandeln. Ihnen also Respekt entgegenbringen und sie nicht mit Scham assoziieren.

Besonders die inneren Vulvalippen können indes sehr unterschiedlich sein: Mal sind sie sehr lang und deutlich zu erkennen, manchmal kaum ausgeprägt. Sie können dunkler sein als der Rest der Vulva oder die gleiche Farbe haben. Manchmal sind sie gleich lang, meist aber nicht. All das ist normal und schön.

Es ist wichtig, das immer wieder zu betonen, vor allem da man immer mal wieder von dem bedenklichen „Trend“ hört, sich die Vulvalippen im Rahmen einer Schönheitsoperation anpassen zu lassen.

Die Vielfalt und Schönheit der Vulven werden immer öfter auch künstlerisch dargestellt. So beispielsweise durch die Künstlerin Hilde Atalanta auf ihrem Instagram-Account The Vulva Gallery und Agi Malach durch ihre Vulvinchen.

Headerfoto: Aiony Haust via Unsplash. (“Körperliches”-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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