Was ich mal sagen wollte: Wir alle sind Sexsubjekte – keine Sexobjekte!

In Werbung werden wir (das heißt in diesem Fall: Frauen) noch immer viel zu oft sexualisiert und objektifiziert. In Frauenzeitschriften wird dazu aufgerufen, uns und unser Äußeres zu optimieren. Und selbst wenn wir das erkennen und nicht daran glauben – uns also nicht optimieren möchten und wütend sind über diese Forderungen –, werden wir immer wieder damit konfrontiert. So beispielsweise auch beim Thema Sex.

Ich schrieb schon mal über das Thema Slutshaming. Damit zusammen hängt aber nicht nur die Bewertung von außen durch Unbeteiligte, sondern auch die Degradierung der Frau* zum Sexobjekt durch ihre Sexpartner.

Sex muss nicht nur in Beziehungen stattfinden, aber gerade außerhalb dieser werden Frauen oft wie Objekte behandelt.

Das darf einfach nicht sein! Es spricht nichts gegen Casual Dating, ONSs und Sexfreundschaften. Sex muss nicht nur in Beziehungen stattfinden, aber gerade außerhalb dieser werden Frauen oft wie Objekte behandelt.

Das eigentlich Schöne – nämlich die gegenseitige Anziehung – wird auf diese Weise stark entwertet. Es ist doch eigentlich ein beidseitiges Geschenk, sich vor dem Anderen zu entblößen und sich sexuell aufeinander einzulassen.

Das sollte wertgeschätzt werden und Frauen (oder Menschen im Allgemeinen) sollten in diesem Zusammenhang nicht wie erlegtes Wild betrachtet werden dürfen: Abspritzen und die Frau wie ein benutztes Wichstaschentuch wegschmeißen.

Sex ist etwas, an dem mindestens zwei Menschen aktiv teilnehmen.

Menschen sind nicht nur Mittel zum Zweck! Sie sind Subjekte. Ein Subjekt wird als aktiv wahrnehmend definiert, während das Objekt passiv wahrgenommen wird. Aber Sex ist etwas, an dem mindestens zwei Menschen aktiv teilnehmen. Menschen sind keine Sexspielzeuge, die als Gegenstände nicht denken und handeln können und im wahrsten Sinne des Wortes Sexobjekte sind.

Natürlich sollten sowohl das Denken als auch das Handeln im Moment des Sexes auf die Sexpartnerin oder den Sexpartner gerichtet sein. Aber eben in Anerkennung, dass es sich dabei um ein Subjekt handelt, das den sexuellen Akt aktiv mitbestimmt.

„Ein Subjekt ist ein mit Bewusstsein ausgestattetes, denkendes, erkennendes und handelndes Wesen“ (Duden). Und diese Eigenschaften behält ein Mensch auch beim Sex. „Ein Objekt“ hingegen „ist ein Gegenstand, auf den das Interesse, das Denken und das Handeln gerichtet sind“ (Duden).

Im zugespitzten Fall bedeutet das, dass Sex, der völlig objektifiziert abläuft, auch ausschließlich auf die Lustgewinnung der Person fokussiert ist, die die andere objektifiziert. Das ist leicht zu erkennen und ein zweites Mal lässt sich vermeiden.

Schwierig wird es dann, wenn die sexuelle Lustgewinnung gleichberechtigt behandelt wird, aber im Nachgang einer von Zweien erniedrigt wird.

Schwierig wird es dann, wenn die sexuelle Lustgewinnung gleichberechtigt behandelt wird, aber im Nachgang einer von Zweien durch ablehnendes Verhalten oder auf verbaler Ebene erniedrigt wird. Beispielsweise durch Sätze wie: „Keine*r ist so willig wie du, du kannst doch nur Probleme haben.“

Also Sätze, die darauf abzielen, den soeben gemeinsam genossenen Akt der Lust abzuwerten. Zu kritisieren, dass eine Frau hemmungslos Sex hatte – und diesen genossen hat. Andere Varianten sind es, diese Person ausschließlich in einer sexualisierten Rolle wahrzunehmen. Was schon per se schwachsinnig ist, denn wir alle können und wollen nicht den ganzen Tag Sex haben.

Dementsprechend haben wir auch andere Rollen. Sex und die Art und Weise, wie wir ihn haben, ist bloß eine Facette unserer Persönlichkeit. Man muss nicht alle kennen und sich nicht mit allen beschäftigen, aber zu leugnen, dass es andere Facetten gibt, und die sexuelle Facette auch noch abzuwerten geht gar nicht!

Respekt ist hier das Stichwort. Und an dem mangelt es bekanntlich vielen Menschen in vielen Zusammenhängen.

Respekt ist hier das Stichwort. Und an dem mangelt es bekanntlich vielen Menschen in vielen Zusammenhängen. Für mich ist das ein Grund, weniger Sex zu haben, weil mir die Bekanntschaft und teilweise schwere „Enttarnung“ solcher Menschen absolut nichts bringt – außer Ärger. Der Sex selbst wird dadurch ebenfalls wertlos, man kann sich an ihm nicht mehr erfreuen, stattdessen fühlt man sich beleidigt und benutzt – und so sollte sich keiner fühlen müssen.

Schade, denn die meisten Menschen haben gerne Sex. Es scheint, als könnten wir es alle einfacher haben, wenn es nicht nur Konsens darüber gäbe, Sex zu haben, sondern auch Konsens über Respekt beim Sex. Ich liebe nicht jeden, mit dem ich Sex habe, aber ich bin neugierig auf die Personen und begeistert von etwas. Und auch, wenn die gemeinsam verbrachten Stunden sich wirklich ausschließlich auf Sex beziehen, kann man sich doch beim Abschied ehrlich anlächeln. Sich freuen und sagen: „Danke für die schöne Zeit“.

*An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass das Phänomen der Objektifizierung natürlich in allen möglichen Geschlechterkonstellationen möglich ist und sicher auch stattfindet, aber sich dieser Text vorrangig auf die Doppelmoral und die damit einhergehende unterschiedliche Bewertung von Männern und Frauen bezieht in ihrer sexuellen Begegnung miteinander.

Headerfoto: @iamshwa via Unsplash. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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