Was ich mal sagen wollte: Unisex Toiletten – wo ist denn das Problem?

In Deutschland bin ich mit geschlechtsgetrennten öffentlichen Toiletten aufgewachsen. Das gab es schon im Kindergarten und der Grundschule. Gerne habe ich mich mit den Mädels auf dem Gymnasium auf die Damentoilette verzogen, um wichtige Dinge fernab von Jungsohren zu besprechen.

Hinterfragt habe ich das lange nicht. Bis zu dem Moment, als Transsexuelle und Intersexuelle und alle non binären Menschen in mein Bewusstsein rückten. Dass diese sich oft in einer “Toilettenproblematik” gefangen sehen, ist längst bekannt – aber leider noch nicht geändert.

Trans- und Intersexuelle sehen sich oft in einer “Toilettenproblematik” gefangen; das ist längst bekannt – aber leider noch nicht geändert.

Dabei betrifft diese im Alltag ja nicht nur transsexuelle und intersexuelle Menschen. Es betrifft oft auch Familien. Sei es der Elternteil, der mit dem eigenen Kind des anderen Geschlechts aufs Klo geht oder gar der Vater, der den Wickeltisch benötigt, der in den meisten Fällen im Bereich der Damentoilette liegt.

Eine große Sinnlosigkeit

Als ich neulich am Busbahnhof an der Toilette anstand, war ich die fünfte Frau in der Reihe, die vor einer einzelnen für Frauen ausgezeichneten Toilette stand. Neben uns lag unbenutzt die Männertoilette. In diesem Fall gab es nicht mal einen Vorraum zu den Toiletten. Hinter dem Geschlechtssymbol an der Tür befand sich wirklich nur ein kleiner Raum mit dem WC.

Ich hätte gerne die andere unbenutzte Toilette aufgesucht, denn es bleibt letzten Endes auch einfach nur das: eine Toilette.

Ich hätte gerne die andere unbenutzte Toilette aufgesucht, denn es bleibt letzten Endes auch einfach nur das: eine Toilette. Doch die Toilettendame beobachtete uns argwöhnisch und bestand auf der Benutzung der Damentoilette. Selten habe ich so eine große Sinnlosigkeit erlebt.

Im Übrigen sind Behindertentoiletten sowie Bahn- und Flugzeugtoiletten ja auch für beide Geschlechter, dort wird nicht noch einmal unterschieden. Es ist natürlich eine Kosten- und Platzfrage und doch ist Fakt: Dort stört es auch niemanden.

In New York sind Unisex-Toiletten schon verpflichtend

Es wird Zeit für ein bisschen mehr Flexibilität und ein Aufbrechen der Geschlechtergrenzen. Immerhin wurde in Berlin letztes Jahr die Diskussion dazu, ob es in allen Behörden nur Unisex-Toiletten geben soll, schon mal angestoßen.

In New York  gibt es allerdings schon verpflichtend in allen öffentlichen Gebäuden geschlechtsneutrale Toiletten. Dort muss sich keiner mehr für eine Toilette und damit für ein Geschlecht entscheiden.

Wenn man das nicht möchte, wäre ja auch immer noch ein dreiteiliges Toilettenmodell möglich, damit die nach Geschlechtern getrennten Toiletten als Schutzräume beibehalten werden, so wie es die TU Darmstadt vorschlägt. Wobei es äußerst bedauerlich ist, dass das Argument der Schutzräume überhaupt Gewichtung hat und manche Menschen aus (berechtigter) Angst vor Gewalt, auf getrennten Toiletten bestehen.

Es ist traurig, dass Leute immer noch teilweise aus Angst auf getrennten Toiletten bestehen.

An dieser Stelle müssen wir als Gesellschaft zusätzlich daran arbeiten, diese Angst abzubauen, denn keine Person, welchen Geschlechts auch immer, sollte irgendwo Angst vor Übergriffen haben müssen.

Im antiken Rom war der Toilettengang ein Gemeinschaftsakt, bei dem auf den Latrinen auch wichtige Dinge – kleine und große Geschäfte sozusagen (höhöhö!) – besprochen wurden. Es geht also noch „schlimmer“ als es das Modell von Unisex-Toiletten für alle verlangt. 

Headerfoto: Frau in öffentlicher Toilette (Stockfoto) via Dean Drobot/Shutterstock. (Gesellschaftsspiel-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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