Was ich mal sagen wollte: Sind Sexroboter gesellschaftsfähig?

Die Vorstellung, mit einem Roboter Sex zu haben, finde ich befremdlich. Dass dieser dann auch noch spricht und reagiert, sogar noch befremdlicher. Der Gedanke, dass sich die Haut wie Gummi anfühlen könnte und die Wärme anders wäre als die eines echten Menschens, macht den Gedanken für mich noch seltsamer.

Mein persönliches Empfinden ändert aber nichts daran, dass es diese Roboter gibt und sie noch weiterentwickelt werden. Ich muss zugeben, dass ich durchaus positive Aspekte sehen kann.

Die Vorstellung, mit einem Roboter Sex zu haben, finde ich befremdlich.

Für Therapiezwecke und für Menschen, denen eine Beziehung zu einem echten Menschen nicht möglich ist, könnte ein solcher Roboter bereichernd sein. Ja, sogar die Gesundheit fördern. Es gibt bereits den Beruf des Sexualbegleiters und der Sexualbegleiterin, die es zum Beispiel Menschen, die aufgrund einer Behinderung nur eingeschränkt sexuell aktiv sein können, ermöglichen, Sexualität zu leben.

Allerdings kostet ein*e solche*r viel Geld und es gibt Grenzen, da Zärtlichkeiten auf einer geschäftlichen Basis stattfinden. In die Zukunft gedacht, könnte durch Sexroboter das Erleben der Sexualität mehr Menschen mit Einschränkungen ermöglicht werden.

Ob ein Roboter Prostitution eindämmt und für Sexunterricht dienen kann, ist fraglich. Prostitution beenden wird er aber nicht, da ein Roboter niemals ein Mensch sein wird, egal, wie menschenähnlich er ist. Deswegen sehe ich auch nicht die Gefahr, dass er menschliche Beziehungen grundsätzlich ersetzt oder nur optional macht, denn sie machen so viel mehr aus.

Sexuelle Anziehung hat so viel mehr Aspekte, als das Aussehen allein. Wie riecht jemand, wie spricht jemand, wie bewegt sich jemand?

Sexuelle Anziehung hat so viel mehr Aspekte, als das Aussehen allein. Wie riecht jemand, wie spricht jemand, wie bewegt sich jemand, wie denkt jemand? Lebende Menschen schauen sich in die Augen und beide Partner*innen erleben, wie man sich gegenseitig Lust schenkt. Das kann kein Roboter, denn ein Roboter fühlt nicht. Er kann so programmiert sein, dass er auf bestimmte Berührungen reagiert, aber das macht ihn noch lange nicht lebendig. Es macht ihn nicht echt.

Auch wenn ein Roboter das alles nicht kann, kann er womöglich trotzdem einsamen Menschen helfen, ein bisschen weniger einsam zu sein – beispielsweise Menschen in Fernbeziehungen, die ihre*n Partner*in selten sehen. Es könnte die Lebensqualität von Menschen erhöhen, die kein oder ein wenig ausgeprägtes Sexleben haben.

Ein Roboter kann womöglich trotzdem einsamen Menschen helfen, ein bisschen weniger einsam zu sein

Jedoch könnte er auch zu einer Sexsucht führen oder dazu, dass Gewaltphantasien ausgelebt werden. Selbst wenn der Roboter so programmiert ist, dass er „Nein“ sagen kann und somit auf eine „Vergewaltigung“ nicht freudig reagiert, ändert das nichts daran, dass er sich nicht wehren kann.

Ob das Vergewaltigungen von realen Menschen vorbeugt oder sie eher weiter provoziert, ist streitbar. Ich bin der Meinung, dass es auf jeden Fall kritisch zu betrachten ist, dass mit etwas, das bewusst menschenähnlich aussieht, so umgegangen werden kann, weil so Grenzen zu leicht verschwimmen. Die menschliche Empathie geht verloren.

Auch ist es kritisch, dass es bisher hauptsächlich weibliche Sexroboter gibt, die meistens stereotypisch aussehen. Das ist sexistisch. Eine Vielfalt wäre da wünschenswerter.

Gewisse Sexspielzeuge sind auch gesellschaftsfähig geworden und haben echten Sex nicht ersetzt, sondern nur ergänzt.

Pornographie und gewisse Sexspielzeuge sind in der heutigen Zeit allerdings auch gesellschaftsfähig geworden und haben echten Sex nicht ersetzt, sondern nur ergänzt. Es ist durchaus möglich, dass Sexroboter das in Zukunft auch tun werden, wenn die Zeit reif ist und die ersten Bedenken überwunden wurden.

Neuem und Fremdem steht man schnell kritisch gegenüber, deshalb auch mein anfänglich erwähntes Befremden. Aber ich würde niemals von Ekel sprechen. Vielmehr davon, dass es spannend wird, die weitere Entwicklung zu beobachten.

Headerfoto: Stockfoto von Mayer George/Shutterstock. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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