Was ich mal sagen wollte: Sextoys müssen raus aus der Schmuddelkiste

Raus mit dem Sexspielzeug aus der gesellschaftlichen Schmuddelkiste und rein mit Euch ins Vergnügen. Der feministische Sexshop Fuck Yeah im Hamburger Gängeviertel setzt auf sexuelle Vielfalt. Das ist genau die richtige Botschaft, denn die brauchen wir auch beim Thema Sextoys – nicht nur bei Frauen, bei denen Sextoys gesellschaftlich eher akzeptiert werden, als bei Männern.*

Beim Fuck Yeah-Sexshop geht es um Sexspielzeug für alle Geschlechteridentitäten und um sexuelle Aufklärung. Hier werden nicht nur nicht nur Cis-Männer und Cis-Frauen bedient, sondern es wird auch außerhalb der binären Geschlechterordnung gedacht. Menschen, egal welchen Geschlechts und egal welcher sexuellen Orientierung, sollen sich im Laden wohlfühlen und sich offen und ohne Scham über Sextoys informieren können.

Das finde ich gut, denn es wirkt dem gesellschaftlichen Widerspruch entgegnen, vor dem wir oft stehen.

In der Pubertät reden vor allem Jungs ganz unverfroren in der Schulpause darüber, dass sie sich teilweise mehrfach am Tag einen runterholen.

Es ist nämlich komisch: In der Pubertät reden vor allem Jungs ganz unverfroren in der Schulpause darüber, dass sie sich teilweise mehrfach am Tag einen „runterholen“ – und das so laut, dass es jede*r hören kann. Mädchen tun das eher nicht. Sie tuscheln darüber eher mit ihrer besten Freundin, als dass große Mädchencliquen sich lauthals auf dem Pausenhof darüber austauschen würden.

In meiner Schulzeit war ich oft die einzige, die das Thema überhaupt unter ihren Freund*innen ansprach. Werden aber aus den Mädchen irgendwann Frauen, dann ist es ganz normal, auch mal über Sextoys zu reden. So einen bunten Vibrator oder einen süßen Delphin-Dildo hat doch fast jede.

Die meisten Männer finden es ebenso spannend, sich über die Sextoys für Frauen zu informieren oder die ins gemeinsame Liebesspiel einzubauen – nur für sich selbst kommt es ihnen nicht geheuer vor. Sextoys für Männer sollten aber kein Tabu sein. Denn es gibt noch so viel mehr als die Taschenmuschi und die Gummipuppe.

Viele Männer sind an der Prostata empfindlich, ein Organ, das nur Männer haben und die Spermaproduktion unterstützt. Sie befindet sich unterhalb der Blase am Beckenboden. Sie soll der vermeintliche Konterpart zum weiblichen G-Punkt sein. Darum mögen manche Männer auch die sanfte Stimulation zwischen Anus und Skrotum.

Männer können anal teilweise mehr wahrnehmen als so manche Frau, sodass sich für sie beim Sex neue Welten auftun könnten.

Männer können anal teilweise mehr wahrnehmen als so manche Frau, sodass sich für sie beim Sex neue Welten auftun könnten. Analplugs, Anal-Beads (kleine Analkugeln, die während des Orgasmus rausgezogen werden sollen) und speziell geformte Analdildos oder -Vibratoren können die Prostata stimulieren.

Analspielchen werden jedoch leider noch viel zu oft von heterosexuellen Männern abgelehnt und als „schwul“ abgestempelt.

Das sollte nicht sein. Es wird Zeit, dass wir alle dem Thema Sextoys aufgeschlossener gegenüberstehen. Sie sind weder „schmuddelig“ noch kaufen sie nur Leute, die ihr Sexleben wieder „aufpuschen“ wollen.

Im Übrigen geben einem auch die Verkäufer*innen im Fuck Yeah Sexshop ein gutes Gefühl. Sie erklären Funktionsweisen, klären auf und beseitigen engagiert Vourteile. Interessierte können dort Fragen stellen und die Sextoys anschauen und anfassen.

*Hier bin ich hauptsächlich auf ein Phänomen bzw. Verhaltensmuster eingegangen, das bei Cis-Personen zu beobachten ist und so zu großen Teilen in unserer heutigen Gesellschaft noch existiert. Andere Geschlechteridentitäten sollen aber nicht ausgeschlossen werden.

Headerfoto: Stockfoto von Tanya Yatsenko/Shutterstock. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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