Was ich mal sagen wollte: Sex unter guten Freund*innen kann super sein

Ich wage mal die These: Sex mit guten Freund*innen kann eine super Bereicherung für die Freundschaft und das eigene Sexualleben sein. Klingt erstmal komisch, das sehe ich ein – muss auch nicht für jede*n gelten –, aber ich möchte euch mit auf eine Gedankenreise nehmen.

Was genau spricht denn erstmal dagegen? Es gibt wohl eine gesellschaftliche Moralvorstellung, die besagt, dass das irgendwie nicht so gut sein kann. Dass eine Freundschaft auf diese Weise kaputt geht. Dass jemand am Ende mehr will als der*die andere. Aber muss das so sein? Ich denke nicht.

Warum? Freund*innen sind die Menschen, die einen am besten kennen, denen man vertraut. Mit denen man lacht und weint. Mit denen man über (fast) alles spricht, auch über Sex.

Sex mit guten Freund*innen kann eine super Bereicherung für die Freundschaft und das eigene Sexualleben sein.

Beim Sex zwischen Freund*innen geht es nicht darum, sich von seiner besten Seite zu zeigen. (Darum sollte es natürlich eigentlich nie gehen!) Sie kennen sowieso schon sämtliche Seiten. Die sexuelle Begegnung profitiert also von Anfang an von einem großen Vertrauen und einer großen Zuneigung, von zärtlichen Empfindungen füreinander, die dann anders ausgelebt werden können. Sex ist Zuneigung, Sex ist lieb zueinander sein.

Warum schlafen wir mit Menschen? Weil man sie attraktiv findet? Weil man sie witzig findet, weil man ihre Gedanken und ihre Intelligenz mag? Bei mir ist es eine Mischung aus diesen Dingen. Schon oft war es so, dass je länger und besser ich Menschen kannte, desto attraktiver fand ich sie. Ich habe und hatte mehrere Freund*innen, mit denen ich ab und zu schlafe. Am Anfang dachte ich auch noch: „Ohje, was ist, wenn sich das negativ auswirkt?“

Sex ist eine erweiterte Ebene, um Zuneigung zu kommunizieren und sich und dem*der*den anderen völlig natürliche Bedürfnisse zu erfüllen.

Jetzt weiß ich, dass es uns nur noch nähergebracht hat. Sex ist keine Kriegserklärung für die Freundschaft. Sex ist einfach nur eine erweiterte Ebene, um Zuneigung zu kommunizieren und sich und dem*der*den anderen völlig natürliche Bedürfnisse zu erfüllen. Zu zweit, zu dritt oder mit mehreren Menschen.

Für mich war das oft besser als Sex mit Fremden. Und selbst diese „Fremden“ beziehungsweise neu kennengelernten Menschen werden oft zu Freund*innen, weil ein „sich kennen“ und „wirklich mögen“ so viel besser ist. In meiner Welt ist Sex in den meisten Fällen kommunizierte Zuneigung.

Das bedeutet aber keineswegs, dass jede Freundschaft sexuelle Aspekte haben muss. Hat sie natürlich nicht. Auch bei mir nicht. Unsexueller als die Freundschaft zu meiner besten Freundin geht‘s wohl nicht. Emotional intimer aber auch nicht. Und Nacktsein ist auch kein Ding bei uns. Wie Geschwister. So unterschiedlich kann das sein.

Eine andere gute Freundin knutscht hingegen gelegentlich mit mir und war schon ein paarmal dabei, als ich Sex hatte. Voll okay. Sie sah mich kommen. Völlig normal.

Ein bisschen knutschen ab und zu kann ja auch schön sein.

Auch freundschaftliche Berührungen wie Umarmungen zur Begrüßung werden viel zärtlicher. Ich habe einen Freund, der krault mich manchmal, wenn es mir schlecht geht.

Sobald ich mich von dem „Irgendwie sollte das doch komisch sein“-Gedanken gelöst hatte, war es einfach nur wahnsinnig befreiend, dass es gewisse Regeln nicht mehr gibt. Und es muss ja auch nicht immer gleich zu (regelmäßigem) Sex kommen. Ein bisschen knutschen ab und zu kann ja auch schön sein. Wenn kein „No-Go“ mehr im Raum steht, ist alles voller Möglichkeiten, aber ohne Zwänge. Im Vordergrund sollte natürlich immer die Freundschaft stehen. Alles andere ist ein Extra, das aber nichts bestimmt und nicht Situationen und Treffen dominiert.

Wenn mich jemand nach dem Trick fragen würde, wie das gelingen kann, dann würde ich sagen: Solange sich die Prioritäten nicht verschieben von „freundschaftlichen Dingen“ zu Sex, ist alles gut.

Headerfoto: Mahrael Boutros via Unsplash. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

1 Comment

  • Toller Text, allerdings ein schwieriges Thema. Dieses „Friends with Benefits“ geht leider eben auch sehr häufig schief. Ich denke allerdings dass das ganze eher an den Menschen liegt, die nicht zu 100% ehrlich zueinander und vor allem nicht zu sich selbst sind. Nur mit genug Ehrlichkeit kann sowas gut gehen.

    Ich habe es selbst schon erlebt: Freundschaft+, alles lief super, dann lernte ich eine andere tolle Frau kennen mit der es mir ernster war. Letztlich gab es einen riesigen Streit, weil sich meine gute Freundin nicht wirklich damit abfinden wollte und nicht akzeptiert hat, dass wir keine Besitzansprüche haben. Sie hatte sich in mich verknallt, wollte sich dies aber nicht eingestehen und hat damit die Freundschaft kaputt gemacht…

    Es kann aber auch anders gehen!

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