Was ich mal sagen wollte: Ich habe Sex beim ersten Date

Bevor die Überschrift direkt für Aufregung sorgt: Ich habe natürlich nicht auf jedem ersten Date Sex. Die überwiegende Mehrheit der Fälle sogar nicht, weil es entweder gar nicht passt und somit auch kein zweites Date folgt oder der Moment dafür eben erst wann anders gekommen ist. Aber ich habe auch manchmal Sex direkt beim ersten Date. Und darum geht es hier.

Mädchen- und Frauenzeitschriften wollten uns immer wieder weismachen, dass man mit dem Sex bis mindestens dem dritten Date warten soll. Dass man sich generell rarmachen soll als Frau, weil man sonst als leicht zu haben gilt und so uninteressant wird. Zur Schlampe macht einen dieses promiskuitive Verhalten sowieso.

Viele denken, dass Enthaltsamkeit in der Anfangsphase eine gute Strategie sei.

Deshalb denken viele, Enthaltsamkeit in der Anfangsphase sei eine gute Bindungsstrategie. Selbst dann, wenn man sich vielleicht selbst auch gar nicht so eng „binden“ möchte.

Ich sage, das ist alles Quatsch und wenn das Gegenüber Sex beim ersten Date wirklich despektierlich findet, ist das sowieso keine Person, mit der ich mich abgeben möchte.

Manchmal, wenn ich mich zu einem Date verabrede, hoffe ich sogar, dass es so gut wird, dass wir direkt am ersten Abend Sex haben wollen, weil ich grundsätzlich Lust auf Sex habe. Und daran ist nichts verwerflich.

Sich der eigenen Bedürfnissen bewusst sein und ihnen Raum geben

Und manchmal möchte ich einfach nur einen Kaffee trinken oder spazieren gehen. Das bedeutet nur, dass ich mir meiner Bedürfnisse bewusst bin und ihnen Raum gebe. Trotzdem mag ich es viel lieber, mit einer Person Sex zu haben, wenn man sich und die gemeinsame Sexualität schon länger kennt. Aber das erste Mal Sex mit einer neuen Person ist immer das erste Mal Sex und notwendig für weitere Male.

Ich kann verstehen, wenn Menschen sagen, dass Sex  für sie so intim ist, dass sie die andere Person erstmal besser kennenlernen müssen. Und tatsächlich erlebe ich in dieser Variante den Sex auch anders, wenn man sich schon gut kennt. Trotzdem zähle ich zu den Personen, die, wenn die Chemie und Stimmung passen, auch mit Menschen Sex haben können, die ich gerade erst kennengelernt habe.

Ich finde diesen Kontrast sogar sehr spannend. Jemand war mir gerade noch fremd und dann tun wir so etwas Intimes miteinander

Ich finde diesen Kontrast sogar sehr spannend. Jemand war mir gerade noch fremd und dann tun wir so etwas Intimes miteinander. Das ist für mich der Inbegriff davon, wie schnell Grenzen verschwinden können. Ich fühle mich damit selbst auch freier, weil ich mich so nicht einschränke.

Ich habe mich einmal damit auseinandergesetzt und das so für mich entschieden und kann dann jetzt einfach wann ich will Sex haben, ohne mich weiter um gesellschaftliche Regeln wie „Kein Sex beim ersten Date“ zu scheren.

Kompatibilität ist auch im sexuellen Bereich sehr wichtig

Übrigens: In den allermeisten Fällen folgt dann auch ein weiteres Date. Und meine Dates bestehen immer auch aus vielen, meist sehr tiefgründigen Gesprächen. Hinzu kommt, dass mir Sexualität aber auch einfach sehr wichtig ist. Ich weiß lieber früher als später, ob ich in diesem Bereich mit jemandem kompatibel bin oder nicht.

Was ich mit dem Text sagen will, ist einfach nur: Wer Lust auf Sex beim ersten Date hat, sollte ihn haben und nicht aus den falschen Gründen enthaltsam sein. Wer jemanden erstmal besser kennenlernen möchte, um Lust auf Sex mit einer Person zu haben, sollte das tun und sich auf keinen Fall drängen lassen.

Headerfoto: Alireza Esmaeeli via Unsplash. („Körperliches“-Button hinzugefügt, Bild gecroppt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“ Melinas Kolumnen gibt es jetzt auch in Buchform - und zwar hier.

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