Was ich mal sagen wollte: Auf die Penisgröße kommt es an? – Ich glaube nicht

Jetzt mal ehrlich, warum wird immer noch so häufig über die Penisgröße diskutiert? Sowohl unter den Frauen als auch den Männern. Unter Freundinnen wird gefragt: „Und wie groß war er?“, wenn eine von einer heißen Nacht erzählt. Bei Männern findet die Penisgröße dann eher in Form von Witzen und Sprüchen Erwähnung.

Generell geht es da eher um Abwertung. Oft besteht noch immer die Annahme, Männer mit kleinen Penissen hätten besonders häufig die Angewohnheit, ebendies mit dicken Autos oder anderen Statussymbolen zu kompensieren. Wenn sich jemand feige verhält, dann ist des Rätsels Lösung: „Er hat keine Eier“. Als ob das Vorhandensein von Testikeln etwas über Charaktereigenschaften aussagen würde.

Penisse sind Körperteile wie andere auch und die sind nun mal von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Ich behaupte: Das ist einfach Schwachsinn. Penisse sind Körperteile wie andere auch und die sind nun mal von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der*die eine hat große Hände, der*die andere hat kleine. Der*die eine ist groß gewachsen, der*die andere klein.

Ein kleiner Penis ist nichts Schlimmes und ein großer nichts, auf das man besonders stolz sein kann. Man hat auf beides keinen Einfluss und beides hat in der Regel keine besonderen Vor- oder Nachteile. Die allermeisten Penisse sind für die gewünschten Praktiken groß genug. Nur bei sehr seltenen Ausnahmen sind Penisse zu groß oder klein für eine angenehme respektive ausreichende Penetration. Außerdem ist Penetration nur eine von vielen Arten, Sex zu haben.

Wenn man überhaupt über Penisgrößen nachdenkt, dann kann man es aus meiner Sicht so sehen: Eher kleinere Penisse sind gut für Analsex, eher größere Penisse nicht. Überdurchschnittlich große Penisse können (ganz eingedrungen) selbst bei vaginalem Geschlechtsverkehr weh tun, wenn sie den Muttermund berühren. Aber auch nicht alle Frauen sind anatomisch gleich. Was der einen Frau aufgrund ihres Körperbaus weh tut, kann sich für eine andere gut anfühlen, weil sie anatomisch anders gebaut ist.

Und was die ganze Penisdiskussion noch abstruser macht, ist die Frage nach der Penisgröße im nicht-erigierten Zustand.

Und was die ganze Penisdiskussion noch abstruser macht, ist die Frage nach der Penisgröße im nicht-erigierten Zustand. Eigentlich müsste doch jedem Menschen klar sein, dass die Größe eines nicht-erigierten Penisses nichts über die Größe im erigierten Zustand aussagt.

Oft ist es ja sogar so, dass scheinbar kleine Penisse noch enorm an Größe gewinnen und vermeintlich große Penisse mit dem Bluteinschuss kaum noch wachsen und lediglich steif werden, sodass sie am Ende faktisch gleich groß sind.

Ich habe das Gefühl, sowohl bei Menschen mit als auch bei Menschen ohne Penis bestehen große Unsicherheiten. Mehrere meiner vergangenen (S)ex-Partner mochten es nicht, wenn ich ihren Penis im unerigierten Zustand sah. Schnell Decke drüber oder Unterhose wieder an. Sie zeigten sich so nicht gerne nackt.

Ich finde wir sollten uns alle mal entspannen und unsere Körperteile, ja, insbesondere unsere Genitalien, mehr so akzeptieren, wie sie sind. Und dazu gehört vor allem eine Beschäftigung mit ihnen. Sie sich zwischendurch mal ansehen, auch außerhalb von sexuellen Situationen. Gemeinsam nackt sein. Scham ablegen, denn es gibt nichts zum Schämen. Schwanzvergleiche sind out. Auch im übertragenden Sinne.

Headerfoto: Stockfoto von Dean Drobot/Shutterstock. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“

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