Was ich mal sagen wollte: Ab wann sind Dreier feministisch?

Sex zu dritt. Das ist die Fantasie einiger Menschen. Vielleicht sogar zu viert oder mit noch mehr Beteiligten. In Pornos sind es aber meist mehr Frauen als Männer, die gegenseitig rummachen. Und „Dreier“ meint auch oft nur den Traum vieler Männer: Sex mit zwei Frauen.

Und da wird die Fantasie schnell sexistisch und homophob. Denn: Vor dem Sex mit ihrer oder einer Partnerin und einem weiteren Mann schrecken viele Männer zurück. Sie sind ja nicht schwul. Dabei muss ein Dreier nicht heißen, dass sie selbst mit dem Mann aktiv werden müssen und selbst wenn, sind sie deshalb noch nicht schwul oder bisexuell. Aber nach der Vorstellung vieler Männer müssen Frauen das wollen. Dabei können diese auch zur gleichen Wahrscheinlichkeit nicht bisexuell sein.

Wie kommt es also, dass heterosexuelle Männer von vielen heterosexuellen Frauen erwarten, einen Dreier haben zu wollen? (Versteht mich nicht falsch, mir ist klar, dass man auch als heterosexueller Mensch Spaß beim Sex mit mehreren Menschen haben kann, aber es geht mir darum, das Ungleichgewicht in der Gleichung zu veranschaulichen).

In Pornos sind es aber meist mehr Frauen als Männer, die gegenseitig rummachen. Und „Dreier“ meint auch oft nur den Traum vieler Männer: Sex mit zwei Frauen.

Und da sind wir auch schnell beim Thema, das Frauen zugesprochen wird. Dass sie doch alle eh ein bisschen bi sind und Frau/Frau „no big deal“ ist. Und das ist sexistisch: Zwei Frauen, die rummachen, als Männerphantasie.

Sex mit mehr als zwei Personen ist erst dann gleichberechtigt, wenn nicht von der anderen Person etwas erwartet wird, was selbst verweigert wird. Soll heißen: Ein heterosexueller Mann kann von einer heterosexuellen Frau nicht erwarten, einen Dreier mit einer weiteren Frau zu haben, wenn er selbst nicht dazu bereit ist, diesen auch mit einem weiteren Mann zu haben. (Kann er von einer bi- oder pansexuellen Frau natürlich auch nicht.)

Wie meistens im Leben ist auch hier das Stichwort Respekt. Die Beteiligten müssen sich respektvoll begegnen. Wie schon beim Sex zu zweit, kommt es hier einmal mehr auf offene, ehrliche Kommunikation an.

Aber das Problem fängt meist schon bei der Suche nach einer dritten Person für einen Dreier an. Denn: Meist ist es ein Pärchen, das auf der Suche nach einem Upgrade im Sexleben ist. (Ja, das klingt jetzt böse. Mir ist klar, dass das nicht immer so ist und ich war auch schon das Paar, aber ein häufiger Fehler ist eben, dass das Paar nur auf sich schaut und die dritte Person Mittel zum Zweck ist und auch so behandelt wird.)

Die Beteiligten müssen sich respektvoll begegnen. Wie schon beim Sex zu zweit, kommt es hier einmal mehr auf offene, ehrlich Kommunikation an.

Ich wurde schon von Paaren auf Instagram (ja, wirklich!), Tinder und OkCupid auf die unangenehmsten Weisen angeschrieben. „Hi, du bist bi, lass mal einen Dreier haben.“ oder „Hey, du bist hübsch. Wir haben gesehen, dass du bi bist, hast du Lust auf Spaß zu dritt.“

Dating-Apps sind überschwemmt von Paaren, die sich oft aber auch nur einzeln präsentieren und dann im Chat damit hervorkommen. Besonders mit Frauen ist das so. Eigentlich suchen sie nur jemanden für sich und ihren Freund.

Mein dringender Rat: Wenn jemand zu zweit eine dritte Person sucht, dann sollte dies bereits im Profil gekennzeichnet sein und anstatt nur Tinder zu wählen, wäre eine Sex- und Erotikcommunity wie JOYclub vermutlich die bessere Wahl. Meine Erfahrung ist sowieso, dass die Begegnungen im echten Leben die besseren sind. Ja, auch da können sich mehrere Menschen treffen und zusammentun. Eine andere Variante sind Sexpartys oder Swingerabende.

Ich war sowohl schon die dritte Person als auch das Paar oder eine Einzelperson unter drei Einzelpersonen, ohne dass vorher schon zwei zusammen intim waren. Und diese unterschiedlichen Perspektiven haben mir geholfen, besser zu verstehen, wie man sich in gewissen Situationen fühlen kann. Deshalb lege ich immer besonders viel Wert darauf, dass sich alle – aber insbesondere die dritte Person – wohlfühlen.

Meine besten Begegnungen waren diese, bei denen alle was mit allen hatten, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Wo alles spontan und ungezwungen war – und nicht verkrampft.

Headerfoto: Stockfoto von Volodymyr Tverdokhlib/Shutterstock. („Körperliches“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“ Melinas Kolumnen gibt es jetzt auch in Buchform - und zwar hier: https://www.epubli.de/shop/buch/Was-ich-mal-sagen-wollte-Melina-Seiler-9783750242821/91428

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.