Verlorene Menschen: Du bist einfach gegangen und ich weiß bis heute nicht, warum

Das mit uns ging nicht lange, ziemlich genau vier Monate. Aber es waren intensive Monate. Kaum aus dem arabischen Ausland zurück, in dem ich zwei Jahre gelebt habe, traf ich dich mit deiner nussbraunen Haut und deinem französischen Akzent, mit deinen vielen Bändern ums Handgelenk und deiner fröhlichen, federleichten Art.

Du hast traditionell gekocht und wir haben typische Musik gehört, zusammen musiziert und in den Tag gelebt. Es war gut mir uns; ich war deine „Special Feli“ und du hast mein Heimweh nach der arabischen Welt gestillt.

Ich weiß nicht, warum ich dich verloren habe

Aus mir immer noch völlig unklaren Gründen (Wir hatten doch noch schöne, lustige Tage davor?), hast du dich zurückgezogen, nicht mehr auf Nachrichten reagiert. Du müsstest nachdenken. Worte, die alles in mir alarmierten, ich bin ja nicht blöd. Aber ich wollte dir die Zeit geben, die du brauchtest.

Du hast dich zurückgezogen, nicht mehr auf Nachrichten reagiert. Du müsstest nachdenken. Worte, die alles in mir alarmierten, ich bin ja nicht blöd. Aber ich wollte dir die Zeit geben, die du brauchtest.

Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass dein Nachdenken vielleicht gar nichts mit uns zu tun hätte. Eine Woche lang bist du einfach verschwunden, abgetaucht. Eine Woche lang bin ich fast verrückt geworden vor Unsicherheit und Gedankenchaos.

Ich hing total in der Luft, wollte dir einerseits die Zeit geben, die du brauchtest, wollte andererseits aber auch endlich Gewissheit haben. Nach einer Woche am Rande des emotionalen Wahnsinns habe ich dann doch mal vorsichtig angefragt, was denn nun sei. Und da sagtest du am Telefon, du könntest das alles nicht mehr. Aber du würdest mich als Menschen nicht verlieren wollen, weiterhin mit mir Musik machen wollen.

Du sagtest am Telefon, du könntest das alles nicht mehr. Aber du würdest mich als Menschen nicht verlieren wollen, weiterhin mit mir Musik machen wollen.

Woher dieser plötzliche Wandel kam, was passiert ist – ich weiß es bis heute nicht. Ich habe nichts im Vorfeld wahrgenommen, es war alles okay zwischen uns, zumindest meiner Meinung nach. Ich habe dich gefragt, was passiert sei, aber ich habe nie Antworten bekommen.

Ich habe noch ein oder zwei Mal probiert, mit dir Kontakt aufzunehmen, um dich einfach freundschaftlich mal wieder zu sehen. Schließlich war das doch deine Aussage. Oder war das nur ein Standardspruch? Was konnte ich überhaupt noch glauben? Konnte ich meinen Erinnerungen glauben? Anscheinend habe ich ja irgendwas nicht mitbekommen.

Ich habe dich gefragt, was passiert sei, aber ich habe nie Antworten bekommen.

Aus einem Impuls heraus habe ich dich einfach mal angerufen, und da hatten wir ein echt nettes 45-minütiges Telefonat, als wäre nie was gewesen. Ich solle mich melden, wenn gutes Wetter sei, dann könnten wir ja spazieren gehen. Als ich mich dann meldete, hast du aber nicht darauf reagiert. Es folgten Wochen voller Abwarten, Nachdenken, vielen Fragen und … Stille.

Beziehung heißt Verantwortung 

In manchen Momenten werde ich wütend. Da sehe ich nicht ein, dass du dich feige aus der Affäre ziehst, den leichten Weg wählst und einfach verschwindest. Ich möchte nicht hingehalten werden, und ich möchte auch nicht die hinterherrennende Ex-Freundin sein. Ich möchte, dass du mir klar sagst, ob du nun möchtest, dass wir uns wiedersehen – oder eben nicht und dann lass ich dich auch in Ruhe. Mir eine klare Antwort zu geben, ist aber das Mindeste, was ich noch von dir erwarte. Ich möchte, dass du Verantwortung übernimmst.

In manchen Momenten werde ich wütend. Da sehe ich nicht ein, dass du dich feige aus der Affäre ziehst, den leichten Weg wählst und einfach verschwindest. Mir eine klare Antwort zu geben, ist das Mindeste, was ich noch von dir erwarte. Ich möchte, dass du Verantwortung übernimmst.

Verlassen zu werden, ist schlimm genug. Aber mit Fragezeichen zurückgelassen zu werden, ist zermürbend, die emotionale Loslösung verzögert sich immens, man hängt irgendwie im luftleeren Raum und wartet einfach auf Erlösung. Und so schlimm Trennungen auch sind: Das Kapitel „verschwundene Menschen“ ist wohl das traurigste und unheimlichste zugleich.

Verlassen zu werden, ist schlimm genug. Aber mit Fragezeichen zurückgelassen zu werden, ist zermürbend, die emotionale Loslösung verzögert sich immens, man hängt irgendwie im luftleeren Raum und wartet einfach auf Erlösung.

Man zweifelt daran, ob es die Beziehung überhaupt (als solche) gegeben hat, ob der Partner wirklich die Person war, die man kannte, welche Details man übersehen hat, ob man sich und seiner Wahrnehmung grundsätzlich noch trauen kann …

Doch am Schlimmsten finde ich, dass die gemeinsame Geschichte einfach keinen würdigen Abschluss findet. Ich hätte mir ein Abschiedsritual gewünscht, eine wertschätzende Umarmung, nochmal liebe Worte, weil man sich doch mochte und respektierte, selbst wenn es für eine Beziehung nicht gereicht hat. Das eine schließt doch das andere nicht aus. Oder?

Headerfoto: Alex Green via Pexels. (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür! 

Die Autorin möchte anonym bleiben. 

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