Was ich mal sagen wollte: Unternehmungen alleine sind total super!

Wenn mich früher jemand gefragt hätte, ob ich gerne alleine bin, hätte ich ganz automatisch gesagt, dass ich eine gute Mischung aus Gesellschaft und Zeit für mich bevorzuge. Darunter verstand ich, mit Freund*innen Dinge zu unternehmen, wie einen Kinobesuch, Grillen im Park, Schwimmen im See oder gemeinsam Kochen und alleine Zuhause gemütlich im Bett liegen und eine Serie schauen oder ein Buch lesen. Ich hätte nicht gemeint, dass ich alleine ins Kino gehe, im Park sitze oder im See schwimme. Genau das habe ich aber die letzten Jahre immer öfter gemacht.

Ausgangspunkt für mein kleines Experiment war die Tatsache, dass ich, nachdem ich 2017 aus dem Auslandssemester zurück gekommen bin, fünf Wochen frei hatte. Diese wollte ich bewusst Zuhause verbringen, nachdem ich so lange fort war. Ich habe mich natürlich auch sehr gefreut, Familie und Freund*innen wieder zu sehen. Selbstverständlich haben wir auch gemeinsam einiges unternommen. Anders als ich mussten sie aber auch arbeiten oder in die Uni und hatten nicht immer Zeit.

Es ging mir hervorragend

Bei wundervollem Sommerwetter war es für mich undenkbar, nur zuhause zu hocken, also habe ich mich, nachdem ich schön ausgeschlafen war, auf den Weg gemacht. Ich bin alleine zum See gefahren, habe dort meine Decke ausgebreitet und ein Buch gelesen und die Sonne genossen. Ich habe mich auf den Weg gemacht, bin in die Stadt gefahren und durch die Geschäfte geschlendert.

Keiner konnte sich beschweren, dass ich zu lange in der Umkleidekabine brauchte. Und als ich anschließend mit Einkaufstüten beladen in der Eisdiele saß und eine großen Erdbeereisbecher löffelte, ging es mir hervorragend.

Im ersten Moment könnte man meinen, dass es komisch ist, alleine etwas zu unternehmen.

Im ersten Moment könnte man meinen, dass es komisch ist, alleine etwas zu unternehmen, dass die Leute komisch gucken, aber das ist nicht so. Ich habe meine Umgebung viel bewusster wahrgenommen. Die Orte und ihre Menschen neu kennengelernt und mir ist aufgefallen, dass auch andere alleine rausgehen.

Neben mir im Café die Frau, die mich immer wieder freundlich anlächelte, ihren Kaffee genoss und sich nicht am Alleinsein störte. Oder im Park der junge Mann, der ganz in meiner Nähe seine Decke ausbreitete und ein Buch las. Alleine ins Kino gehen finden viele besonders skurril, dabei macht es für mich sogar noch am meisten Sinn, schließlich spricht man während des Filmes eh kaum. Einmal war ich durch einen Zufall sogar komplett alleine im Kinosaal, das war ein verrücktes Erlebnis und zwar auf eine gute Weise.

Alleine meint nicht einsam

Oft bleibt man aber auch gar nicht lange alleine, weil man Leute kennenlernt. Menschen sprechen mich an oder ich sie. Und die Zeit, die man sich für sich ganz alleine gönnt, ist auch wunderbar, um sich am Leben zu erfreuen. Mag komisch klingen, aber ist so, ich habe in diesen Momenten besonders gemerkt, wie dankbar ich für mein Leben bin, für die Sonnenstrahlen auf meiner Haut.

Zeit für sich nehmen und auch genießen können heißt zur Ruhe kommen, es heißt, mit sich selbst im Reinen zu sein. Und wenn ich dann wieder etwas mit meinen Freund*innen unternommen habe, konnte ich mich umso mehr über ihre Gesellschaft freuen.

Zeit für sich nehmen und auch genießen können heißt zur Ruhe kommen.

Zeit alleine unter Menschen hat meine Wahrnehmung klarer und aufmerksamer gemacht. Es ist etwas völlig Anderes im Park unter all den anderen Menschen die Sonne zu genießen als wirklich alleine im heimischen Garten. Beides muss nicht einsam sein. Alleine meint niemals einsam. Einsam sind nur diejenigen, die niemanden haben, an den sie sich wenden können.

Headerfoto: Holly Mandarich via Unsplash. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt.) Danke dafür!

Ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte Melina schon in der Grundschule und mit 14 Jahren hat sie angefangen, bei der lokalen Tageszeitung in ihrer Heimat zu arbeiten. Mittlerweile lebt sie in Hamburg, studiert Journalismus und ist als freie Journalistin immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Bei im gegenteil veröffentlicht sie die Kolumne „Was ich mal sagen wollte:“. Und das ist viel: „Ich möchte Dinge aussprechen. Laut und öffentlich. Diskriminierung und Doppelmoral gibt es an allen Ecken. All dem, was aufregt und was ungerecht ist, möchte ich einen Raum geben und es diskutieren. Vor allem feministische Themen liegen mir am Herzen und ich scheue auch nicht davor zurück, über Sex und all das, was dazugehört, zu schreiben. Denn auch darüber müssen wir reden!“ Melinas Kolumnen gibt es jetzt auch in Buchform - und zwar hier.

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