Tabuthema Menstruation: Warum sollen wir uns für unsere Periode schämen?

Die Menstruation sollte kein Tabuthema mehr sein. Niemand sollte beschämt und mit versteckten Menstruationsprodukten auf die Toilette huschen müssen. Tampons, Tassen und Binden dürfen auch gesehen werden!

Deshalb möchte ich meine Menstruations-Geschichte teilen. Dank meiner Mutter war ich von Anfang an gut aufgeklärt und nicht überrascht, verängstigt oder verwirrt, als ich mit 12 Jahren zum ersten Mal Blut in meinem Höschen sah. Ich legte mir eine Binde ein und kehrte dann zu meiner Freundin, die zu Besuch war, zurück. Schon bei der nächsten Periode nutzte ich dann Tampons, mit denen ich zum Glück nie Probleme hatte. Infos dazu gab es von meiner Mutter, der Zeitschrift Bravo oder in den Weiten des Internets.

Mit Schulfreundinnen war das kein Tabuthema.

Auch mit meinen Schulfreundinnen war das kein Tabuthema. Wir gaben uns gegenseitig Tampons oder klagten beieinander Leid, wenn wir Krämpfe hatten. Die waren in meinem Fall leider immer ausgesprochen stark. Ich habe schon eine Woche vor meiner Blutung immer wieder Schmerzen bekommen und gewusst, dass ich meine Tage kriege. Während der Menstruation selbst musste ich auf jeden Fall die ersten beiden Tage Schmerztabletten nehmen, weil es sonst nicht möglich gewesen wäre, zur Schule oder später zur Uni zu gehen.

Generell hat es mich auch immer sehr genervt, dass ich meine Tage stark und volle sieben Tage hatte und nicht wie manch andere menstruierende Person nur drei bis fünf.

Das Thema Menstruationsblut und Sex kam dann auch irgendwann auf mich zu.

Das Thema Menstruationsblut und Sex kam dann auch irgendwann auf mich zu. Dazu habe ich unterschiedliche Erlebnisse gehabt. Es gab Menschen, die sich deutlich gegen sexuelle Aktivitäten aussprachen, wenn ich meine Tage hatte. (Selbst dann, wenn ich ein Tampon trug und ein bisschen Streicheln ohne Probleme möglich gewesen wäre.) Andere (sie waren in der Mehrzahl) hatten damit gar kein Problem. Ich habe aber für mich festgestellt, dass ich mir diese Sauerei bei starken Blutungen lieber ersparen möchte. An leichten Tagen hingegen habe ich kein Problem damit.

In dem Zusammenhang gab es aber auch mal Situationen mit neuen (Sex-)Partner*innen, in denen es mir unangenehm war, meine Tage zu haben und ich nicht wusste, wann und ob ich es sagen sollte. Ich fragte mich: Ist er dann enttäuscht? Hat er sich Sex erhofft? Kann ich mit ihm knutschen und wenn es zu leidenschaftlich wird, rufe ich Stopp und sage, ich habe meine Tage? Aber das waren Unsicherheiten der Jugend. Heute ist es mir natürlich klar: Einfach sagen. Ist alles normal und natürlich. Kein Stress. Und jetzt kenne ich zum Glück nur Menschen, die das auch so sehen.

Kann ich mit ihm knutschen und wenn es zu leidenschaftlich wird, rufe ich Stopp und sage, ich habe meine Tage?

Nun ist es aber so, dass ich seit vier Jahren eine Verhütungspille nehme, bei der es je nach Frau sein kann, dass sie kaum bis gar keine Blutungen mehr hat. So ist es auch bei mir. (Die Diskussion zur hormonellen Verhütung, ihren Nebenwirkungen und die Frage danach, ob sie langfristig gesund ist, möchte ich hiermit nicht starten. Das ist ein kontroverses und separates Thema.)

Ich muss sagen, dass es eine große Erleichterung ist, die mit meiner Periode verbundenen Schmerzen nicht mehr zu haben. Ich weiß aber auch, dass sich diese vermutlich wiedereinstellen werden, wenn ich die Pille absetze. Deswegen habe ich zwei Anliegen. 1. Schämt euch nicht für euer Blut und 2. Sprecht über die (oft sehr schlimmen) Schmerzen! Helft, den nicht menstruierenden Personen zu verstehen. Woher sollen sie es wissen, wenn nicht aus erster Hand von blutenden Menschen?

Man kann auch nachhaltig menstruieren: mit Menstruationstasse, Menstruationsschwämmchen, Stoffbinden und -slipeinlagen, Menstruationsunterhosen und Bio-Tampons.

Übrigens kann man auch nachhaltig menstruieren und zwar mit Menstruationstasse, Menstruationsschwämmchen, Stoffbinden und -slipeinlagen, Menstruationsunterhosen und Bio-Tampons. Da ich durch meine Pille nur unregelmäßig und selten menstruiere und deshalb keine Menstruationstasse nutzen kann, habe ich mir jetzt Menstruationsschwämmchen und Menstruationsunterhosen gekauft. Zudem auch Stoffslipeinlagen für alle Tage, an denen ich stärkeren Ausfluss habe.

Ich kann nur allen empfehlen, sich über die verschiedenen Menstruationsprodukte zu informieren und mit anderen offen über ihre Erfahrungen auszutauschen. Denn viele von uns bluten nun mal ein mal im Monat.

Headerfoto: Allef Vinicius via Unsplash. („Wahrheit oder Licht“-Button hinzugefügt, Bild gecroppt.) Danke dafür!

Nachdem sie immer wieder von anderen so genannt wurde, bezeichnet sich Melina Seiler jetzt selbst als „Sexfluencerin des Vertrauens“ oder in seriös als intersektional denkende, sexpositive Oueer-Feministin, Bi-Aktivistin, Journalistin, Autorin, Speakerin, Kolumnistin und Podcasterin (Gedanken einer Sexfluencerin). Sie schreibt und spricht zu Feminismus (insbesondere über Sexualität, Liebe, Beziehungen & Schönheitsideale), queeren Themen sowie zu Diversitätsbewusstsein und Anti-Diskriminierung allgemein. So auch in ihrer Kolumne „Was ich mal sagen wollte“ bei im gegenteil, die es mittlerweile auch als Buch gibt. Melina hat einen Bachelor of Arts in Journalismus und Unternehmenskommunikation. Ihren Master of Arts in Journalistik und Kommunikationswissenschaft absolvierte sie an der Uni Hamburg. In ihrer Masterarbeit behandelte sie – wie soll es auch anders sein – feministischen Journalismus und die Frage, ob feministische Journalist:innen einen beruflichen Rollenkonflikt erleben. Mehr von Melina kann man auch in ihren Büchern Traum(a), LIEBEN & LEIDEN und Kopf. Stein. Pflaster lesen.

2 Comments

  • …und wenn man sich an den Umgang mit der Menstruationstasse und dem eigenen Blut gewöhnt hat, was ich wirklich jeder empfehlen kann, kann man sich evtl. auch für Kunst begeistern, die mit solchem Blut entstand. Susanne Schulz (“Abbilderei” im Netz) malt u.a. mit Menstruationsblut. Schaut es euch mal an.

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