Prinzipien der Liebe

Ein Mann (schlafend) und eine Frau (wach) liegen nebeneinander im Bett. Sie betrachtet ihn.

Sie: Ich liebe ihn, wie er so daliegt und schläft …

(Er schlägt im Schlaf um sich und trifft sie mit der Faust ins Gesicht.)

Sie (reibt sich die getroffenen Wange): Das tut weh, aber er hat es nicht mit Absicht gemacht … Er kann nichts dafür. Es wäre verrückt, ihn wegen so einer Kleinigkeit zu verlassen.

(Er schlägt wieder zu und dreht sich auf die andere Seite.)

Sie: Er merkt es nicht. Er kann nichts dafür. Er schläft. Gehört es nicht zur Liebe dazu, einen Menschen mit all seinen Fehlern zu akzeptieren?

(Er dreht sich wieder um und tritt sie dabei.)

Sie: Wenn ich ihn wirklich liebe, muss ich das hinnehmen. Mit mir ist es sicherlich auch nicht immer leicht. Vielleicht hat er Probleme? Ihm geht es nicht gut und er will mir nichts sagen, aus Angst verletzlich zu wirken und aus Angst verlassen zu werden. Ich verstehe ihn so gut. Das ist so rührend. Ich muss ihm vermitteln, dass er mit mir über alles sprechen kann …

(Sie stützt sich auf und betrachtet den Schlafenden.)

Sie: Wie hübsch er ist … Seine Wimpern, seine Nase … wie unschuldig er aussieht, wie vertrauensvoll … Ich liebe ihn.

(Er schlägt ihre Nase blutig.)

Sie: Ja, er tut mir leid. Zum Glück hat er mich. Er braucht mich. Ich will ihm helfen, ihn nicht allein lassen, mit seinen Problemen.

(Sie kuschelt sich an ihn. Er nimmt sie in den Arm und hält sie fest.)

Sie: Er liebt mich. Ich habe ein so großes Glück, dass ich nicht allein bin. Ich liege hier nicht allein, jemand ist bei mir, warm und lebendig. Ich habe einen Mann. Ich bin so glücklich.

(Er schlägt wieder zu. Ihre Nase blutet stärker. Sie macht sich von ihm los.)

Sie: Ich halte das nicht mehr aus. Warum tut er das?

(Sie schüttelt ihn, er wacht nicht auf. Sie gibt auf und streckt sich neben ihm auf dem Rücken aus.)

Sie: Ich bin verrückt, ich darf das nicht auf mich beziehen, er macht es doch nicht mit Absicht. Er schläft. Wie ungerecht ich doch bin. Ich kann ihm nicht vorwerfen, wie er ist. Ich habe einfach zu viele Selbstzweifel. Es ist meine Schuld. Ich und meine Zweifel machen alles Schöne zwischen uns kaputt.

(Er schlägt wieder zu.)

Sie: Er ist eben so. Ich werde ihn nicht ändern können. Ich muss ihn akzeptieren, wie er ist.

(Er schlägt wieder zu. Sie schüttelt ihn, bis er aufwacht.)

Er: Was hast du, Süße?
Sie: Du schlägst mich. Du musst gehen.

(Er nimmt sie in den Arm.)

Er: Mach uns nicht unglücklich. Ich schlafe so gut bei dir. Ich bin so gern bei dir.
Sie (weint): Aber du musst gehen, sieh, ich blute.
Er: Sei nicht traurig, denke nicht mehr daran. Du bist schöner, wenn du nicht traurig bist. Du solltest schlafen. Schlaf jetzt.
Sie: Gut. Bleib. Ich will es versuchen. Ich liebe dich. Ich schlafe jetzt.

(Er streckt sich aus und schläft weiter.)

Sie: Es ist meine Schuld. Ich kann nicht schlafen, stattdessen bin ich wach und denke nach. Ich sollte ihm vertrauen, ich mache alles so kompliziert. Ich bin beziehungsunfähig. Ich bin krank, verrückt. Ich habe Glück, dass er mich nicht schon längst verlassen hat.

(Er schlägt sie wieder.)

Sie: Aber wie kann ich jemanden mögen, der mich schlägt?

(Er schlägt sie wieder.)

Sie: Wahrscheinlich macht es mich an. Ja. Es macht mich an. Ich will mit ihm schlafen.

(Sie reibt zwischen seinen Beinen. Er erwacht, schnauft, greift nach ihrer Brust.)

Sie: Er macht es mir so gut. Ich kann darauf nicht verzichten. Es wäre dumm.

(Er rollt sich auf sie und fickt sie.)

Sie: Er macht mich so scharf. Ich will ihn niemals verlassen.

(Er ist gekommen, rollt sich von ihr herunter und schläft weiter.)

Sie: Ja, das ist Liebe, das ist Vertrauen. Ich bin gut für ihn. Er schläft gern mit mir. Er liebt mich, er braucht mich.

(Er schlägt sie.)

Sie: Ich liebe ihn … ‚

u.s.w.

Ruth wurde in Avalon- Kleinbickenbach geboren und studierte Reklamation, Panzerfaust und Abgesang in Schwedt, Unna und Pirmasens. Sie hofft, irgendwann von ihrer Arbeit im Callcenter leben zu können und nicht mehr Künstlerin sein zu müssen. Als gut erzogenes Mädchen tippt sie selbstverständlich nur mit Messer und Gabel und manchmal hat sie das Gefühl, ihr Mann betrachte sie als Partnerersatz. Sie schreibt hier. Und zeichnet hierEwiges Leben und stählerne Gesundheit denen, welchen ihre Facebookseite gefällt.

Headerfoto: Rowena Waack via Creative Commons Lizenz!

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RUTH HERZBERG ist Autorin aus Berlin. Manchmal zeichnet sie auch. Webseite: frauruth.de und Facebook-Fanpage: www.facebook.com/FrauRueth. // Autorinnenfoto: Hannah Herzberg.

4 Comments

  • Ein schöner und trauriger Artikel zugleich mit einer Melancholie die mich an gedankenschwere und einsame Spaziergänge im Herbst erinnert. Darauf muss ich erstmal einen chai latte mit Soja Milch trinken

  • Schlecht gemachter Versuch häusliche Gewalt zu erklären, der es allerdings schafft alle Betroffenen zu degradieren. Vielleicht solltet ihr lesen was eure Gast-„autoren“ von sich lassen, bevor ihr es veröffentlicht.

  • Max …dann tritt er sie mitten ins gesicht und sein Knie trifft ihren Magen und dann kotzt sie und er schlägt sie weil sie gebrochen hat ….
    Usw

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