Ich mache ästhetische Nacktbilder und verdiene damit Geld – Warum muss ich mich dafür rechtfertigen?

Es liegen aufregende Stunden hinter mir, als ich bei meiner besten Freundin auf der Terrasse sitze, einen sanften Engel mit Erdbeeren vor mir stehen habe und ihr die Frage “Was machst du jetzt?!” beantworten soll. Aufregende Stunden, in denen ich mit dem Internet mein neues Projekt – meinen neuen Job – geteilt habe und von einer kleinen aber doch sehr feinen Welle der Begeisterung und Ermutigung überrollt wurde.

Aufregende Stunden, in denen ich mit dem Internet mein neues Projekt – meinen neuen Job – geteilt habe und von einer kleinen aber doch sehr feinen Welle der Begeisterung und Ermutigung überrollt wurde.

Ich bin sehr zufrieden und doch sehr nervös, es nun in der Realität so richtig auszusprechen. Schreiben ist immer einfach, jemandem die Wahrheit ins Gesicht zu sagen und dafür einzustehen eine viel größere Herausforderung für mich.

Ich mache jetzt OnlyFans 

“Ich mache jetzt OnlyFans”, sage ich. Meine beste Freundin kommt nicht ganz mit und so muss ich erst einmal erklären und zeigen. Sie lehnt sich weit im Stuhl zurück und ich sehe ihr an, dass sie ziemlich baff ist. “Ich brauch glaub ich erstmal nen Schnaps”, sagt sie und schüttelt den Kopf. “Warum machst du das?!”

Sie lehnt sich weit im Stuhl zurück und ich sehe ihr an, dass sie ziemlich baff ist. ‘Ich brauch glaub ich erstmal nen Schnaps’, sagt sie und schüttelt den Kopf. ‘Warum machst du das?!’

Ja. Warum? Das ist die Frage, die ich mir selbst unbewusst beantwortet und nun doch das ein oder andere Mal von anderen Menschen gestellt bekommen habe. Warum habe ich mit OnlyFans angefangen?

Meine liebste Freundin kommt zu dem Schluss, dass sie es okay findet und letztlich wegen des Geldes wohl auch tun würde. Aber tue ich es wegen des Geldes? Es klingt so naheliegend – mal eben ein paar Nacktbilder ins Internet stellen und ein paar hundert Dollar mit deinem schönen Arsch machen. Aber nein, so ist das nicht.

Tue ich es wegen des Geldes? Es klingt so naheliegend – mal eben ein paar Nacktbilder ins Internet stellen und ein paar hundert Dollar mit deinem schönen Arsch machen. Aber nein, so ist das nicht.

Die Entscheidung war für mich tatsächlich kein langer, schleichender Prozess. Ich habe mir die Frage gestellt, ob es etwas für mich wäre, habe ein bisschen “Recherche” betrieben, eine Nacht drüber geschlafen und die Sache war klar: Ich mache es jetzt.

Eine Leidenschaft 

Dessous- und Aktfotografie in Form von Selbstporträts und darüber hinaus heiße Geschichten zu schreiben, verbindet zwei Dinge, die ich wirklich sehr gerne und, soweit ich das beurteilen kann, auch sehr gut mache. Man könnte also sagen, ich verbinde zwei Leidenschaften von mir.

Schon ewig und drei Tage mache ich Selbstporträts und dieses Jahr habe ich entdeckt, wie schön ich es finde, Nacktbilder von mir zu machen. Es ist eine ganz neue Weise, meinen Körper kennen und lieben zu lernen.

Dessous- und Aktfotografie in Form von Selbstporträts und darüber hinaus heiße Geschichten zu schreiben, verbindet zwei Dinge, die ich wirklich sehr gerne und, soweit ich das beurteilen kann, auch sehr gut mache.

Und vielleicht ist das einer der Hauptgründe – die Fotografie. Der Wunsch zu zeigen, dass erotische Inhalte nicht schmutzig, falsch oder anstößig sind oder zumindest nicht sein müssen.

Dass jeder Mensch das Recht hat, den eigenen Körper zu zeigen, zu feiern und zu lieben und es okay ist, Anerkennung dafür zu bekommen. Ja, vielleicht sind es auch ein wenig die Streicheleinheiten für mein Ego, die den Reiz ausmachen. Wer hört nicht gerne, dass man toll aussieht oder dass die Arbeit, die man macht, gut ist?

Noch viel mehr als die Schmeicheleien und das Gefühl der Selbstliebe, die meine fotografische Arbeit für OnlyFans begleitet, feiere ich dieses Gefühl der Freiheit. Das Gefühl, mich zu zeigen, wie ich bin und wie ich will. Nackt, frei, selbstbewusst. Es ist eine Entscheidung, die ich ganz alleine für mich getroffen habe.

Ich feiere dieses Gefühl der Freiheit. Das Gefühl, mich zu zeigen, wie ich bin und wie ich will. Nackt, frei, selbstbewusst. Es ist eine Entscheidung, die ich ganz alleine für mich getroffen habe.

Ich habe niemanden um Rat gebeten, nicht um Erlaubnis gefragt oder bedacht, was andere davon halten könnten. Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil es sich nach der selbstbestimmtesten Entscheidung seit langem anfühlt. Es fühlt sich nach Freiheit an, nach einer Sache, die ganz allein in meiner Hand liegt. Fühlt sich einfach richtig an. Und das ist ein verdammt geiles Gefühl.

In meine Fotos und Texte fließt verdammt viel Arbeit, Zeit und Herzblut. Dafür Geld zu bekommen, ist fair, denn es bedeutet Wertschätzung. Mit meiner Arbeit möchte ich nicht einfach nur erotische Inhalte teilen, vielmehr möchte ich zeigen, was – oder besser wer – dahinter steckt.

In meine Fotos und Texte fließt verdammt viel Arbeit, Zeit und Herzblut. Dafür Geld zu bekommen, ist fair, denn es bedeutet Wertschätzung.

Ein Mensch mit Herz und Verstand, mit Seele und Leidenschaft, mit Gefühlen und Gedanken. Und dieser Mensch kann eben verdammt sexy aussehen und tut das auch gerne. Das eine schließt das andere nicht aus.

OnlyFans ist Arbeit: ein richtiger Job. 

Beim Aufeinandertreffen mit Menschen, denen ich erkläre, dass ich jetzt auf OnlyFans tätig bin, habe ich oft das Gefühl, dass dies nicht als ernst zu nehmende Option in Betracht gezogen wird. Es ist ja ja kein “richtiger” Job. Maximal eine Übergangslösung.

Beim Aufeinandertreffen mit Menschen, denen ich erkläre, dass ich jetzt auf OnlyFans tätig bin, habe ich oft das Gefühl, dass dies nicht als ernst zu nehmende Option in Betracht gezogen wird. Es ist ja ja kein ‘richtiger’ Job.

Warum? Weil ich nicht im Büro sitze? Warum kannst du das nicht ernst nehmen? Weil ich kein Business-Kostüm trage (wobei sich das auf den Bildern sicher gut machen würde)?

Let me tell you: Ein dreistündiges Fotoshooting mit den verrücktesten Verrenkungen (denn solche Bilder sehen einfach nicht geil aus, wenn du dich auf die Couch lümmelst, wie beim Netflix gucken), die anschließende zweistündige Bildbearbeitung, das Vorbereiten der Beiträge, Zusammenstellen von Sets und ähnlichem, Nachrichten verschicken und beantworten und Werbung auf Social Media machen ist verdammt viel Arbeit – selbst wenn man erst 14 Fans hat. Oder gerade dann.

Es ist eine Dienstleistung, die am Ende nicht mehr und nicht weniger Wert ist, als jede andere Dienstleistung auch.

Es ist eine Dienstleistung, die am Ende nicht mehr und nicht weniger Wert ist, als jede andere Dienstleistung auch.

Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis das, was ich jetzt in diesem Internet mache, als “normal” betrachtet und nicht mehr verurteilt, stigmatisiert oder runtergeredet wird. Bis Feminismus den Sexismus besiegt hat.

Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis das, was ich jetzt in diesem Internet mache, als ‘normal’ betrachtet und nicht mehr verurteilt, stigmatisiert oder runter geredet wird. Bis Feminismus den Sexismus besiegt hat.

Bis alle Menschen frei sind, sich so zu zeigen, wie sie es möchten und sich wohl dabei fühlen können. Doch genau das ist der größte Teil meines “Warums”.

Empowerment ist wohl das passende Wort dafür.

Fotos: Nele (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt, Titelbild gespiegelt.) Danke dafür!

Nele schreibt und reflektiert – um sich selbst, das Leben und seine Herausforderungen zu verstehen. Und um die chaotischen Gefühle und Gedanken zu sortieren, die sich manchmal so groß und so überwältigend anfühlen können. Ansonsten fotografiert sie, stapft auf der Suche nach Entschleunigung durch die Natur und philosophiert mit ihren Freundinnen über Spiritualität, den Sinn des Lebens und Männer.

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