Ich führe eine Beziehung – mit zwei Menschen

Ich glaube dieser Titel bedarf einer Erklärung: Ich bin nicht mit zwei Menschen in einer „richtigen“ Beziehung. Ehrlich gesagt, bin ich in gar keiner. Aber ich habe eine Art von Beziehung zu zwei Menschen. Und diese beiden Arten addiert ergäben eine „richtige“ Beziehung. Klingt nach Chaos? Das ist absolut korrekt.

Vor allem weil beide Personen aktuell gar keine feste Beziehung führen möchten. Die eine Beziehung ist eine rein körperliche Beziehung, wobei auch die Frage ist, wie „rein körperlich“ eine Freundschaft nach gut sieben Monaten noch ist. Schließlich lernt man sich zwangsläufig ja auch immer besser kennen. Diese „Beziehung“ ist die längste, die ich je hatte. Also überrascht es wohl kaum, dass ich mich emotional nicht ganz von diesem Typen lossprechen kann.

Diese „Beziehung“ ist die längste, die ich je hatte. Also überrascht es wohl kaum, dass ich mich emotional nicht ganz von diesem Typen lossprechen kann.

Eine Zeit lang war sogar das absolute Gegenteil der Fall. Ich habe ihn in meinem Kopf schon handwerkliche Dinge für unser gemeinsames Zuhause und Kinder bauen sehen. Aber diese Gedanken sind seit einiger Zeit zum Glück weg.

Seitdem es Beziehung (oder so ähnlich) Nummer zwei gibt. Zunächst fing alles platonisch an. Wir kochten gemeinsam, tranken Bier, gingen einkaufen und schauten Musikvideos. Sachen, die man auch in einer Beziehung mit dem Partner unternehmen würde. Ich hatte Gesellschaft auf der einen und körperliche Nähe auf der anderen Seite. Also eigentlich alles prima.

Was passiert, wenn…?

Aber was passiert, wenn sich die ganze Situation ändert? Wenn die körperliche Komponente auch bei der anderen Seite dazukommt? Wenn ihr euch küsst und kuschelnd nebeneinander einschlaft? Und was unternimmt man, wenn dann am nächsten Morgen Typ Nummer zwei (ja, der Typ, der bisher die Nummer eins war) dir schreibt und sagt, dass er dich sehen möchte?

Denkst du dann während des Sex zum ersten Mal, dass du möchtest, dass es schnell vorbei ist?

Du fühlst dich gar nicht danach, schließlich riechen deine Haare noch nach ihm. Aber er hatte diese Woche einen Todesfall in der Familie und schreibt, dass es ihm gut täte dich zu sehen. Fährst du zu ihm, weil du für ihn da sein willst? Was machst du, wenn er dich dann küsst und auszieht? Gehst du drauf ein? Denkst du dann während des Sex zum ersten Mal, dass du möchtest, dass es schnell vorbei ist?

Schließt Du die Augen, damit du ihn nicht anschauen musst und nicht erkennst, dass er nicht er ist? Liegst du dann hinterher weinend in seinen Armen und bist einfach nur überfordert, weil er dann auch noch abends zum ersten Mal schreibt, dass ihr mal ein Bierchen (zu dem es aber eh nicht kommen wird) zusammen trinken könntet? Verachtest du dich selbst für das, was du tust, und für das, was du willst, aber dafür nicht einstehst?

Oder fährst du nicht zu ihm und fühlst dich schlecht, weil du ihn im Stich gelassen hast? Schreibst du weiter mit beiden Typen? Küsst du weiterhin beide Typen? Erzählst du dem einen von ihm, so wie ihr es einst abgemacht hattet? Würde es dazu führen, dass er keinen Kontakt mehr will?

Welche anderen Formen von Beziehung könntest du dir vorstellen? Gibt es einen Weg?

Und stellst du am Ende fest, dass du dich selbst belogen hast, als du sagtest, dass auch du keine Beziehung möchtest? Welche anderen Formen von Beziehung könntest du dir vorstellen? Gibt es einen Weg? Oder ist die Tatsache, dass es jetzt nicht passt, ein Zeichen dafür, dass es nie passen wird? So, wie sich die Sache anfühlt, kann sie nicht richtig sein.

Wie im Film … nur irgendwie nicht so romantisch

Ich fühle mich ein bisschen wie in einem Film, in dem ein Mädchen ebenfalls zwei Menschen gleichzeitig liebt. Die Handlung erzählt dann von dem Weg zu „dem Richtigen“. Am Ende sind alle glücklich und Typ Nummer 2 verliebt sich in die beste Freundin der Protagonistin. Die Lösung lautet: Monogamie.

Aber vielleicht ist es Zeit, das zu überdenken. Denn auch, wenn ich im Moment glaube, dass ich nichts mehr will als eine monogame Beziehung, bin ich gleichzeitig davon überzeugt, dass ich dann die rein körperliche Beziehung vermissen würde. Dieses blöde „Was wäre wenn?“

Und irgendwie läuft es auch immer gleichzeitig mit beiden Männern gut. Während einer von ihnen im Urlaub ist, meldet sich auch der andere nicht.  

Und irgendwie läuft es auch immer gleichzeitig mit beiden Männern gut. Während einer von ihnen im Urlaub ist, meldet sich auch der andere nicht. Wenn du mit dem einen einen schönen Abend verbringst und bei ihm übernachtest, wartet am nächsten Morgen eine Nachricht von dem anderen auf dich. Die beiden könnten sich ja ruhig mal absprechen…

Ich erinnere mich an eine Bemerkung von einer Freundin, die sich wünscht, mal wieder in Kontakt mit Männern zu kommen. „Bei dir ist das immer so einfach“. Damit ist gemeint, dass es jemanden gibt, der sich für mich interessiert. Und vielleicht würde sie meine aktuellen Gedanken als „Luxusproblem“ bezeichnen und sich wünschen, dass es bei ihr auch mal so zuginge. Wenn sie wüsste…

Headerfoto: cottonbro (Kategorie-Button hinzugefügt und Bild gecroppt.) Danke dafür!

LAURI: Heimlich blind vor Liebe, bekannt offen für Zynismus.

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