Die richtige Person bleibt nicht für immer die richtige – und Du kannst nichts dafür

„Fick den“, sage ich. Über mir brennt der Himmel, bunt, grell, es ist so laut, dass ich nicht damit rechne, dass mich überhaupt jemand verstanden hat. Vielleicht hab ich das sowieso auch mehr für mich gesagt. „Fick den“, sage ich noch mal, mit Nachdruck und weil es sich so gut anfühlt, wütend zu sein.

Trennungen kicken bei mir meistens erst nach einer Weile rein, irgendwie ist das gut, weil dann schon Zeit vergeht und sich der Schmerz nicht mehr so frisch anfühlt. Irgendwie ist es aber auch scheiße, weil es sich dann essenzieller anfühlt, nicht mehr so unmittelbar und leider so viel realer, ernüchternder.

Sie nickt, hält mir die Sektflasche hin, sagt „Er war nicht der Richtige“. Ich nicke, weiß ich doch.

Ich spüre, wie sich ein Arm unter meinen schiebt, ein Körper sich dicht neben meinen stellt, und höre, wie sie fragt „Tuts noch weh?“. Ich nicke, weiß nicht, sage, dass es so auf jeden Fall besser war, aber na ja, tut halt trotzdem weh. Sie nickt, hält mir die Sektflasche hin, sagt „Er war nicht der Richtige“. Ich nicke, weiß ich doch.

Wusste ich schon vor genau einem Jahr eigentlich, als ich zu Silvester so richtig unglücklich war. Dieses Jahr bin ich nicht unglücklich. Ich verbringe die Nacht mit Menschen, die mir wichtig sind und weiß, dass ich die anderen wichtigen Menschen auch in den kommenden Tagen und Wochen sehen werde. Menschen, bei denen ich keine Sekunde zweifle, ob und was ich ihnen bedeute.

Selbst wenn ich mich alleine fühle: Ich bin es nicht und das Gefühl verfliegt wieder.

Es ist furchtbar laut, ich nippe am Sekt und will nach Hause, ins Bett. Ich hab keine Angst davor, am New Years Eve um ein Uhr schon im Bett zu sein, alleine, das fühlt sich gut an. Gut, weil ich mir keine Sorgen machen muss, und weil ich weiß – selbst wenn ich mich alleine fühle: Ich bin es nicht und das Gefühl verfliegt wieder. Verfliegt schneller als noch vor ein paar Monaten.

Er war nicht der Richtige, sagt sie, und ich frage mich, was ist das denn, der Richtige, wer ist das? „Der Tag hat gestimmt, es war nur nicht das richtige Jahr“, singt Prinz Pi. Das stimmt aber nicht. Es war genau dieses Jahr, genau so war es richtig, anders hätte es nicht passieren können und auch wenn es mir Silvester vor einem Jahr nicht gut ging, waren ein paar Monate davor und danach ziemlich gut.

„Na aber nicht DIE Beziehung, es hat ja nicht gehalten“ sagt sie.

Meine Mutter meinte über die Feiertage mal zu mir, als wir über Beziehungen sprachen und ob und wen ich gerade date: „Na ja, ich hab das ja auch nie hinbekommen“. Ich fragte sie, was sie denn meine, immerhin hatte sie einige Beziehungen über mehrere Jahre. „Na aber nicht DIE Beziehung, es hat ja nicht gehalten“, sagt sie.

In diesem Moment merke ich, wie ich mich verabschiedet habe von diesem Konzept, schon vor einer Weile. Ein winzig kleiner Teil in mir hält vielleicht noch daran fest, und ich lasse mich auch überraschen, no offense, universe. Aber ich hab mich verabschiedet von Happily Ever After – und das nicht aus Verbitterung. Einfach weil ich verstanden habe, dass ich mich selbst permanent verändere, meine Bedürfnisse, Pläne, selbst die Musik, die ich höre. Wie kann ich erwarten, „den*die Richtige*n“ zu finden – wenn ich selbst immer wieder neu lernen muss, was in dieser oder jener Zeit für mich das Richtige überhaupt bedeutet?

Aber ich hab mich verabschiedet von Happily Ever After – und das nicht aus Verbitterung.

Ich gebe ihr die Sektflasche zurück, sie nippt. Jetzt tut mir das „Fick den.“ schon wieder leid. Denn irgendwie war er halt der Richtige, für ein paar Monate. Dass er es irgendwann nicht mehr war, dafür kann er nur bedingt was, dafür kann ich ein bisschen was und auch das Leben kann was dafür. Wütend auf ihn zu sein mag manchmal helfen, wenn ich traurig werde, dass diese guten Monate viel zu schnell vorbei waren. Aber es macht sie auch irgendwie kaputt, und das ist dann eben auch scheiße.

Headerfoto: Soroush Karimi via Unsplash. („Gedankenspiel“-Button hinzugefügt, Bild gecroppt.) Danke dafür!  

Paula Charlotte Kittelmann ist M.Sc. Psychologin in Leipzig. Sie schreibt als Autorin und Redakteurin über intersektionalen Feminismus mit Fokus auf Körperakzeptanz und psychische Erkrankungen/mentale Gesundheit. 2018 hat sie außerdem das Fotoprojekt „pure bodies“ gegründet, welches die individuelle Schönheit und Diversität von Körpern in den Fokus rückt.

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