You can’t hurry love

You can’t hurry love. Du musst nämlich warten. Vor allem, wenn Phil Collins das sagt. Ich hab lange gewartet. Lange Augen und Ohren offen gehalten. Für den Einen. Den Richtigen. Denjenigen, der mich zum Lachen bringt, mich bei existenziellen Krisen auf den Boden und mir gleichzeitig auch noch die Sterne – ja, die scheiß Sterne – vom Himmel holt. Der mit mir verbale Steine schmeißt, mit mir um die Wette meckert und mich drückt, bis die Luft und aller Ärger weg sind. Und mit mir so oft Harry Potter guckt, immer und immer wieder, dass es uns aus den Ohren rauskommt.

Ich hab lange gewartet. Und mich dabei fast selber verloren, weil ich mich so weit zurückgestellt und bestraft habe wie nur irgend möglich. Ein Phänomen, das ich nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei anderen großartigen Menschen und Freunden, ob nun eine Franziska oder ein Franz, bestaunen durfte.

Du kannst ja mittlerweile nur glücklich sein und ein erfülltes Leben führen, wenn da ein treuer Supermann an deiner Seite steht und dich auch niemals verlässt – wenn du deinen Mitmädels und diversen Artikeln in den Weiten der medialen Welt Glauben schenkst. In deinem Goodiebag dieses ganzen Arschlochevents findest du dann noch mitleidige Blicke diverser Jahrtausendpaare, gute Ratschläge und – nicht zu vergessen -das sich wie ein Mantra wiederholende: “Mensch, das hast du einfach nicht verdient. Du bist so ne tolle Frau.”

Ja! Ja, das bin ich tatsächlich. Ich kann lachen wie Räuber Hotzenplotz, ich bin ironisch und witzig, ich hab einen tollen Körper mit vielen Makeln und ewig blass bleibender Haut, ich mache das geilste Tiramisu der Welt und ich kann ordentliche Umarmungen austeilen.

Bis ich das akzeptieren konnte oder wollte, ist sehr viel Zeit vergangen, sind noch mehr Tränen geflossen und dabei ist auch öfter mal mein Herz zu Bruch gegangen.

You can’t hurry love.

Komischerweise brachte ein neuer Job die so dringend benötigte 180°-Wende.

Ich habe nämlich nicht nur viel zu viel Zeit mit Gedanken über Jungs verbracht, sondern auch endlos viel Zeit bei Arbeitgebern, die meine Arbeit nicht geschätzt haben und in Hörsälen und Klassenzimmern, in denen ich buchstäblich untergegangen bin.

Bis ich irgendwann begriffen habe, dass es mit der beruflichen Zukunft eben auch ein wenig wie mit den Jungs ist: Versuchst du es zu erzwingen und bist du verzweifelt auf der Suche nach dem Nonplusultra, kannst du gleich wieder in deine Höhle aus Tränen, Wut und Selbstzweifeln zurückkriechen. Denn das klappt nicht. You can´t hurry love.

Und du sollst nicht nur Menschen lieben, du solltest auf eine gesunde Art und Weise auch deinen Job lieben.

Ich war in meinen diversen Tätigkeiten der letzten Jahre so wahnsinnig unglücklich, dass ich das Gefühl hatte, ich würde gar nicht mehr aufstehen können. Nicht aus dem Loch der deprimierenden und verzweifelten Liebes- und Nichtliebesgeschichten und auch nicht aus dem noch tieferen Loch, das ich voller Angst und Unzufriedenheit meine Zukunft nannte.

Ich habe viel über mein Glück gegrübelt, habe mir Ratschläge geben lassen und lange, nervenaufreibende Gespräche geführt. Und jetzt habe ich ein Stück vom Glück für mich gefunden und stehe morgens mit einem dermaßen breiten Lachen auf meinem zerknautschten Gesicht auf, um mit einer Energie in den Tag zu rennen, die ich vorher bei mir noch nie erleben konnte.

Ich hab sie.
Diese Liebe.
Oder wie man das nennt.
Die man nicht zwingen kann.
Die eh macht, was sie will.
Nur eben nicht zu und mit einem Menschen aus Fleisch und Blut.
Ich liebe das, was ich tue.
Jeden Tag, den ganzen Tag.
Meine Arbeit.

AnnaBird ist auf der Nordseeinsel Juist aufgewachsen, hat aber letztes Jahr Sanddornschnaps gegen Pfeffi getauscht und ihre Zelte in der großen Stadt aufgeschlagen. Wenn sie nicht grade auf ihren Brief aus Hogwarts wartet oder die besten Pommes der Stadt sucht, beglückt sie die Stadt mit den vielen Jutebeuteln als Texterin. Neben Meeresrauschen und Ironie sind Pommes nämlich eine der schönsten Dinge des Lebens! Wenn sie groß ist, möchte sie ihre eigene Minischweinfarm betreiben. Sie wütet in Bild und Wort hier und ist sich nicht sicher, ob sie ein Blogbaby zur Welt bringen soll. Was nicht ist, kann ja noch werden!

Headerfoto: Margot Gabel via Creative Commons Lizenz!

imgegenteil_AnnaBird

5 Comments

  • Eigentlich ein sehr vielversprechender Texteinstieg – ich sehe es auch so, dass man als Single viel zu viel Mitleid erntet, was man weder braucht noch möchte, da man auch als Single-Frau durchaus ein erfülltes und glückliches Leben führen kann. Und ich denke auch, dass der Job einen großen Teil in diesem Leben ausmacht und dass man mit ihm durchaus zufrieden sein sollte. Dennoch finde ich es fast traurig, dass der Job hier quasi als Ersatz für eine zwischenmenschliche Beziehungen dient! Das, was man von sozialen Kontakten bekommt, bekommt man doch niemals von einem Job?! Eine Freundin sagte mir mal “no matter how much you love your job, your job never loves you back” und da steckt meiner Meinung nach viel Wahres drin. Am besten ist für ein erfülltes Leben doch eine gute Balance aus sozialen Kontakten, Hobbys, die einen Ausgleich schaffen und herausfordernder Arbeit, oder?

  • Falls sie ihr Blogbaby zur Welt bringen will, ich folge ihr schon ganz lange auf instagram, ihr Text hängt mir auch noch immer im Gedächtnis, vielleicht will sich Madame mal bei mir melden. Hätten da viel gemeinsam. Den Hogwartsbrief kann ich ihr auf der Schreibmaschine schreiben 😉

  • Super schöner Text und ich kann absolut nachfühlen was du beschreibst! Bin auch gerade auf Jobsuche und hoffe, meine große Jobliebe zu finden, die Liebe meines Lebens hab ich schon gefunden, auch wenn ich sie durch Blödheit und Zögern fast verloren hätte. Wünsche dir alles Gute und hoffe du bleibst so glücklich 🙂 Du wirst sehen, deine Ausstrahlung wird sich dadurch so verändern, dass du auch auf andere Menschen viel anziehender wirkst!

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