Anne-Sophie | 27 | Berlin

„Ich durfte nur KIKA und Tigerentenclub.“

Anne-Sophie ist ein richtiges Ostseemädchen. Obwohl der eigentliche Wohnsitz in Göttingen lag, verbrachte sie den Großteil ihrer Kindheit in den kalten Wellen im Norden und hatte dort auch nach stundenlangen Meeresbädern noch immer rote Bäckchen und tierisch viel Spaß. Als aufgeweckt und ziemlich laut beschreibt sie ihre jüngere Version und der erste Teil davon ist mit Sicherheit bis heute geblieben.

Als Anne-Sophie uns die Tür aufmacht, kann man ihre positive und neugierige Energie sofort spüren. In Windeseile setzt sie Kaffee für uns auf und beginnt auch schon ohne Scheu zu erzählen. Als Erstes von ihrem Alufolienfreund, der an der Messermagnetleiste hinter ihr hängt. Leider ist mir der Name entfallen, aber er scheint betrunken ein ziemlich guter Gesprächspartner zu sein. Spätestens als sie sich dann im nächsten Moment mit Kaffee bekleckert und sich gegen einen T-Shirt-Wechsel entscheidet, mit der Begründung, dass sie eben genauso sei („Das passiert mit eigentlich jeden Tag!“) ist klar, dass man mit dieser Frau eine ganze Menge Spaß haben kann und sie das Leben nicht zu ernst nimmt. Schließlich trägt sie auch eines ihrer liebsten Shirts von Adidas. Das bleibt jetzt an!

Darüber hinaus hat sie dann auch noch ziemlich viel zu erzählen, zum Beispiel von ihrer Zeit in einem Internat. Beim Wort Internat tun sich ja zwei Bilder auf: entweder beste Freundschaften, gemeinsames über die Gänge schleichen und grüne Wiesen oder aber gruselige Korridorwärterinnen, dunkelgetäfelte Speisesäle, Schüsseln mit pampigem Haferbrei und strenge Direktoren. Zum Glück hat Anne-Sophie eher die erste Variante erlebt und so erinnert sie sich mit großem Lächeln an diese Zeit, die sie lachend mit Schloss Einstein vergleicht, zurück.

Sie wollte selbst ins Internat, denn Anne-Sophie war damals viel alleine zuhause. Ihre Eltern, deren Studiengänge nach der Wende aufgrund von bürokratischen Hürden nicht anerkannt wurden und somit noch mal studieren mussten, waren viel außer Haus und so entschloss sich die 12-Jährige kurzerhand, woanders ihre Teenagerzeit verbringen zu wollen. Mama und Papa waren davon zunächst nicht unbedingt begeistert, aber Anne-Sophie setzte sich durch und folgte ihrem Instinkt.

Ihrem Instinkt folgte sie auch in den letzten Monaten und er führte sie drei Monate nach Bologna, wo sie das dolce vita mit einer Sprachschule vereinte. La bella donna hat dort jedoch niemanden kennengelernt, der ihr Herz erobern könnte, was auch zum Teil an der italienischen Dramatik liegen könnte. Bei ihren Spaziergängen durch die Stadt konnte sie gleich mehrmals Zeugin ausufernder theatralischer Beziehungsszenen werden, Ohrfeigen und auf den Knien betteln inklusive. Das ist dem Nordlicht dann eben doch zu viel. Passion yes, drama please no.

Ihrer überschüssigen Power entledigt sie sich lieber beim Sport, der einen festen Platz in ihrem Leben einnimmt. Mindestens vier Stunden die Woche gehen dafür drauf und zwar meistens in Form von CrossFit. Im Studio lässt sie ordentlich die Sau raus und stählt Willen und Körper, mit dem wunderbaren Nebeneffekt, dass sie sich stark, ausgeglichen und hellwach fühlt. Diese Seite an ihr sollte bei einem zukünftigen Lieblingsmenschen auch unbedingt Akzeptanz, wenn nicht sogar Lust zum Mitmachen, auslösen.

Man muss auch nicht gleich gemeinsam crossfitten, aber vielleicht mal ne Runde um den Block joggen? Wenn das an einem Sonntag passiert, kann man im Anschluss ihr Herz auch noch mit einem kleinen Spaziergang über den Mauerparkflohmarkt höher schlagen lassen, was eventuell aber nur eine Ausrede sein wird, um den dort ansässigen Weinhändler zu besuchen und über zwei, drei oder siebzehn Gläsern Riesling die Welt zu zerlegen.

Die studierte Journalistin, die es aktuell bei einer bekannten Fitnesskette zur PR-Managerin gebracht hat, ist nämlich auch eine ziemlich kluge Gesprächspartnerin, wenn ich das mal so schreiben darf. Liegt vielleicht wirklich an ihrem Papa, der sie als Kind eher so Richtung Bildungsfernsehen trieb. Anne-Sophie hat keinen Fernseher zuhause und besitzt – Obacht! – weder Netflix noch sonst irgendeinen Streamingaccount. Stattdessen vergräbt sie sich in den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen, zum einem aus Trotz („ich zahl doch Rundfunkgebühren“) und zum anderen auch aus echtem Interesse.

Also, wer von euch noch nie etwas von Rosamunde Pilcher gehört hat, der kann jetzt die Ohren spitzen und in die Tastatur hauen, denn Anne-Sophie lädt sicher gerne mal zum gemeinsamen Filmabend ein, übrigens inklusive selbstgemachtem Popcorn. Yummy. Nichtsdestotrotz wäre sie an all den bingewatchingfördernden Formaten schon interessiert, ist nur von der Auswahl überfordert und würde es dankend annehmen, wenn jemand mit ihr auf der Couch sitzen würde, der einfach schon genau weiß, was er gucken will.

Was ihr übrigens besonders wichtig ist an diesem zukünftigen Jemand ist Offenheit, Humor (der über Blondinenwitze hinausgeht) und Aufmerksamkeit. Im Großen und Ganzen sollte er einfach ein netter Kerl sein. Ach ja und Optimismus wäre noch ganz gut. Anne-Sophie ist ein kleines Honigkuchenpferd, dessen Haferschale eher halb voll als halb leer ist. Single ist sie jetzt seit zweieinhalb Jahren und langsam fände sie es schon schön, wenn man mal wieder gemeinsam die Ecken der Stadt entdeckt. Das wäre sowieso angebracht, denn dieses Mädchen kommt aus dem Prenzlauer Berg bedingt durch Beruf, Sport und Freundeskreis einfach kaum raus.

Wenn da draußen also jemand ist, der Lust hat, mit dem Fahrrad mal nach Steglitz, Neukölln, Waidmannslust oder Frohnau zu fahren, der melde sich doch bitte. Anne-Sophie ist ansonsten aber gerne auf Reisen, wenn es nicht gerade eine durch Berliner Bezirke ist und kann bereits eine Weltreise vorweisen. Neid. 11 Länder hat sie damals besucht und die To-Do-Liste trägt noch einige weitere Ziele.

Ansonsten macht sie auch gerne mal eine kulinarische Tour durch aller Herren Länder und kocht für ihr Leben gerne, was natürlich immer ein Pluspunkt ist, schließlich wird jeder gerne mal verwöhnt. Du selbst holst Pluspunkte, wenn du morgens auch mal einen Kaffee ans Bett bringst und niemand bist, der Menschen ihre Ideen und Träume ausreden will. Anne-Sophie glaubt an Gott und hat sich mit fünfzehn selbst für die Taufe entschieden, lebt das ganze aber nicht auf strengste Weise aus, sondern begreift es eher als Philosophie, die vor allem Menschlichkeit und Güte impliziert.

Bei der Vielseitigkeit bin ich mit dem Schreiben kaum hinterhergekommen, was dazu führt, dass ich in diesem Text so viele Punkte ausgelassen habe, die dringend herausgefunden werden sollten, um diese interessante, reflektierte, schöne, überlegte und lustige Gesprächspartnerin auch mal vor der Nase sitzen zu haben. Vielleicht geht ihr dann ins Wohnzimmer und ratet gemeinsam, wie viele Tinder-Matches dort ebenfalls ihr erstes Date haben.  Also haut in die Tasten und verliebt euch fleißig!

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Sorry, Anne-Sophie ist gerade nicht auf der Suche. Du kannst ihr leider nicht mehr schreiben.

Aber keine Sorge. Mehr Mädchen aus Berlin gibt es hier.

FROLLEIN MOTTE flattert fröhlich und frei in der Illustratorenwelt, und zeichnet alles, was ihr unter den Stift oder vors iPäd kommt. Ob am Schreibtisch, in Firmenheadquartern, Hochzeiten oder am Meer, Motti zeichnet flott und ohne viel Verdruss das Süße, Komische und Bekloppte. Ihre Figuren haben die schönsten Brüste, sind stets auf der Suche nach Bewegung und werfen sich in jedwede Situation, die das (Liebes-)Leben so zu bieten hat!
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