Emanuele | 21 | Stuttgart

„Du musst ja auch mit dir im Reinen sein.“

Also Mädels, jetzt mal zur Seite mit dem Smartphone und mit offenen Augen durch die Straßen Nürtingens laufen. Denn euch könnte da ein ganz besonderes Schmuckstück durch die Lappen gehen! Dieses hört auf den klangvollen Namen Emanuele (wir versprechen, der Nachname ist nicht weniger fabulös) und kommt eigentlich auch dem kleinen Saarland. Groß und stark geworden in einem Kaff namens Elm, weiß er auf jeden Fall, dass Kühe nicht lila sind. Als Knirps ist er von morgens bis abends beim Bauern hinten auf dem Traktor gesessen und durch die Gegend gefetzt. Aber weil das irgendwann langweilig wurde, ist er auch selber gefahren. Dass er da erst 14 war, erzählen wir jetzt niemandem. Da behaupte mal noch ein Stadtkind, das Landleben sei langweilig!

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Im Rausch der Geschwindigkeit holte sich Emanuele mit 15 seine erste Vespa ins Haus. Den Rausch meinen wir ernst, denn nur mal so als Tipp: ohne Drosseln fährt so’n Teil auch 65 km/h. Wenn du jetzt glaubst, die Garage sei schon voll – ha, weit gefehlt! Da steht noch ein waschechter Oldtimer drin in all seiner Pracht und Schönheit. Das Baby heißt Bugatti Replica und die Story dahinter ist verrückt. Für alle, die jetzt nicht wissen, was Replica bedeutet (so wie ich noch vor Kurzem): Dabei handelt es sich um ein, sagen wir, zusammengebasteltes Auto. Man nimmt den Unterbau von dem einen Auto und setzt die Karosserie eines anderen drauf. In diesem Fall stand irgendwo in den Weiten des Saarlandes ein alter VW Käfer in einem Baumarkt und vegetierte vor sich hin. Weil Emanueles Papa das nicht mit ansehen konnte, kaufte er ihn kurzerhand, um ihn dann in der heimischen Garage seinem Schicksal zu überlassen. So wollen wir das aber auch nicht! Vor allem nicht Emanuele. Der hatte damals auch keine Ahnung von Autos, aber seit jeher Autodidakt (hihi) und dachte sich: Hey, lass doch aus einem Käfer einfach mal einen Bugatti machen! Gedacht, getan und so wurde in einem Jahr Arbeit der Wagen komplett zerlegt, flott gemacht und neu wieder zusammengelegt. Hier kennt der Meister noch jede Schraube persönlich und fahren kann das Teil auch. Hammer!

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Per se ist Emanuele ein Macher. Ganz nach Cesar heißt es: Ich kam, sah und machte einfach. In Mamas Garten den Teich umgestalten? Was am Feuersee ewig braucht, hat der Kerl in kürzester Zeit erledigt. Ist aber auch ein endloser Sprudel an Kreativität, der da aus ihm rausfließt. Und so passt es ganz gut, dass er jetzt in Nürtingen Kunsttherapie studiert. Weil er neben kreativ auch entschlossen und ehrgeizig ist, wurde die Studienwahl schon mit 16 Jahren getroffen. Damals hat er durch ein Praktikum in der Psychiatrie von dem Studiengang Kunsttherapie erfahren und war sofort Feuer und Flamme. Allein dafür legte er nach dem Praktikum noch nach und machte die Fachhochschulreife. Künstlerisch ultra begabt war er ja schon immer, dass ihm das pädagogische auch taugt, zeigte sich in einem weiteren Praktikum. Hier arbeitete er ein Jahr mit Heimkindern, griff beim Alltag unter die Arme und war einfach da. Haben wir schon erzählt, dass Emanuele selber erst 18 war? Wir ziehen unseren Hut vor so einer Leistung und sind einen kleinen Moment überwältigt und sprachlos.

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Darauf folgte die Bewerbung an der Hochschule Nürtingen mit krasser Mappe und natürlich einer Zusage. Besser so, denn wer macht schon einen Plan B, wenn er doch nur das eine will? Weil alles so gut gelaufen ist, ist er auch mehr als zufrieden. Nürtingen ist ein lauschiges Plätzchen, wo man im Sommer am Neckar liegen und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt, nachts am hochschul-eigenen Klavier ein bisschen in die Tasten haut oder sich in den vorhandenen Ateliers kreativ austobt. Graffiti ist wohl Emanueles größte Leidenschaft und hier ist er auch seit drei Jahren erfolgreich als Künstler tätig. Bei so viel Tatendrang fragen wir uns: Wie verbringt er wohl den perfekten Sonntag zu zweit? Ganz einfach: auf dem Sofa, mit Schokolade, Tee und einem Haufen Essen und abends noch eine Runde über’n Weihnachtsmarkt. Denn neben all dem Tatendrang und der Energie ist Emanuele auch genau das: ruhig und gemütlich. Für die Zukunft kann er sich übrigens beides gut vorstellen, entweder in der Kunsttherapie zu arbeiten oder als Künstler. Von wegen brotlos!

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Wenn du dir jetzt also denkst: Künstler sind heftig sexy, dann kann der auch noch mit Kindern und deine Schnappatmung einsetzt – dann schreib einen Liebesbrief, bis sich dein Kreislauf wieder stabilisiert hat. Übrigens: Um Emanuele zu gefallen, musst du gar nicht selbst vom kreativen Schlag sein. Aber wenn du offen und interessiert bist und selbst das ein oder andere mal die Initiative ergreifst, dann hast du hier so was von einen Stein im Brett. Schwöre! Und wer weiß? Vielleicht findest du dich bald wieder auf einer gemeinsamen Kanu-Tour, wenn ihr eine Runde mit dem Bugatti dreht oder einfach in der schönsten Wohnung, die ein 21-Jähriger haben kann, chillt und er dir seine Dosensammlung zeigt.

Kontakt

Sorry, Emanuele hat jemanden kennengelernt. Du kannst ihm leider nicht mehr schreiben.

Aber keine Sorge. Alle Porträts aus Stuttgart gibt es hier.

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