Silva | 30 | Berlin

„Bequem ist immer gut, Funktion geht vor.“

Zwei Tage nach Orkan Xavier besuchen wir Silva. Natürlich dort, wo gefühlt alle hinwollen. In diesem Neukölln. Wieder ein regnerischer Tag, an dem wir jemanden interviewen dürfen. Am Klingelschild erkennt man schon, dass in dieser Wohnung mehrere Personen wohnen.

Silva öffnet uns ganz verschlafen und noch etwas zerknüllt, die für Altbauten typisch große Wohnungstür. Hereinspaziert in die Dreier-WG. Wir bekommen erst einmal einen Tee angeboten und dürfen in der Küche Platz nehmen. Ich zaubere Stift und Heft hervor und los geht’s. Fotografin Pat begeistert die in der Küche hängende wilde Konstruktion aus Pfannen. Und Silvas Haare haben es ihr angetan. Wild, zerzaust, gesund, blond und vor allem megacool. Diese Frisur steht ihr einfach!

Das Gespräch beginnt. Ich muss schnell sein mit dem Schreiben. Sehr schnell. Silva redet geschwind. Sie ist dabei trotzdem zurückhaltend. Beim Erzählen gestikuliert sie besonnen ballerinenhaft mit ihren Händen und fährt sich mit den schmalen Fingern durchs etwas zerzauste Haar. Sie hat eine so klare Gesichtshaut, dass ich ganz neidisch werde und beschließe, unbedingt mal zur Kosmetik zu gehen.

Silva ist 30 und trägt lässig kaputte Strumpfhosen zum Minirock und später beim Spaziergang dazu Chucks. Sie wirkt viel jünger als diese Drei Null, die ihr Alter bezeichnen, (Hach, diese Haut) und erinnert ein bisschen an Pippi Langstrumpf …

Jetzt mal zu den Fakten: Aufgewachsen ist Silva mit einem Schwesterchen und zwei Dalmatinern in Hennigsdorf bei Oranienburg. Dort hat sie, wie es so üblich ist, Kindergarten und Schule besucht und, was man bis zu einem gewissen Alter so macht, bei Ihren Eltern gewohnt. In der Schule trug sie bevorzugt – wohl als einzige – Schlaghosen und langweilte sich teenager-emotionslos durch die Schulzeit. Genauso gut, hätte man sie auch den ganzen Tag vor dem Fernseher MTV- oder VIVA-schauend setzen können, meint sie.

Schon früher träumte sie (wahrscheinlich vor lauter Langeweile im Unterricht), dass sie später mal weit weg von zu Hause lebt. Ja ja ja, jetzt Berlin – früher Oranienburg? Ich weiß, das ist nicht allzu weit. Aber wartet doch!

Nach dem Abitur überlegte sie zunächst einmal – entgegen dem Wunsch ihrer Eltern, die davon träumten doch endlich eine Zahnärztin in der Familie zu haben – nicht Zahnmedizin zu studieren, sondern entweder Produktdesign oder Politikwissenschaft. Am besten, wie gesagt, weit weg von Berlin. Vielleicht nach Greifswald? Das hörte sich sooooo bayerisch an. Ähm, war es dann aber nicht. Greifswald liegt ja bekannterweise in Mecklenburg-Vorpommern. Ist Silva dann auch noch aufgefallen.

Studiert wurde dann Politik- und Wirtschaftswissenschaft und der Bachelorabschluss in Bratislava erledigt. Klaro. Dafür wurde nebenbei natürlich auf die Schnelle Slowakisch gelernt. Zack. Ein Aufenthalt in Halle musste dann fürs Studium natürlich auch noch sein. Danach hat Silva zunächst in einem Architekturbüro im schönen, kleinen Rotterdam gejobbt. Eigentlich war sie aber nur da, um fast jeden Tag den besten Apfelkuchen der Welt zu essen. Ein bisschen Traum vom Weitwegsein hat sie sich damit ja schon einmal erfüllt. Check.

Erst mal zurück nach Berlin: Derzeit jobbt Silva in der Gastronomie und ist zu finden im Café Freudenberg am Südstern in Kreuzberg. Dort kocht und bäckt sie gegen Entgelt. Privat mag sie es, ausgefallene Rezepte auszuprobieren und nascht am liebsten Stachelbeeren und Kirschen. Da es diese Früchte ja im Winter nicht gibt, wechselt sie in der kälteren Jahreszeit gern zu heißer Schokolade in jeglicher Form, am liebsten aber mit Baileys, Rum und/oder Pfeffi. Mhhhh. Weiße Schokolade oder Karamellsirup wird auch gern viel in den Kaffee geschüttet. Hauptsache süß. Natürlich ist daher einer ihrer Lieblingsläden der Schokoladen am Winterfeldtplatz. Und Eis mag sie am liebsten im Winter eingekuschelt in ihrem Bett. Dort schaut sie dann  Filme wie Wonderwoman oder Serien wie The Handmaid’s Tale und Game of Thrones.

Bei so viel Süßkram, liegt es nahe, dass eines ihrer Hobbys das Imkern ist. Wahrscheinlich hängt sie schon mit der Zunge an der Wabe, ehe der Honig abgeschabt wurde. Heißt das überhaupt abschaben? Bei Klärungsbedarf bitte an Silva wenden. Sie wird es wissen.

Silva liebt es, ihre Freunde in der Nähe zu haben und diese sonntags bei Sekt mit Rhabarbersaft und leckerem Brunch zu treffen. Oder aber gerne mit ihnen im Park abhängen und eine gute Flasche Wein trinken. Sie geht gerne ins Theater, egal in welches Stück. Im Kino schläft sie aber leider regelmäßig ein, in der Hoffnung, der Film findet auch ohne sie ein gutes Ende. Einschlafen tut sie jedenfalls hoffentlich nicht auf Festivals, dort geht sie nämlich für ihr Leben gerne hin. In diesem Jahr hat sie schon einige besucht.

Musiktechnisch hört sie derzeit gerne The National, Martin Kohlstedt und Future Island. Einer ihrer Lieblingssongs ist dann aber doch noch als Kontrast dazu Cheri Cheri Lady von Modern Talking. Das erinnert sie einfach an ihre Kindheit, denn zu diesem Lied war sie damals immer beim Impfen. Lustig.

Das Tanzbein schwingt Silva ab und zu im Jonny Knüppel oder im Club Anomalie und nicht dort, aber ganz gern mal in Ruhe liest sie etwas von der wunderbaren Sybille Berg, Elfriede Jellinek oder aber Thomas Kunst und Frank Witzel. Derzeit liegt auf ihrem Tisch Die Welt im Rücken von Thomas Melle.

In ihrer Freizeit hat sie nebenbei mit befreundeten Journalisten das utopische Politikmagazin namens KATER DEMOS erschaffen. Mega. Eine Ausgabe hab ich mir gleich für umme unter den Nagel gerissen. Sie recherchiert dort, interviewt und organisiert Release-Partys mit.

Da Silva immer noch den Weit-Weg-Sein-Wunsch hat, verreist sie gerne. Dieses Jahr noch nach Tel Aviv und Wien und nächstes Jahr soll es dann nach Georgien, Norwegen, Serbien oder wo auch immer hingehen. Mit Slowakisch kommt man ja überall zurecht. Zelten kurz vor Berlin geht aber auch. Hauptsache Natur und raus. Ihr Name Silva ist da Programm. Das heißt nämlich Wald, wahrscheinlich ruft sie daher die Natur auch immer nach draußen. Dort ist sie nämlich am liebsten.

Angst hat Silva eigentlich vor wenig. Außer, dass ein großer Baum in ihr Zimmer fällt. Und das war auch schon vor Orkan Xavier so. Der hat sich ja dann auch Baum und Haus ein paar Aufgänge weiter ausgesucht. Puh.

Ihr „Neuer“ darf gerne saubere Zähne haben und sollte entspannt sein und schon wissen, wo er im Leben steht. So wie sie – fast, beinahe, na ja, bald – dann. Ein Schachspielbeherrscher wäre gut, dann könnte dieser ihr den Wunsch des Schachspielkönnens erfüllen. Das wäre doch zu schön.

Möchtest Du also Silva an die Hand nehmen und sie durch ihr geordnetes Chaos führen? Ihr nach dem Kinobesuch das Ende des Filmes bei einem Baileys oder Pfeffischnaps nacherzählen oder vielleicht nachspielen? Oder ihr endlich gute Boxen für ihren Plattenspieler beschaffen? Dann losgetippt und schreib!

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