Paul | 27 | Berlin

„Einmal habe ich durchs Jawort geklackt.“

„Seid ihr vor einem Shooting eigentlich auch aufgeregt?“ Wir? Niemals … na ja,vielleicht ein klitzekleines Bisschen. Aber bei Paul mussten wir uns einfach sofort wohl fühlen, denn der Gute stand lässig strahlend im Türrahmen und hat uns mit selbstgemachter Donauwelle und Willkommenstafel in Empfang genommen. Dreht man sich in Pauls Wohnung einmal im Kreis, entdeckt man überall Dinge, die von ihm designt, gepimpt oder zumindest angeschliffen wurden. Ja, Paul muss einfach alles anschleifen. Wenn dabei aber so ein traumhaft schönes Gästehochbett mit exklusivem Blumenkasten entsteht, darf er das auch weiterhin tun. Seinen Holzfimmel hat Paul übrigens von seinem Opa. In seiner Heimat Zernsdorf bauten die zwei aus alten Spanplatten einen Schrank oder Rampen und Rails für Paul und seine Skatercrew. Opa fetzt einfach. Ansonsten ist der kleine Knirps mit seiner Spielhose durch den Wald gehottet, war mit Opa (mit wem auch sonst?) in Polen angeln und lernte snowboarden. Seit dieser Geschichte mit dem Brett und dem Schnee unter den Füßen hatte Paul plötzlich einen eignen Willen und war nicht mehr der Schatten seines größeren Bruders. Coole Klamotten mussten her und in Zeiten wie diesen hat Paul auch aus Versehen einen Klebestift geklaut und mit seiner Möchtegern-Punkmusik einen Bandcontest gewonnen. Passiert halt mal. Aber der Knaller kommt erst noch! Mädels, schwingt das Röckchen, denn unser Protagonist hat jahrelang im Landeskader von Deutschland Rock’n’Roll getanzt. So mit Hüften schwingen, Formationstanzen und Pokal abräumen. In Pauls Jugend war das Nichtstun einfach auf dem absteigenden Ast und trotzdem hat der Skaterboy rechtzeitig erkannt, dass Schule eigentlich ganz geil ist, bevor sie vorbei war. Vom Abiball ging es für Paul direkt zum Roskilde Musikfestival in Dänemark. Und weil Paul in der Kindheit so viel Fantasie getankt hat, gewann er ohne Konkurrenz den dortigen Kreativwettbewerb. Bäääm Baby! Aus einer Klopapierrolle baute er das beste Haus und durfte deshalb in der regenreichen Festivalnacht in einer der begehrten Beton-Pipelines pennen. Und weil’s in Dänemark so schick war, blieb er gleich mal für 12 Monate. Empathisch wie der Paule eben so ist, arbeitete er als Sport und Deutschlehrer, in einer Schule für schwer erziehbare Jugendliche und wurde am ersten Tag gleich mal mit dem Messer attackiert. Das war selbst für den hübschen Neuköllner too much Abenteuer. Zurück in der Heimat wollte Paul seinen Kindheitstraum verwirklichen und Kamera studieren. In Berlin fing er ein privates Studium an und arbeitete in der Filmproduktion. Sein Herz schlug aber für die Filmuniversität Babelsberg, zweimal war er dort in der letzten Runde und dennoch hagelte es eine Absage. Und woran ist’s gescheitert? Seine Arbeiten waren gut, aber Paul war der Jury einfach nicht Hipster genug. Liebe Uni, da hast du wohl Pech gehabt. Paul blieb lieber individuell und machte Plan B zu Plan A. Jetzt ist er Gestalter für visuelles Marketing und sitzt gerade in Shorts bei IKEA und plant das Weihnachtssortiment. Im Grunde ist es ein riesen Happy-End, denn jetzt kann Paul die Kamera freiberuflich in den Händen halten und macht nur das, was ihm gefällt. Und wer kann schon behaupten, dass er Kameramann bei einem Film war, der in Cannes gezeigt wurde? Mädels, wie ihr merkt, der Paul kann wirklich vieles ziemlich gut. Zum Beispiel im Kopf die Diagonalen durch alles ziehen, alleine in Norwegens Wildnis nächtigen oder immer und überall einschlafen. Wenn er jedoch für irgendetwas kein Talent hat, dann fürs Essen zubereiten. So ist das eben. Dafür ist Paul die beste Schnippelhilfe aller Zeiten und so ein Avocadobrot mit Salzbutter muss man auch erst mal können. Mit seinem Film- und Musikgeschmack konnte uns Paul dann aber wieder überzeugen. Als Yorck-Kinoabo-Besitzer guckt Paul Filme im Original und empfiehlt uns Whiplash, Inception und Das Verschwinden der Eleanor Rigby. Musikalisch zog es ihn dieses Jahr zum Immergut und Bergfunk Festival. Und irgendwie ist seine Playlist jetzt elektronischer denn je. Neben der Singersongwriter-Musik vom Iren Damien Rice hört Paul beim nächtlichen Radeln auch gerne den Song New Error von Moderat. Das solltet ihr unbedingt auch mal ausprobieren. Ihr Lieben, ihr merkt schon, wir sind restlos begeistert von dem Mann, der sich für uns bei 35 Grad Außentemperatur, in ein Hasenkostüm wirft, Harmonie ganz groß schreibt und auf dem Skateboard einfach heiß aussieht. Also wir würden sofort mit Paul ne Runde kickern gehen! Und was ist mit dir? Liest du noch oder verknallst du dich schon?

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Kontakt

Sorry, Paul hat jemanden kennengelernt. Du kannst ihm leider nicht mehr schreiben.

Aber keine Sorge. Mehr Jungs aus Berlin gibt es hier.

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