Lisa | 36 | Berlin

„Es sollte ein Parfüm mit Lagerfeuergeruch geben.“

Ihr wollt ein Liebeslied, ihr kriegt ein liebes Lied! Ein Lied, das ihr liebt!

Lisa strahlt über das ganze Gesicht, als sie uns die Tür aufmacht und erleichtert sagt: „Schön, dass ihr jetzt da seid. Ich hätte mich sonst vor Aufregung wahrscheinlich noch fünfmal umgezogen.“ Diese Nervosität kennen wir doch alle; flauer Magen, großer Bewegungsdrang, zitternde Hände und die weltbewegende Frage nach dem Drunter und Drüber. Dabei kennt Lisa das Gefühl, vor der Kamera zu stehen bereits.

Als kleiner Fratz wurde sie von ihrem Papa engagiert, um für den Katalog einer Eisenbahnausstellung zu modeln. Ganz wie ein Profi huschte Lisa im Technikmuseum vor die Nebelmaschine und tat so, als würde sie einem abfahrenden Zug nachlaufen. „Das fand ich so toll, dass ich auch die Lackschuhe angezogen habe, die mir eigentlich viel zu klein waren“. Als angehende Laufstegverführung darf man eben nicht zimperlich sein – das haben wir doch schon von der Heidi gelernt. Wenn die gebürtige Berlinerin nicht gerade für Papa posierte oder nach dem Mauerfall Gummibärchen verteilte, genoss sie als Feuerteufel den Lagerfeuergeruch bei den Pfadfindern. Ansonsten hat sie die bekannte Biografie eines Heranwachsenden hingelegt: Hier und da heimlich rauchen, die Mutti anschwindeln, Mercedes-Sterne abbrechen, um sie als Armbänder zu tragen, und der Klassiker: Lippenstifte in der Drogerie unseres Vertrauens mitnehmen und vergessen, sie zu bezahlen. Ich sag es ja immer wieder: Weil wir bei Schlecker früher alle die Schminke geklaut haben, sind die heute pleite!

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Die Zeit war hart, kein High nur Low und immer wieder diese Popstar-Show

In der Schule kämpfte Lisa jeden Tag mit dem Buchstabenchaos in ihrem Kopf. Als Legasthenikerin hagelte es leider auch in den anderen Fächern, in denen Rechtschreibung und Grammatik wichtig waren, böse Noten. Besser wurde es erst, als Lisa die zehnte Klasse zweimal besuchen durfte. Auf ihr Deutschabitur hat sie sich mit solch einer Energie vorbereitet, dass sie stolz wie Bolle mit einer Eins heraus spazierte. Während meine Alarmglocken für Gerechtigkeit schrillen und ich schon längst gegen das Schulsystem rebelliert hätte, meint Lisa rückblickend lediglich, sie hätte sich ein Schulfach wie „Glück“ gewünscht. „Der Name könnte vielleicht auch anders sein, aber irgendwie werden wir doch viel zu sehr darauf getrimmt, anderen zu gefallen und der Gesellschaft zu dienen. Würden wir uns schon frühzeitig öfter fragen, was uns glücklich macht, und nicht, was wir am besten können, und danach unsere Entscheidungen treffen, hätten alle was davon. Denn: Wer glücklich mit seinem Leben ist, macht auch andere leichter glücklich“. Dies bedarf keiner Worte mehr. Einfach eine wunderschöne Idee, die nicht nur Lisa, sondern auch uns zum Strahlen bringt.

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Alter, krasse Braut, sie sagt „lass es raus“ und is‘ heiß darauf loszulegen!

Bei so viel Enthusiasmus für den Abschluss blieb weniger Zeit, um sich Gedanken über mögliche Zukunftsperspektiven zu machen. „Ich bin die Königin im Kleinziele setzen“, meint Lisa. Also gab es erst das Abitur, dann zwei Semester Japanologie und schlussendlich ein verpatztes Date, das sie zielsicher zum Studium der Architektur führte. „Wie ist das denn passiert?“, frage ich, und Lisa antwortet schmunzelnd, dass sie damals einen ziemlichen süßen Typen an der Angel hatte. Als dieser, wegen der Vorbereitung einer Präsentation, ihr erstes Date kurzfristig absagen wollte, entschied sie sich, ohne Ankündigung zu seiner Uni zu fahren. „Ich bin nicht gut im Warten und außerdem hatte ich mich die ganze Woche darauf gefreut.“ Zusammen hatten sie dann die Nacht mit Eis und Modellbau verbracht und Lisas Wunsch, Architektur zu studieren, war geboren. Bis heute hat sie die Wahl ihres Studiums übrigens nicht bereut, auch wenn sie schon früh wusste, dass sie nie planende Architektin werden möchte. Seit vier Jahren arbeitet Lisa jetzt in einem Architekturbüro und kümmert sich dort um Marketing und Kommunikation.

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Dickes B, home an der Spree, im Sommer tust du gut und im Winter tut’s weh.

Um sich kreativ auszuleben, stellt Lisa nebenbei Skizzenbücher aus den Einbänden alter Romane und besonders schönem Zeichenpapier her. Während Lisa uns ein Buch präsentiert, streicht sie liebevoll über das Cover von Arnold Zweig und erzählt uns, dass sie sich in ihrer Freizeit am liebsten in der Natur aufhält. Gerade kommt Lisa übrigens aus der Slowakei. „Wandern und Bergsteigen finde ich ganz toll und ich kann stundenlang in die Natur gucken und Fotos machen“. Mitten in Berlin zählt das Tempelhofer Feld zu ihrer Auszeitoase. Hier fährt sie Fahrrad, sitzt mit einem Feierabendbier auf dem Hochsitz oder liest ein Buch und beobachtet dabei die skatenden Boys. Mit ihren Freunden erobert sie per Stand-up-Paddling oder Segelboot die Gewässer, und von Rostock ist sie über Stettin schon einmal bis zum Tegler See geschippert. Generell verbringt Lisa ihre Zeit lieber mit anderen Menschen, als nur mit sich selbst. Sie genießt den Platz in ihrer großen Wohnung, aber allein ihr Küchentisch mit seinen acht Stühlen verrät uns, dass dieses emphatische Wesen gerne in Gesellschaft is(s)t: „Ich koche gerne für andere und mache beispielsweise Quiche, Pasta oder Sushi. Und ich stehe auf Jamie Oliver.“ Eine ähnliche Begeisterung empfindet Lisa übrigens für Theaterbesuche, Freiluftkinos und – haltet euch fest – für Hip Hop!

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Die Welt liegt uns zu Füßen, denn wir stehen drauf!

„Wir bräuchten mehr Spielplätze für Erwachsene, aber ohne Elektro!“, meint Lisa zu mir und erobert in diesem Moment mein Herz. Verrückt. Das gibt es noch? Mitten in Berlin? „Lisa, du sprichst mir aus der Seele, du kleines Einzelstück!“ „Ich mag Wortspiele und stehe bei Musik vor allem auf Texte. Ein Lied muss für mich auch immer eine Geschichte erzählen. Eine, die man sich immer wieder gern anhört. Im Hip Hop kommt zur Geschichte noch das Zusammenspiel von Worten und Beat. Grundsätzlich tanzt Lisa gerne auch mal eine Nacht durch, aber es muss ein gewisses Maß an Frischluftzufuhr vorhanden sein. Mit Türstehermentalitäten kann sie allerdings gar nichts anfangen: „Die nehmen sich immer alle so ernst in ihrem Coolsein.“ Deshalb bevorzugt Lisa Kneipen wie das Liesl oder das Promenaden Eck im hübschen Neukölln.

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Das ist Liebe auf den ersten K(l)ick, nicht mal Drum ’n‘ Bass hält jetzt mit Deinem Herzen Schritt

Manchmal wünscht sich Lisa für sich selbst eine extra Portion Mut oder mehr die Kontrolle abgeben zu können. Aber vor allem ist es ihr gerade wichtig, sich mehr Zeit für ihre Nichten zu nehmen. Die besonderen Momente in ihrer Entwicklung möchte sie gerne miterleben, und wenn ihr ein Mann mit einem Kind begegnet, sagt sie nicht nein: „Auch zwei wären okay.“ Kinder natürlich, nicht Männer! Am liebsten umgibt sich Lisa mit Personen, die nicht nur über einen Witz, sondern auch über sich selbst lachen können. Sie selbst gehört zu den Menschen, die sich von Berlin einfach nicht hetzen lassen. Nein, Lisa ist keine Ereignis-Süchtige!

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„Ich glaube, als Berliner legt man das Gefühl, immer und überall dabei sein zu wollen, recht früh ab. Man verpasst ja immer etwas hier“. Vielleicht ist es genau diese positive Einstellung zur Stadt, die dazu führt, dass Lisa so ein entspanntes Wesen ist und ich mich bei ihrem Alter so glanzvoll verschätzt hätte!

Lisa! Für wen, wenn nicht für dich, sollten wir zum Abschluss ein feines Stück deutscher Hip-Hop-Musik auspacken? Wir bedanken uns hiermit für das schöne Gespräch, in dem du uns so oft zum Lachen gebracht hast, für die neuen Ideen, die wir mitnehmen, und für deine fröhliche Art, die einfach ansteckend ist.

Een, Twej, Een, Twej, Drej!

Ist es die da, die da, die da oder die?
Ist es die da, die da, die da – oder die da?
Ist es die da, die da, die da oder die?
Ist es die da? Nein! Diesmal ist es Lisa!

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