Jessica | 27 | Leipzig

„Meine Wohnung ist wie ein Wurmloch.“

Unser erstes Interview, wir sind natürlich überpünktlich und Jessica, ganz entspannt, hat noch gar nicht mit uns gerechnet. Sie verabschiedet gerade noch ihre Freundin, die sie für eine Woche beherbergt hat. Freunde hängen gerne hier ab. „Die können sich bei mir vor der Außenwelt verstecken, keiner weiß, dass sie hier sind und ich bekoche sie dann tagelang.“ Und wenn ich mich in Jessicas Wohnung umschaue, dann kann ich das nur zu gut verstehen. Diese Wohnung ist die perfekte im-gegenteil-Vorzeigewohnung. Es ist hier gemütlich, sauber, kreativ und sehr hübsch, ein bisschen girly und ein bisschen künstlerisch-hip, so wie sich das für eine Kommunikationsdesignstudentin mit Hang zur Kunst gehört.

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Wir bekommen leckersten gebackenen Kuchen aus selbst getöpferter Keramik serviert. Köstlich … und das hat Jessica nach einem Abend mit fünf Gin Tonic hinbekommen. Respekt! Sie wohnt heute wieder in der Straße, in der sie aufgewachsen ist. Hier hat sie ihre Eltern und Großeltern, die sie regelmäßig sieht, in der Nähe, was ihr gefällt. Was sie allerdings seit der Kindheit nicht so gerne mag, sind Tiere jeglicher Art: Haustiere, Kriechtiere, alles, was zwei, vier, acht oder 20 Beine hat. Das wäre an sich nicht außergewöhnlich, wenn sie nicht aus einer Familie mit Zootradition kommen würde. Ihre Eltern, Großeltern, Tanten, Onkels und Cousins sind nämlich alle beruflich im Zoo tätig. Ich wette, ohne Jessicas Familie würde der Leipziger Zoo gar nicht existieren. Jessica durfte natürlich in ihrer Kindheit jedes Wochenende mit auf die Arbeit der Eltern in den Zoo – der Traum eines jeden Kindes und Jessicas Alptraum. Sie zeigt uns eins ihrer Lieblingsstücke in ihrer Wohnung: Ihr Opa war Zoofotgraf und hat, man glaubt es kaum, Tiere fotografiert. Und auf Bildern sind Tiere irgendwie auch okay.

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Wir quatschen über Jessicas Kindheit, die behütet war, über ihre Jugend mit dem ersten Freund, mit dem sie immer am Cossi rumgehangen hat, und über ihre rebellische Phase, in der sie schon auch mal ein Bier getrunken hat. Ja, die Jessica war ne ganz wilde Maus. Sie hat früh angefangen, sich für Kunst zu interessieren und während der Schulzeit schon intensiv im Theatrium Theater gespielt. Dann war klar, sie macht erst mal ihr Fachabi. „So für Kunstzeug.“ Bei Schulausflügen in die Spinnerei hat sie dann entschieden, sich an Kunstunis zu bewerben. „Die Menschen sehen alle so toll aus und irgendwie ist das alles schön, ich studier Kunst.“ Dabei ist sie auch geblieben und bewarb sich an verschieden Kunstunis. So ganz hat das mit der Annahme dann aber leider nicht geklappt. Deshalb hat sie erst mal eine Weile in der Keramik-Werksatt gearbeitet, was sie auch heute noch nebenbei macht. Denn nach mittlerweile zehn Jahren sagt sie: „Ich kann nicht ohne Keramik, ich brauch was in der Hand, das dreh ich dann kurz und schwups, ist ’ne Tasse draus geworden.“ Sie macht wirklich tolles Zeug, aus dem Kaffee und Kuchen noch besser schmecken. Nach ein paar Ausflügen in die Schneiderei, Gestaltungstechnik, Studium für Kultur- und Medienpädagogik, Studium für „interaktives Design oder irgend so ein Zeug“ ist sie jetzt endlich angekommen. In Halle an der Burg studiert sie Kommunikationsdesign und ja, das ist jetzt ganz gut.

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Jetzt ist Jessica aber langsam bereit für Sicherheit, sagt sie, kein Rumprobieren mehr. Sie möchte am liebsten einen Angestellten-Job, bei dem sie nach acht Stunden nach Hause gehen kann und dann vielleicht noch mal zum Fitness, was Leckeres Kochen, mal zum Frisör und stundenlang Serien gucken. „Ich suchte momentan diese amerikanischen Krimiserien, das ist mir etwas peinlich, Navi CSI und die typischen Netflix-Geschichten gerade z.B. The Crown.“ Sie muss nicht mehr jedes Wochenende ins IFZ, Conne Island oder Westwerk gehen. Sie hat ihr Leben einfach mal entschleunigt, um sich nicht mehr so gehetzt zu fühlen und zur Ruhe zu kommen. Sie geht nur noch auf ausgewählte Veranstaltungen – vielleicht mal auf einer Elektro- oder einer guten 80er-Party. Sie trinkt auch selten Alkohol. Gut, okay, außer gestern halt. Aber das war eine Ausnahme. Die fünf Drinks steckt sie dafür noch ziemlich gut weg. Anfangs war es eine riesige Umstellung, einfach zu Hause zu bleiben und nein zu sagen, wenn alle Anderen unterwegs sind. Dafür geht Sie jetzt lieber mal essen, z.B. ins Casablanca oder ins Kartoffelfräulein auf der Heine. Aber sie ist damit jetzt sehr viel zufriedener und ausgeglichener und so wirkt sie auch: angekommen.

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Jessica hat einige liebenswerte, verrückte Eigenschaften. Sie sammelt Ohrringe, hat viele schöne Dinge an den Wänden und sichtbar rumstehen, denn sie muss die Dinge immer sehen. Sie mag es nicht, wenn schöne Teile in Schränken versteckt sind. Bei so viel Gestaltungstalent kann sich das auf jeden Fall auch sehen lassen. Jessica hasst es, sich irgendwo anzustellen. „Wenn irgendwo eine Schlange ist, gehe ich weiter, auch wenn ich vielleicht gern nen Kaffee kaufen würde und das die letzte Möglichkeit ist.“ So ähnlich ist das auch mit Konzerten, das versteht sie nicht, dieses Rumstehen. Sie mag Klamotten von COS aber auch Chanel und Dior, das kann sie sich allerdings nicht leisten. Aber anschauen schon. Morgens braucht sie eine Runde Radio, damit sie jemand zulabert. Ihre Spotify-Playlist heißt „Samstag-Abend-Motivator“, manchmal klappt das auch. Ansonsten sagt sie: „Mein Bett schlägt jede Party in Leipzig“.

Cheatday hat sie auch schon mal fünfmal die Woche, wer kennt das nicht, aber sie versucht, alle zwei Tage ins Fitnessstudio um die Ecke zu gehen. Motivation dafür holt sie sich von ihren Lieblings-YouTube- und Instagram-Channels TeamAlina und Ellen Fisher.  „Das ist mein Booster! Oh Mann, das hab ich noch nie jemandem erzählt.“ Sorry, Jessica. So ist das mit uns. Jessica wirkt absolut im Einklang mit sich selbst und strahlt eine wunderbare Ruhe aus. Man kann sich in ihrem Reich und ihrer Nähe einfach wohlfühlen. Ihr Illustrations-Professor sagt über Jessica: „Sie stehen auf zu viel Harmonie im Leben.“ Ich finde das ganz wunderbar.

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Wenn sie über Männer und Beziehungen spricht, dann ist ihre Faustregel „Beziehungen können nur mit Reden funktionieren“. Der Typ, der sich für Jessica entscheidet, sollte Bock auf sie haben und nicht nur auf seinen Proberaum. Er muss auch nicht unbedingt was mit Kunst zu tun haben. Ob da mal eine schlechte Erfahrung mit ’nem Musiker gemacht wurde? Wir lassen die Frage mal offen. Männer sollten anpacken können und auch mal ’nen Tisch bauen, aber keine Machos sein. Bestenfalls sollten sie natürlich auch noch gut riechen dabei. Jessica steht eher auf den Kaffetrinker-Typ, sie hat uns aber trotzdem liebevoll den besten Tee zubereitet. Das sind einfache und bescheidene Wünsche, die wohl jede Frau teilt und hey Jungs, die sollten doch mit Leichtigkeit für eine klasse Frau wie Jessica zu erfüllen sein. Um es mit Keramiker-Worten auszudrücken: Ran an den Lehm!

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