Fabienne | 26 | Bern

„Ich glaube, ich bin nur ein bisschen schlimm.“

Fabienne war ja mehr so Typ hyperaktives Kind: Hauptsache immer draußen und ganz dolle viel bewegen. Sie mochte alles mit Baby-Fröschen, Räuber & Poli(zist) und generell jeglichen Schabernack, der mit Jungs zu tun hatte. Im Berner Umland gab es nämlich irgendwie keine Mädchen. Bis Fabienne 14 war, hat sie in der Jungsmannschaft des Dorfvereins gekickt. Die Truppe hat nie was gewonnen, dafür hat es aber am Ende auch wirklich keinen Spaß mehr gemacht. Wegen angespuckt werden. Wegen Pubertät. Wegen Jungs, die gerade Schamhaare bekommen haben. Kennt man ja. Hihi. Auf dem Saxophon könnte die Dame heute höchstens noch „Aui mini Änteli“ spielen, uns hochdeutschem Gesocks ja nur als „Alle meine Entchen“ bekannt. Als Teenie war Fabienne ziemlich laut. Sie wusste genau, was sie wollte: Nick Carter von den Backstreet Boys anfassen oder halt den ganzen Tag Britney Spears hören. Es war ihr sowas von piepschnurzegal, was der Rest der Menschheit von ihr dachte. Again: Pubertät. Gotta love it. Gegen 2006 hat Madame dann im Hip-Hop-Hose-in-die-Socken-Look ihre Matura entgegengenommen. Fabienne wusste gefühlt zwar schon immer ganz genau, was sie werden will, hat sich aber irgendwie nicht so ganz getraut. Deswegen hat die Gute erst mal einen auf Kassiererin und Au-Pair gemacht. Paris war schön und am Ende konnte sie sogar fast Französisch. Ja und 2008 war es dann endlich soweit. Fabienne hat auf ihr Herz gehört und Jura studiert. Finanziert hat sie das mit einem Job im Museum für Kommunikation und als Dame der Herzen der Young Boys VIP-Lounge. Einmal Fußball, immer Fußball. Seit zwei Jahren führt Fabienne nun den Titel Master of Law mit sich rum. Fast so gut wie Master of the Universe. Gerade arbeitet sie bei einem – und das ist nicht despektierlich gemeint – Feld, Wald und Wiesen-Anwalt. Dort betreut sie hauptsächlich Scheidungen. Das ist irgendwie krass, aber man arbeitet nah am Menschen und nebenbei wird so ein ganz kleiner Punkt des Voyeurismus bedient, den wir doch alle in der Wiege hatten. Später will sie mal Staatsanwältin werden. Logo. Das liegt ihr übrigens im Blut, der Herr Papa geht selbiger Berufung nach. Was Fabienne erst gegen Ende unseres Gesprächs einfällt und doch mega wichtig ist: Sie spielt schon ihr ganzes Leben lang Handball. Auch heute noch sehr aktiv beim HV Herzogenbuchsee, zweithöchste Liga in der Schweiz. Chapeau. Dreimal die Woche Training sind keine Seltenheit. Den Sport nimmt die Frau ernst. Das wirklich absurde dabei ist ja nur, dass sie noch nie operiert wurde. Jeder langfristige Handballspieler weiß: Dit kann doch jahhh nich sein. Doch Mann, isso. Fabienne hat nur eine einzige Narbe und die kommt von einem Salto. Aber das erzählen wir jetzt lieber nicht. An der Serienfront befriedigen sie Suits, Blue Bloods und Greys Anatomy. Das Kino würde sie ja gerne viel öfter besuchen, aber es ist gar nicht mal so einfach in Bern OV Filme zu finden. Oder Filme, die keine romantische Komödie sind. Damit muss man Fabienne gar nicht erst kommen. Sie guckt lieber alle aktuelleren Filme mit Leo DiCaprio. Thriller, Drama, Action – gerne mit Twist. Feiern kann unsere Titelheldin in der Turnhalle ganz gut. Neulich hat sie da bei Balkan Beats alles an die Wand getanzt. Stark. Fabienne liebt ihre komplett schwarzen Nike Rosherun, Edamame und lachende Menschen. Mit Nachtfaltern, Auberginen und Geiz kommt sie nicht so gut aus. Die 26-Jährige kann ohne Probleme ihr eigenes Fasnachtskostüm nähen – may the Cupcake aus Pappe r.i.p. – und wäre am liebsten mal unsichtbar oder beamfähig. Wer auf Frauen steht, die nicht vom Balance-Brett fallen, von vegan bis Fleischsalat jede Küche beherrschen und traurig sind, wenn sie ihren Gin Tonic ohne Gurke bekommen, der hat hier nicht nur seine nächste Anwältin im Visier, sondern auch eine eher unprätentiöse Fabienne an der Angel. Halt eine Frau, die auch ohne zu viel Schminke und krasse Stilettos durchs Leben kommt. How refreshing. Ran da!

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Kontakt

Sorry, Fabienne hat jemanden kennengelernt. Du kannst ihr leider nicht mehr schreiben.

Aber keine Sorge. Alle Porträts aus der Schweiz gibt es hier.

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